Rooftop was? Luzerner ignorieren Dachterrassentag
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Schöne Aussicht? Diese Dachterrasse in der Luzerner Neustadt wird am Samstag einziger Schauplatz des Rooftop Day. (Bild: zvg)

Nur eine Dachterrasse öffnet ihre Tore Rooftop was? Luzerner ignorieren Dachterrassentag

3 min Lesezeit 15.07.2016, 19:00 Uhr

Party auf der Dachterrasse: Was in vielen Städten zieht, scheint die Luzerner nicht zu interessieren. Nach dem Flop letztes Jahr lädt am Rooftop Day diesen Samstag immerhin eine WG auf ihr Dach ein.

Den Blick in die Ferne schweifen lassen und über den Dächern der Stadt den Sommer geniessen: Das verspricht der Rooftop Day, der diesen Samstag in Luzern stattfindet. Doch so gut das klingt: Es macht kaum jemand mit. In anderen Schweizer Städten hat der Anlass, der von Ron Orp organisiert wird, eine grosse Fangemeinde. In Zürich zum Beispiel öffneten im Juni fast 30 Dachterrassen für die Öffentlichkeit; und sogar in St. Gallen, wo der Rooftop Day ebenfalls diesen Samstag stattfindet, sind es immerhin sechs. 

In Luzern hingegen harzt es gewaltig. Nur gerade eine Dachterrasse steht den Stadtschwärmern und Schwindelfreien offen. Aufmerksame Leser werden nun womöglich denken: Das kommt mir bekannt vor. Genau: Bereits letztes Jahr tröpfelten für den Luzerner Rooftop Day nur zwei Anmeldungen ein – der Anlass wurde schlussendlich sogar abgesagt.

Hippies willkommen

Joel Lachat lässt sich davon nicht unterkriegen – er lädt als Einziger bei sich in der Neustadt zur Sommerparty über den Dächern. Selber habe er noch nie einen Rooftop Day besucht. Aber: «Es ist eine coole Sache und da wir gerne mit Leuten in Kontakt kommen, haben wir uns angemeldet.»

«Wir lassen uns überraschen. Und wenn niemand kommt, dann kommt halt niemand.»

Joel Lachat

Wir, das sind er und seine drei Mitbewohner in der Wohngemeinschaft, alle zwischen 23 und 27 Jahre alt. Doch die anderen drei seien an diesem Samstag gar nicht zu Hause, Joel Lachat organisiert den Abend mit seinem Kollegen Andreas Bühlmann. Das Motto lautet «Summer of 69 – All Hippies welcome». Doch ein Rahmenprogramm gebe es nicht.

Mitmachen kann, wer eine Dachterrasse hat

Die Idee des Rooftop Day: Für einen Tag im Jahr versteckte und nicht öffentliche Dachterrassen zugänglich zu machen. Mitmachen kann, wer eine Dachterrasse oder einen grösseren Balkon hat − und ein Programm. Ob das ein gemütlicher Grillabend, Yoga, ein Ping-Pong-Turnier oder ein Brunch ist, kommt nicht drauf an.

Der Rooftop Day findet inzwischen in acht Schweizer Städten statt und wird von Ron Orp organisiert. Wer seine Terrasse zur Verfügung stellen will, kriegt gratis Bier, ein Auto zum Einkaufen und von Ron Orp Tipps und Unterstützung bei der Kommunikation oder auch bei der Suche nach einem DJ.

Oft wird nur jenen Einlass gewährt, die sich vorgängig anmelden. Ron Orp weist zudem darauf hin, dass Teilnehmende jederzeit die Türe schliessen dürfen, wenn zu viele Leute da sind oder sich jemand nicht so verhält wie gewünscht.

Maximal 20 Gäste

Auf der Terrasse können zehn Personen sitzen, wenn man zusammenrücke, dann 15, und wenn es ganz eng werde, habe man Platz für 20, sagt Lachat und lacht. «Dann ist die Terrasse aber voll.»

Auch deshalb müssen sich die Gäste per E-Mail kurz anmelden – was bisher noch nicht geschehen ist. «Wir lassen uns überraschen und hoffen auf einen gemütlichen Abend. Und wenn niemand kommt, dann kommt halt niemand.» Einige Bekannte würden ganz sicher vorbeischauen, so Lachat.

Und die Nachbarn? Die seien allesamt jung und unkompliziert, sagt Lachat. Und um Lärmklagen gar nicht erst zu provozieren, heisst es nach 22 Uhr: runter vom Dach.

Hoffnung nicht aufgegeben

Einkaufen musste Joel Lachat nur ein paar Snacks. Die Brauerei Chopfab aus Winterthur sponsort das Bier, der Car-Sharing-Service Sharoo stellt ein Auto zur Verfügung, um einzukaufen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Luzerner Terrassenbesitzer sich zieren, mitzumachen.

 

«Der Rooftop Day ist in Luzern immer noch zu wenig bekannt.»

Viviane Lichtenberger, Ron Orp

«Das können wir uns ehrlich gesagt nicht genau erklären», sagt Viviane Lichtenberger vom Organisator Ron Orp. Zum einen liege es vermutlich daran, dass es in Luzern weniger bautechnisch zugängliche Dachterrassen gebe als in anderen Städten. «Ein anderer Punkt ist sicher auch, dass der Rooftop Day immer noch zu wenig bekannt ist in Luzern.»

Auch deshalb hat Ron Orp dieses Jahr auf eine Absage verzichtet. «Uns ist bewusst, dass es weniger Anmeldungen als letztes Jahr gibt. Dennoch finden wir es wichtig, dass der Rooftop Day in Luzern so gut wie möglich ‹gepusht› wird», sagt Viviane Lichtenberger. «Vielleicht trägt es ja dazu bei, dass im nächsten Jahr ein paar mehr mitmachen.»

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