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«Rössli» hü! Dorfbeiz für Rooter, Roche- und Schindler-Manager
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Samuel Vörös (l.) und Primo Delea (r.) haben neue Ideen für ein altes Haus.

Samuel Vörös und Primo Delea übernehmen «Rössli» hü! Dorfbeiz für Rooter, Roche- und Schindler-Manager

4 min Lesezeit 29.06.2017, 17:45 Uhr

Samuel Vörös und Primo Delea haben mit dem Traditionshaus «Rössli» in Root Grosses vor. Nach über 20 Jahren Leerstand wollen sie die Beiz für Einheimische, wie auch als Hafen für Industrieflüchtende aus der Umgebung (r)etablieren: grosse Ziele in einer Zeit, in der klassische Dorfkneipen vom Aussterben bedroht sind. Wieso sollte der Stammtisch nicht auch müden Managern Erfrischung bringen?

Über 20 Jahre stand das 1751 erbaute Traditionshaus «Rössli» in Root leer. Im Gebäude sieht es entsprechend aus: dicke Staubschichten, heruntergekommene Holzverkleidungen und vergilbte Plättli, so weit das Auge reicht. Doch dieser Zustand hat ein Ende. Die Stiftung Abendrot, eine Pensionskasse, feierte diesen Donnerstag Spatenstich. Sie baut das stattliche Gebäude um und ein zweites, neues daran. Im unteren Stock entsteht ein Restaurant, das sich über das alte und das neue Gebäude erstreckt, obendrauf baut die Stiftung Mietwohnungen (zentralplus berichtete).

Das Rössli heute. An die abgebrochene Seite rechts wird ein neues Gebäude gebaut.

Das Rössli heute. An die abgebrochene Seite rechts wird ein neues Gebäude gebaut.

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(Bild: bas)

Bekanntes Luzerner Gastronomen-Duo hat Gestaltungshoheit im Rössli

Das Restaurant übernehmen zwei, die in der Luzerner Gastroszene bestens bekannt sind: Samuel Vörös und Primo Delea (siehe Box). Doch das alleine sagt zu wenig über ihre Rolle im Rössli aus. «Wir haben nahezu 100 Prozent Gestaltungsfreiheit für das Restaurant», erklärt Delea. Konkret bedeutet das: Vörös und Delea bestimmen in Absprache mit dem Architekten, welche Räume wie genutzt werden, wählen Materialien und Inventar. Das sei eine Bedingung gewesen, bevor sie sich auf das Rössli eingelassen haben.

Samuel Vörös und Primo Delea

Samuel Vörös (37) betreibt in und um Luzern unter anderem das «Bodu», das «Mill’Feuille», die «Libelle», die «Krone» in Blatten, das Hotel «Kastanienbaum» und das Luzerner Restaurant «zur Werkstatt». Dazu kommen weitere Betriebe in anderen Kantonen, unter anderem in Nidwalden und St. Gallen. zentralplus hat ihn porträtiert.

Auch Primo Delea (43) ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war Direktor des «The Hotel», führte 10 Jahre lang das «Weisse Schloss» und die dazugehörige «Nachbar» und war 7 Jahre lang am «Alpenclub» in Engelberg beteiligt. Mit dem «Rössli» in Root und dem neuen «Lido» in Luzern geht er an der Seite von Samuel Vörös neue Wege.

«Heute ist Gastronomie nicht mehr Essen und Trinken verkaufen», sagt Vörös. Vielmehr gehe es darum, den Kunden ein Erlebnis zu bieten. Dabei würden auch kleine Dinge wie eine kreativ gemachte Speisekarte eine Rolle spielen. «Darin sind wir Experten und deshalb ist es wichtig, dass wir das Gebäude prägen können.»

