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«Rock’n’Roll is pretty much dead»
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Ein Star ohne Allüren: Trotz internationalem Erfolg ist Seven bodenständig geblieben. (Bild: Sevenmusic)

50 Fragen an Seven «Rock’n’Roll is pretty much dead»

14 min Lesezeit 19.10.2015, 10:23 Uhr

Er ist ein echter Star: Mit Soul im Blut und einer Stimme aus Gold beweist Seven, dass er zu den ganz Grossen im Business gehört. Im Interview mit zentral+ erzählt der in Luzern wohnhafte Musiker, warum er ständig unter Strom steht, weshalb die Schweiz für Musiker ein hartes Pflaster ist und was man sich als Aargauer auf der Strasse alles erlauben kann. 

Mit Sevensoul startete er 2004 seine musikalische Karriere. Im April dieses Jahres erschien nun BackFunkLoveSoul, das lang ersehnte neunte Werk des 37-jährigen Musikers. Sein Leistungsausweis ist beeindruckend.

In den letzten Jahren hat der gebürtige Aargauer vor mehr als 700’000 Fans über 600 Konzerte im In- und Ausland gespielt. Seven geniesst einen hervorragenden Ruf als Live-Act – nur die besten Musiker schafften es in die 13-köpfige Band für die aktuelle Tournee. Auch neben der Bühne ist Seven äusserst erfolgreich. Die hochgelobten Studioalben verkauften sich bisher mehr als 200’000 mal. Hits wie LisaGo Slo, The Art Is King und Nobody Wants To Dance werden im Radio rauf und runter gespielt.

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Eigentlich beschränkt Seven seine Anzahl Auftritte in den Medien. «In der kleinen Schweiz gehst du den Leuten schnell auf den Wecker.» Für zentral+ machte Seven dennoch eine Ausnahme. Und lud ins Hotel Schweizerhof, in dessen Nachbarschaft er wohnt, zum Kaffee.

1. Normalerweise lautet die Frage: Rolling Stones oder Beatles? In deinem Fall wollen wir wissen: Prince oder Marvin Gaye?

Seven schlägt die Augen auf. Woah, das isch huere schwierig. Echt jetzt aber. Er überlegt. Beide sind extrem wichtig, aber ich finde, man kann die zwei nicht eins zu eins vergleichen. Aber von meinem Werdegang her und von dem, was in meinem Player läuft, gewinnt Prince unter dem Strich klar. Ich höre ihn noch öfter als Marvin Gaye, der mit dem Katalog von Prince nicht mithalten kann. Für mich ist Prince die grössere Wundertüte und seine Musik darum spannender.

2. Und weil es so schön ist trotzdem: Beatles oder Rolling Stones?

Die Beatles.

3. Wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen?

Das war vor 15 Jahren. TAZ, ein Rapper, hat mich angefragt, ob ich einen Refrain einsingen könne, in einem zum Studio umfunktionierten Weinkeller in Liestal, wo dann später auch mein erstes Album eingespielt wurde. Tja, und dann fragte mich TAZ, ob er «featuring Jan» schreiben solle. Irgendwie passt das nicht, fand ich. Und dann war Seven mein erster Gedanke. Sieben ist meine Lieblingszahl ever since. Zudem klang das auch einfach besser als TAZ featuring Jan. Der Entscheid kam aber aus dem Bauch heraus. Ich höre auf mein Bauchgefühl. Lacht. Damit bin ich immer gut gefahren.

4. Was hörte deine Mutter, als du ein Kind warst?

Klassische Musik. Von morgens bis abends. Meine Eltern sind beide klassisch ausgebildete Berufsmusiker.

5. Deine musikalische Jugendsünde?

Seven lacht laut. David Hasselhoff. Wobei das eher wegen Knight Rider so kam. Die Musik war aus heutiger Sicht einfach ein notwendiges Übel. Ich konnte nicht anders, weil mein Fernsehheld auch noch Musik machte.

«Das Musikerdasein ist kein Larifari.»

6. Welches war deine erste CD?

Das war keine CD, sondern eine Kassette von Jackson-Five.

7. Und die erste CD?

Kylie Minogue. Die habe ich als Geschenk erhalten. Und nicht oft gehört. Nicht schlecht, aber einfach nicht meine Musik.

8. Und heute? Wie digital und vernetzt hörst du Musik?

Beides, je nach Art des Konsums. Unterwegs bin ich Spotify-User. Zum Suchen, Entdecken und echli Lose ist das optimal. Wenn mir ein Stück gefällt, lade ich mir die Musik dieses Künstlers via iTunes runter. Und wenn ich mich in die Musik verliebe, schaue ich, ob es die Songs auch auf Vinyl gibt. Das wird dann sehr persönlich. Je mehr Liebe, desto mehr gehe ich beim Tonträger in die Vergangenheit zurück.

