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Ristorante Röthelberg: Es geht hochpreisig weiter
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Restaurant Röthelberg mit Ökonomegebäude. (Bild: mam)

Eigentlich sollte es eine Beiz für jedermann sein Ristorante Röthelberg: Es geht hochpreisig weiter

3 min Lesezeit 23.01.2018, 05:02 Uhr

Der Röthelberg bleibt bis 2020 gutbetuchten Gästen vorbehalten. Die Stadtregierung missachtet damit einen Auftrag des Parlaments, indem sie Probleme einfach aussitzt.

Vor sechs Jahren kaufte die Stadt Zug für fünf Millionen Franken die Liegenschaft Röthelberg an allerbester Lage – um das historische Ensemble zu erhalten und der Öffentlichkeit auch weiter zugänglich zu machen. Sprich, um zu verhindern, dass das Aussichtsrestaurant Luxuswohnungen weichen muss.

Denn vom Wirtshaus und dem schönen Garten schweift der Blick über den Zugersee in die Weite der Zentralschweiz – zu Pilatus, Berner Alpen und Rigi. Das ist herrlich und hat dem Röthelberg den offiziellen Beinamen «Perle» eingetragen.

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Die Aussicht ist unverbaut und schön.

Die Aussicht ist unverbaut und schön.

(Bild: mam)

Der Stadtrat hat den Auftrag des Parlaments aus dem Jahr 2012 nicht erfüllt. Dieses wollte nämlich auf dem Röthelberg ein Restaurant «für alle Zugerinnen und Zuger». Es sollte weder «Luxustempel noch Fast-Food-Restaurant» sein, wurde gefordert.

Der alte Pachtvertrag wurde zweimal verlängert

Vor dem Kauf war der «Röthelberg» ein exklusives, kleines Nobelrestaurant. Das ist er immer noch – und wird es auch bleiben, bis das Wirtepaar Albertella sich aus dem Berufsleben zurückzieht. 

Die beiden grünliberalen Gemeinderäte Stefan Huber und Daniel Meyer piesackten den Stadtrat im vergangenen Jahr mit einer kritischen Nachfrage zum Röthelberg. Denn den Pachtvertrag, der beim Erwerb der Liegenschaft übernommen worden war, hatte die Stadtregierung bereits verlängert. Ende diesen Jahres wäre er nun ausgelaufen. Das Wirtepaar hat aber um eine erneute Verlängerung gebeten, was die Stadtregierung – nach Einreichung der grünliberalen Interpellation – bis 2020 guthiess.

Sie wirten auf dem «Röthelberg»: Brigitte und Giuseppe Albertella.

Sie wirten auf dem «Röthelberg»: Brigitte und Giuseppe Albertella.

(Bild: zvg)

 

Bis dann muss rund 100 Franken für eine Vorspeise und einen Hauptgang mitbringen, wer im «Röthelberg» essen gehen will. Zwar hatte die Stadt Zug den Pächter vorübergehend genötigt, samstags ein preiswertes Gericht auf die Karte zu setzen. Da laut Stadtrat «dieses zusätzlich offerierte Angebot nicht wirtschaftlich gestaltet werden konnte», liess man die Auflage aber wieder fallen.

Sommerbeiz in der alten Scheune?

Der springende Punkt beim «Röthelberg» ist, dass das Restaurant verhältnismässig klein ist, die Stadt aber Wert darauf legt, zu marktgerechten Preisen zu vermieten. Das heisst, das Lokal kann an dieser prominenten Lage fast nur teuer sein, wenn es rentieren soll.

Das Ökonomiegebäude würde sich als Sommerrestaurant eignen, in dem man eine breitere Klientel bewirtschaften kann.

Das Ökonomiegebäude würde sich als Sommerrestaurant eignen, in dem man eine breitere Klientel bewirtschaften kann.

(Bild: mam)

Abhilfe schaffen könnte einzig ein erweitertes Raumangebot. Die Stadt will die Liegenschaft ohnehin sanieren und untersucht nun, ob die gastronomische Nutzung – wenigstens im Sommer – auch aufs Wirtschaftsgebäude ausgedehnt werden könnte, das heute als Abstellort dient. «Dies wäre zumindest wünschenswert», sagt der für Immobilien zuständige Finanzchef Karl Kobelt (FDP). Allerdings stehe man in der Planung noch am Anfang. 

Singender Wirt

2020 soll das ganze, neu renovierte Ensemble zur Pacht ausgeschrieben werden. Bis dahin kann Koch Giuseppe Albertella in seiner Küche wirken. Und die Stadt Zug hat das Problem zwar einfach ausgesessen, aber gleichzeitig auch eine elegante Lösung gefunden. 

Denn Albertella, der als «singender Italiener» die Klischees des bel paese pflegt und auch die Küche seiner Heimat in seinem «Ristorante Pasteria» pflegt, hat seine Fans. Auf Trip Advisor erhält sein Lokal 4,5 von 5 möglichen Punkten – 79 Prozent der User bewerteten den «Röthelberg» mit «ausgezeichnet». Auffallend ist, dass viele begeisterte Kommentatoren aus der näheren Umgebung stammen – und auch städtische Magistraten berichten im Gespräch von der überschäumenden Lebensfreude, mit denen der Wirt zu Werke geht.

Was wurde genau getan?

Und was meint man bei den grünliberalen Interpellanten zum Vorgang? Gemeinderat Stefan Huber stört sich ein wenig an der Verzögerungstaktik, welche der Stadtrat über die Jahre angewandt hat, indem sie immer wieder neue Überprüfungen und Nutzungs-Konzepte für den Röthelberg versprach.

«Wir verstehen nicht ganz, was genau jetzt der Stadtrat seit 2012 unternommen hat», merkte er im Gemeinderat an. Sagte aber an gleicher Stelle: «Wir verstehen sowohl die Notwendigkeit einer sorgfältig ausgearbeiteten und umfassend geprüften Planung, als auch die sorgsame behutsam-abwartende Herangehensweise des Stadtrates.» 

Die alte Scheune ist baufällig und kaum mehr zu etwas nutze.

Die alte Scheune ist baufällig und kaum mehr zu etwas nutze.

(Bild: mam)

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