«Rings um die Seerose schlugen Blitze ins Wasser»
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Bei gutem Wetter gibt die Seerose ein tolles Bild im Luzerner Seebecken ab. Doch was, wenn es richtig stürmt? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wie sicher ist die Seerose? «Rings um die Seerose schlugen Blitze ins Wasser»

3 min Lesezeit 09.06.2015, 15:34 Uhr

Das Programm auf der Seerose läuft und die Veranstaltungen sind gut besucht. Das Wetter am vergangenen Wochenende machte dem Gästival jedoch einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Unwetter gibt es Vorwürfe aus dem Publikum. Und Fragen zur Sicherheit der Plattform.

Samstagabend: Wind. Sonntagabend: Sturm, Gewitter, Blitz und Donner. Und mittendrin Konzerte auf der Seerose. Die schwimmende Plattform des Gästivals hat am vergangenen Wochenende hart einstecken müssen. Zwei laufende Veranstaltungen mussten abgebrochen werden.

Vorwürfe von Zuschauern

Nun sind Optimierungen nötig, denn einige Zuschauer fühlten sich nicht nur unwohl, sondern auch wirklich unsicher auf der Seerose. Eine anonyme Email lässt einige Fragen zur Organisation und zur Konstruktion der Seerose aufkommen. In der Mail heisst es: «Am Sonntag war ich auf der Seerose beim Konzert von Willi Tell. Trotz aufkommendem Unwetter sahen sich die Veranstalter vorerst nicht in der Pflicht, rechtzeitig das Konzert abzubrechen.» Der Verfasser des Briefes war auch um die Sicherheit der Besucher besorgt.

Weiter heisst es in der Email: «Zu spät wurden wir aufgefordert, den unteren Stock aufzusuchen. Ein Verlassen der Seerose war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Das Wasser – aufgefangen wie mit einem Trichter – schoss von der Konzertarena über die Treppe ins Mittelgeschoss, wo wir bald knöcheltief im Wasser standen. Rings um die Seerose schlugen Blitze ins Wasser – nicht so gemütlich im Wissen, dass man auf einer Stahlkonstruktion steht. Was wäre wohl bei einem Einschlag passiert? Wie gross wäre die Panik gewesen, wenn der Strom ausgefallen wäre (etliche elektrische Leitungen waren von Wasser umspült)?» Für weitere Aufführungen solle sich das OK dieser Gefahren bewusst sein, so der Verfasser der Email.

Verwunderung beim Gästival

Stefan Ragaz, Medienverantwortlicher des Gästivals, ist verwundert. «Es sind bei uns keine Reklamationen zum Sonntag eingegangen. Die Leute konnten eine Stunde lang das Konzert geniessen. Der Samstag war ein anderer Fall, da das Konzert von Ivo nach einer halben Stunde wegen starker Windböen abgebrochen werden musste», so Ragaz. «Es tut uns sehr leid, wenn sich Leute unwohl gefühlt haben – Gefahr bestand jedoch keine.»

«Es ist klar kommuniziert, dass die Veranstaltungen draussen stattfinden.»
Stefan Ragaz, Medienverantwortlicher Gästival

Zur Gefahr auf der Seerose kann Ragaz Entwarnung geben. «Die Seerose ist als Schiff gebaut und zugelassen. Es ist ein faradayscher Käfig aus Stahl und damit bei Blitzen nicht gefährlich für die Personen, die sich darin aufhalten.» Auch die gesamte Elektrizität auf der Seerose sei wetterfest. Das vergangene Wochenende habe dies auch im Extremfall bestätigt. «Wenn man sich anschaut, was für ein riesen Unwetter die Gegend am Sonntag heimsuchte und zu wie vielen Schäden es geführt hat, sind wir froh, dass die Seerose verschont geblieben ist.»

Es findet draussen statt

Doch es sei selbstverständlich so, dass man bei einer offenen Bühne unter freiem Himmel nass werden könne. «Es ist klar kommuniziert, dass die Veranstaltungen draussen stattfinden und dass Wasser eintreten kann.»

Ticket-Rückerstattung

Was geschieht mit meinem Ticket, wenn eine Veranstaltung abgebrochen wird? «Sobald das Ticket entwertet ist, kann man nach AGB's leider keine Rückvergütung mehr fordern», erklärt Ragaz.

Das bedeutet, sollte eine Veranstaltung vorgängig abgesagt werden, erhält man sein Geld zurück. Sollte das Ticket jedoch bereits entwertet sein, dann ist dies nicht der Fall. «In Grenzfällen, wie bei einer Schliessung der Seerose kurz nach Einlass, würden wir natürlich nicht darauf beharren.»

Nun werde noch einiges angepasst. «Wir lernen derzeit noch immer dazu. Aber wir reagieren so schnell wie möglich und haben bereits einige Dichtungen, Umleitungen von Wasser und Verbesserungen der Sitzplätze vorgenommen. Auch die Membrane über der Bühne wurde ersetzt und mit Zwischenträgern verstärkt, so dass sich keine Wasserbeutel mehr bilden können.» Weitere Anpassungen folgen: denn auch für die Künstler und deren Equipment hatte die Abdeckung noch Optimierungsbedarf.

Doch ist die Seerose nicht eine Fehlkonstruktion, wenn das Wasser innen statt aussen runterläuft und nicht ablaufen kann? «Nein», sagt Ragaz. «Es handelte sich am Sonntag einfach um einen Ausnahmefall.»

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