9. Welches sind deine musikalischen Vorbilder?

Herbie Hancock, Michael Jackson, Marvin Gaye, Prince, Stevie Wonder, George Michael, ja, das sind so Götter für mich. Sie sind der Grund, wieso ich heute Musik mache. Mein sechs Jahre älterer Bruder hat mich da stark geprägt.

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10. Und wie prägend waren deine Eltern für deine Karriere?

Sehr. Ihnen habe ich das Selbstverständnis zu verdanken. Als Musiker war es für sie immer ok, dass ich auch Berufsmusiker werden wollte. Mit meinem Vater, der Gesangslehrer ist, habe ich beispielsweise schon früh die Atemtechnik trainiert. Die ist als Sänger extrem wichtig. Meine Eltern sind für mich aber immer Eltern geblieben.

11. Dein Lieblingslied?

Woah, wieder extrem schwierig. «Sometimes It Snows In April» von Prince vielleicht? Egal in welcher Lebenslage, dieser Song bringt mich noch heute zum Weinen.

12. Und was für Musik läuft bei dir aktuell?

Die neue Scheibe von James Bay. Ein Wahnsinnsalbum. Oder auch Ed Sheeran, ebenfalls ein guter, in sich stimmiger Künstler.

13. Du hast eine Familie, bist aber auch ein Star. Würdest du dich als guten Vater bezeichnen?

Ich bin der beste Papa der Welt. Seven lacht. Ich gebe mir wirklich alle Mühe. Dank meiner Selbstständigkeit kann ich meine Zeit seit 14 Jahren frei einteilen. Ich bin es – obwohl ich eigentlich eher ein Chaot bin – gewohnt, meine Woche zu planen, mir Zeit zu nehmen und Freiräume zu schaffen. So kann ich oft für meine Familie da sein. Die kommt glaube ich nicht zu kurz. Lächelt.

14. Und was hört dein Sohn so für Musik?

Er ist noch klein. Kindermusik findet er toll, zum Beispiel die Sternenföifi, die Kinderband. Auch sonst läuft bei uns zuhause immer Musik. Und viel Kasperli-Theater. Lacht.

15. Singst du deinem Kind Schlaflieder?

Früher ja. Jetzt ist mein Sohn ja auch schon fünf Jahre alt. Das waren dann aber ganz normale Kinderlieder. Keine Eigenkreationen. Grinst.

16. Welche Künstler haben dich beeinflusst?

Nebst meinen Vorbildern? Überlegt kurz. Alle, die auf mich eine unerklärliche Faszination ausüben. Das muss nicht unbedingt ein Musiker sein, sondern einfach eine Person, bei der unerklärlich scheint, wieso sie in dem, was sie macht, so viel besser ist als alle anderen. Zum Beispiel Michael Jordan. Ein unglaubliches Ausnahmetalent. Wenn du ihm beim Basketball-Spielen zuschaust, dann hat das etwas Magisches, Fesselndes, Inspirierendes. So auch die Ausstrahlung von Erykah Badu, wenn sie auf der Bühne performt. Als ich die zum ersten Mal live gesehen habe, hing mir vor Staunen der Kiefer runter. Die Frau läuft nicht auf der Bühne, die fährt irgendwie.

17. Und wie bist du zu deinem Musikstil gekommen?

Über meinen Bruder. Wir teilten uns das Kinderzimmer. Neben dem Kajütenbett stand der Plattenspieler. Im Alter von 13 Jahren habe ich dank ihm den Hip-Hop entdeckt. Anfang der 90er-Jahre hat sich dann diese Musik mit Jazz und Funk zu vermischen begonnen. Alte Samples frisch aufgemischt, Remixes, Kicks, Beats und Snares, dass es dir das Gesicht wegbrennt – da ist mir vom Soundbild her ein Fenster aufgegangen.

Konzentriert: Seven im Studio.

Konzentriert: Seven im Studio.

(Bild: Sevenmusic)

18. Welches Musiker-Klischee geht dir am meisten auf die Nerven?

Musiker-Klischees sind eine schöne Sache. Und oft mehr Mythos, als Wirklichkeit. Sex, Drugs and Rock’n’Roll, damit wurde aufgeräumt. Das gehört heute ins Reich der Mythen. Das Musikerdasein ist kein Larifari. Ausschlafen und verkatert rumhängen – das war gestern. Das Bild vom abgehalfterten Musiker, der in der Ecke lungernd an seiner Zigi zieht, das ist vorbei. Sauber sein ist heute ein Muss, sonst schaffst du das Business nicht mehr. Rock’n’Roll is pretty much dead, von dem her.