Eingeklemmt zwischen Industriezentren eine Oase der Gemütlichkeit

Wie es im Rössli dereinst aber aussehen wird, kann das Gastronomen-Duo noch nicht genau sagen. «Das hat noch Zeit», sagt Delea und lacht. «Die Eröffnung ist erst für Ende 2018 geplant.» Ganz planlos sind die Gastrounternehmer aber nicht: Klar ist bereits, dass es drei verschiedene Gaststuben geben wird und dort, wo im alten Restaurant die Küche stand, neu die sanitären Anlagen installiert werden. Die Küche wird im nagelneuen Gebäude nebenan platziert, ebenso entsteht dort eine Terrasse. Für warme Abende ist zusätzlich ein Garten mit Brunnen geplant. «Wir wollen eine Oase der Gemütlichkeit schaffen. Die Zutaten sollen frisch sein, das Ambiente unkompliziert und authentisch», so der erfahrene Gastronom.

«Das Gebäude ist ein Schmuckstück.»
Samuel Vörös

Vogelfrei sind Vörös und Delea indes nicht: «Am alten Teil des Gebäudes haben wir nicht viel Spielraum für Veränderungen», sagt Vörös. Denn das Rössli stehe unter Denkmalschutz. Obwohl die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Bauherren sehr gut sei, gäbe es unumstössliche Regeln. «Im Keller können wir zum Beispiel keinen neuen Boden einbauen. So bleibt nicht viel anderes übrig, als dort, wo Naturboden ist, Dinge wie Glasflaschen zu lagern.»

Investieren in Root: ein Abenteuer?

Aus der Ferne betrachtet, scheint die Investition in das Rooter Traditionshaus ein abenteuerliches Unterfangen: Klassische Dorfbeizen sind ein Auslaufmodell und Root ist nicht gerade der Hotspot für Stadtluzerner. Viel Laufkundschaft kann also nicht zu erwarten sein. Dazu kommt, dass die Parkplätze begrenzt sind. Einige Interessenten sind deshalb schon abgesprungen.

Die beiden Geschäftsführer Samuel Vörös (l.) und Primo Delea (r.).

Die beiden Geschäftsführer Samuel Vörös (l.) und Primo Delea (r.).

Doch Vörös und Delea sind begeistert. «Das Gebäude ist ein Schmuckstück», sagt Vörös. Überall sehen sie erhaltenswerte Dinge – Lampen, Öfen, Balken. «Ausserdem arbeiten zehntausende Leute in der Nähe. Wir denken da an Schindler, D4 oder an die Suurstoffi und Roche in Rotkreuz», so Delea. Diese Leute, die in sterilen Büroräumen arbeiten, wollen sie abholen – und das nicht nur am Mittag: Auch Gruppenanlässe sollen möglich sein.

Ein neues Dorfzentrum für die Rooter

«Wir freuen uns auf die Gäste aus der Industriezone und aus Root und Umgebung», ergänzt Vörös. Deshalb planen sie bestimmte Elemente eines Landgasthauses ins Konzept einfliessen zu lassen – beispielsweise einen Stammtisch. «So sind wir auch eine Dorfbeiz.» Und genau das wird offenbar auch so erwartet: «Die Reaktionen waren immens. Die Leute in Root warten richtiggehend darauf, dass etwas mit dem Gebäude passiert und sie das Rössli zurückbekommen.» Sie hätten darum den Anspruch, nicht nur ein Restaurant zu betreiben, sondern ein neues Dorfzentrum zu schaffen.

Ein Anspruch, der nicht einfach zu erfüllen sein wird. «Wir sind uns bewusst, dass wir viel Arbeit vor uns haben», sagt Delea. Aber die Rahmenbedingungen in Root seien sehr gut. «Die Gemeinde, die Bevölkerung und die Bauherrschaft unterstützen uns. Garantien gibt es zwar nicht, aber wenn wir es gut machen, kommt es gut», ist er sich sicher. Ob das Rössli tatsächlich Dorfkern, Stammkneipe und Hafen für Industrieflüchtende sein wird, wird das Jahr 2019 zeigen.

In der Slideshow sind Bilder des aktuellen Zustands des «Rössli» in Root zu sehen.

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