19. Und welches Klischee trifft voll zu?

Dass Musiker gefühlsbetont sind. Das ist für einen Musiker im Soul aber nichts Ungewöhnliches. Lacht. Ich bin sehr emotional und sensibel, ein totaler Bauchmensch.

«Ich will, dass mich die Leute wegen meiner Musik mögen, und nicht wegen meinem Namen in der Klatsch-Spalte.»

20. Und ein absoluter Saubermann. Stand bei dir wirklich nur immer die Musik im Vordergrund?

Ja. Ich bin der Meinung, dass man auch ohne Skandale seine Musik an die Leute bringen kann. Dafür braucht es kein Mittel zum Zweck, das finde ich total unnötig. Aber klar, dass Saubermann-Image ist schon auch gewollt. Das gebe ich offen zu. Ich will, dass mich die Leute wegen meiner Musik mögen und nicht weil mein Namen in Klatschspalten steht.

21. In deinem neuen Musikvideo «Nobody Wants To Dance» forderst du die Leute zum Tanzen auf. Du selbst bist ein guter Tänzer. Wo hast du das gelernt?

Das habe ich mir selbst beigebracht. Auslöser war das Musikvideo zu Michael Jacksons «Off The Wall». Das ist sowieso die beste Tanzplatte ever. Da habe ich gemerkt, dass ich mich gern zu Musik bewege. Und zwar so richtig gerne. Ich war aber nie in einer Tanzschule, sondern mache einfach immer gerade, was mir gefällt. Das Schöne am Tanzen ist, dass man seinen Körper der Musik hergibt. Ob das dann gut aussieht, ist zweitrangig.

22. Viele deiner Musiker-Kollegen sind bekennende FCL Fans. Du?

Ich bin an allen Nachmittagsspielen mit meinem Kleinen im Stadion. Sektor B4 ganz oben. Er findet Fussball riesig, auch wenn ich mir manchmal noch nicht so sicher bin, ob es nun der Match selber oder die Freude an der Portion Pommes frites ist. Lacht. Für die Abendmatches ist es aber noch etwas zu früh mit ihm.

23. Der FCL schaffte bisher nur einen Meistertitel. Wird deine Nummer 1 auch einmalig bleiben?

Er lacht laut. Ich hoffe, da kommt schon noch mehr – vom FCL und von mir. Als mein neues Album «BackFunkLoveSoul» diesen Frühling an der Spitze der Albumcharts stand, war das schon ein riesig gutes Gefühl – und vor allem eine Bestätigung der harten Arbeit, nicht nur von mir, sondern des ganzen Teams rund um mich. Und das sind doch rund 70 Leute, die hinter so einem Album stecken.

24. Welche Spezialwünsche hast du vor einem Konzert?

Zwei Mangos. Und vor grossen Gigs ein Poulet. Ich bin also ganz pflegeleicht. Völlig unspektakulär. Alkohol gibt’s vor dem Konzert keinen.

25. Deine Songs sind oft Meisterwerke. Jedes Album war erfolgreicher als der Vorgänger. Stehst du unter Druck?

Ja, und das ist geil. Der Druck ist hausgemacht, der kommt von mir selbst. Ich will mit meiner Musik immer weiter, höher. Das ist eine laufende Entwicklung. Ich hasse Wiederholung. Deshalb will ich neue Wege gehen, Neues ausprobieren und immer alles geben. Da bin ich recht kompromisslos. 

26. Dein bester Songtext?

«What If» auf meinem neuen Album. Das ist eine schöne Retrospektive. Was wäre, wenn ich heute sterben würde? Hätte ich alles richtig gemacht? Eine wichtige Frage, die mich sehr beschäftigt. Der beste Song, den ich geschrieben habe. Weil es mir, wie ich finde, mit wenigen Worten gelungen ist, ein bewegendes Thema sehr persönlich rüberzubringen. Ein klares Bild mit wenigen Pinselstrichen.

27. Wenn du nicht Musiker wärst, was dann?

Woah. Denkt einen Augenblick nach. Arbeitslos. Lacht. Ich wäre sicher im entferntesten Sinn in der Unterhaltungsbranche. Vielleicht im Marketing, etwas mit Video oder Fotografie. Überall, wo es einen Spannungsbogen gibt, mit dem ich als Dramaturg arbeiten kann. Oder hinter einer Bar. Das finde ich cool.

28. Was macht Seven in seiner Freizeit?

Zuerst kommt die Familie. Drei- bis viermal in der Woche treibe ich Sport, spiele Basketball, Golf oder gehe joggen. Aber nicht verbissen, der Spass steht für mich im Vordergrund. Eigentlich brauche ich gar keinen Ausgleich, denn mein Job erfüllt mich. Das ist schon mega. Ich arbeite rund um die Uhr, und das gerne. Allerdings ist das Musikgeschäft schon auch anstrengend. Abschalten ist wichtig. Das kann ich mit der Familie am besten. Und beim Joggen, Basketball, Fitness oder Golfen. Da lasse ich das Telefon auch zuhause, bin total offline. Diese Zeit gehört mir ganz alleine.

29. Kannst du gut zeichnen?

Schlägt die Augen auf. Katastrophal. Total unbegabt. Meine Zeichnungen sind kaum von denjenigen meines fünfjährigen Sohnes zu unterscheiden. Lacht.

30. Trotzdem: Bleistift oder Kugelschreiber?

Bleistift. Wir reichen Seven Stift und Papier in die Hand. Seven macht sich an die Arbeit. So, fertig. Das Resultat spricht für sich. Er grinst.

«Ein klares Bild mit wenig Pinselstrichen»: Des Künstlers Werk.

«Ein klares Bild mit wenig Pinselstrichen»: Des Künstlers Werk.

(Bild: dvm)

31. Wo stehst du politisch?

Parteiprogramme öden mich an. Ich bilde mir themenbezogen eine eigene Meinung. Deshalb bin ich parteilos.

32. Aber bist du eher links oder rechts?

Das kommt brutal aufs Thema drauf an. Ich habe da irgendwie keine Linie. Lacht – und wird sogleich wieder ernst. Gegen aussen politisiere ich nie. Da läuft man als Künstler Gefahr, instrumentalisiert zu werden.  

33. Wie viele neue Freunde hast du seit deinem ersten Hit «Lisa»?

Seven grinst. Echte oder virtuelle? Spass beiseite. Mein Freundeskreis ist der gleiche wie vorher. Freundschaften müssen sich entwickeln und gepflegt werden.

«Ich wollte einfach mal Geld verdienen, unabhängig sein und meinen Traum verwirklichen. Das ist mir gelungen.»

34. Hast du einen Fallschirm in Form eines erlernten Berufes?

Nein. Ich habe die Matura gemacht, aber keine Lehre oder ein Studium absolviert. Das war nicht das Richtige für mich. Dafür war ich lange Schuhverkäufer im Jelmoli und organisierte Partys. Ich wollte einfach mal Geld verdienen, unabhängig sein und meinen Traum verwirklichen. Das ist mir gelungen. Lacht.

35. Wie gut warst du eigentlich als Schüler?

Ich war kein schlechter Schüler. Eine Berufslehre hat mir aber nicht zugesagt, weshalb ich ans Gymnasium ging. Dort war ich vor allem in Mathe, Sprachen und Geschichte gut.  

36. Welches Fach bereitete dir denn am meisten Kopfzerbrechen?

Die Naturwissenschaften. Und vor allem: Geografie. Für was gibt’s eigentlich ein Navi, hä? Er lacht.

37. Hörst du dich gerne im Radio?

Ja, das ist spannend, aber eher auf einer technischen Ebene. Alle Songs werden angepasst, damit es unter anderem nicht zu Lautstärkenunterschieden im Programm kommt. Das Zusammendrücken auf einen Pegel hat natürlich einen Einfluss auf den Sound. Und mich interessiert dann halt, was das Radio so mit meiner Musik macht.

38. Welches ist deine Lieblingsgrimasse?

Nächste Frage.

Seven am Zeichnen in der Hotelbar im Luzerner «Schweizerhof».

Seven am Zeichnen in der Hotelbar im Luzerner «Schweizerhof».

(Bild: dvm)

39. Wie würde deine Karikatur aussehen?

Eine nicht zu kleine Nase unter waldartige Augenbrauen auf einem hohen schmalen Kopf. Irgend so ein Lulatsch. Lacht.

«Ich verkaufe meine Musik nicht für den Erfolg.»

40. Du bist gebürtiger Aargauer. Kannst du gut Autofahren?

Ich würde sagen Ja. Jeder, der viel fährt, hat die Chance, ein guter Fahrer zu werden. Lacht. Ich bin so viel auf der Strasse unterwegs, so zwischen 40 oder 50-tausend Kilometer mache ich im Jahr easy. Da bin ich schon mal impulsiv. Ich werde schon mal laut hinter dem Steuer. Seven grinst. Aber als Aargauer kann man sich das erlauben.

41. Kannst du gut von der Musik leben?

Ja, und das seit mittlerweile etwa zehn Jahren. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür bin ich sehr dankbar. Das ist ein riesen Geschenk. Auch meiner Crew muss ich ein Kränzchen winden. Wir machen alles selbst, Produktion, Management, Booking, Marketing. Das macht vieles einfacher und ich habe die Kontrolle über das, was rund um Seven geschieht. So verzettelt sich auch die Wertschöpfung weniger und alle haben mehr davon.

42. Was bedeutet für dich Luxus?

Zeit, die ich mit Menschen verbringe. Denkt nach. Die freie Einteilung dieser Zeit, um keine Zeit verschwenden oder verschenken zu müssen. Und gut Essen.

43. Muss man, um als Künstler zu überleben, den Mainstream bedienen?

Nein und Ja. Das ist noch schwierig zu sagen. Es kommt drauf an, welches Ziel du als Musiker verfolgst. Willst du von der Musik leben oder einfach Musik machen? Mein Ziel ist nicht, gut von der Musik zu leben. Das ist eine wunderbare Nebenerscheinung. Ich verkaufe meine Musik nicht für den Erfolg. Das ist eine sehr persönliche Sache. Nachhaltig erfolgreich sind in meinen Augen gerade diejenigen Künstler, die kompromisslos Musik machen.

44. Was hältst du von Spotify? Und was von Leuten, die illegal Musik downloaden?

Ich gehe mit der Zeit und nutze diesen Dienst selbst. Dafür bezahlt man ja auch. Das ist nichts als fair. Kunst ist nicht gratis. Es gibt kein Recht auf Musik. Illegaler Musiktausch ist feige.

Ein Mann nähert sich der Sitzgruppe und fragt verlegen, ob er schnell ein Selfie mit Seven machen dürfe. Seven freut sich, steht hin, lächelt in die Kamera, wünscht dem Fan einen schönen Tag und setzt sich wieder hin.

45. Passiert das öfters?

Das kommt schon ab und zu vor. Wobei man sagen muss, dass die Schweizer sehr zurückhaltend sind. Auf Leute zugehen, macht vielen Mühe. Meistens laufen sie an dir vorbei und du hörst sie dann tuscheln: «War er das?»

«Aber wehe, du zeigst zuhause in der Schweiz, was du kannst.»

46. Was stört dich an der Schweizer Musikszene?

Im Gegensatz zu Deutschland, wo ich seit meinem letzten Album auch oft auftrete, sind die Leute hier viel misstrauischer. Hier wollen sie erst mal sehen, was du kannst, bevor sie dir wirklich zuhören. In Deutschland ist das einfacher. Wenn du auf der Bühne stehst, dann glauben die, dass du das auch kannst. Aber wehe, du zeigst zuhause in der Schweiz, was du kannst, dann wird das oft als arrogant empfunden. Oder du verkaufst dich unter deinem Wert. Überlegt. Hier herrscht schon eine Haltung vor, die künstlerische und kreative Berufe bremst. Das ist schade. Gerade für den Nachwuchs.

47. Was unterscheidet Seven von Jan Dettwyler?

Von Seven sind 100 Prozent in Jan enthalten. Aber von Jan nicht alles in Seven. Seven ist quasi eine gefilterte Variante von mir selbst. Aber nicht allzu sehr. Meine Musik ist schon sehr autobiographisch gefärbt. Und auch als Seven sage ich, was ich will.

48. Wie gut ist die Luzerner Musikszene?

Luzern rockt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Luzern ist die Hochburg des Rock schlechthin. Als Teenager war ich selbst Drummer in einer Rockband.

49. Andere Spielwiese: Du bist ein Rap-Fan. Gibt es einen Act in der Luzerner Hip-Hop-Szene, der dir besonders gefällt?

Das Album von Mimiks (zentral+ berichtete) ist geil, das habe ich gekauft. Die Szene hier bietet viel. Da wird auch in Zukunft noch einiges an die Oberfläche gespült.

50. Was kann Henrik Belden besser als Du?

Trinken. Der trinkt mich unter den Tisch – und zwar mit Links. Lacht laut. Und malen kann er auch besser als ich. Beim Zeichnen bin ich mir da aber nicht so sicher. Lacht. Henrik Belden (zum Artikel) ist übrigens mein Nachbar, wir wohnen gerade gegenüber. Unsere Kinder gehen zusammen in den Kindergarten und wir oft zusammen ein Bier trinken. Zusammen haben wir auch ein kleines Studio in Malters zum Proben und Rumhängen. 

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