Rezension
Fetter Vetter & Oma Hommage im Südpol

Heimat-Stück – hier ist die Meinung des Publikums gefragt

«äinigermasse dehäi» heisst das Stück das das Kollektiv in Zusammenarbeit mit dem Lieder-Duo konzipiert hat. (Bild: Fetter Vetter & Oma Hommage)

Was ist Heimat? Beim Residenzshowing im Südpol erfahren wir durch die Theatergruppe Fetter Vetter & Oma Hommage, was der Begriff bedeuten kann.

Beim Showing der ersten Zusammenarbeit zwischen dem Theaterlabel Fetter Vetter und Oma Hommage bestehend aus Stephan Q. Eberhard, Damiàn Dlaboha (Regie), Gilda Laneve, Elke Mulders, Béla Rothenbühler und dem Musiker-Duo hedi drescht (Simone Felber und Lukas v. Gernet) erhalten wir einen ersten Eindruck des geplanten Stücks.

Ein Showing ist vergleichsweise mit einer Probe zu sehen. Dabei wurde das angedachte Stück auf circa 40 Minuten gekürzt und soll einen Einblick ins Wesentliche geben. Beim Stück «äinigermasse dehäi» geht es um die Begriffsdefinierung von «Heimat». Dabei wird deutlich, dass diese nicht ganz so simpel ist, wie gedacht.

Probenartige Situation mit Feedbackrunde

Im u-förmigen Halbkreis sitzen wir im grossen Saal des Südpols. Nach einer kleinen Einführung durch den Leiter der darstellenden Künste, Nikolai Ulbricht, werden wir auch direkt ins Geschehen gesetzt. Ein weissgekleideter Mann mitsamt Flügel rollt in die Mitte, dicht gefolgt von zwei Darstellerinnen. Diese verteilen mit kleinen Rollwagen überdimensionale Decken um ihn. Auch sie, wie der Rest der Crew, sind in lumpenartige weisse Fetzen gekleidet.

Durch die weisse Farbe vermitteln die Decken den Eindruck eines Himmelszelts. Gesang erfolgt dabei zum Klavierspiel von Lukas v. Gernet. Sängerin Simone Felber begleitet ihn in heimatlichen Klängen. Da erkennt man auch den Grundgedanken des Stücks – Heimat.

Das Publikum sitz rund um das Geschehen und wird so eingebunden ins Stück.
Das Publikum sitz rund um das Geschehen und wird so eingebunden ins Stück. (Bild: Fetter Vetter & Oma Hommage)

Gemeinsam unter einer Decke

Wie Gärtner hegen und pflegen die Darstellerinnen die riesigen Decken und bieten uns Zuschauenden nach kurzer Zeit Unterschlupf darunter. Ein Gefühl der Verbundenheit kommt auf, als wir uns umblicken und sehen, wie wir alle eingehüllt dem Spektakel zuschauen. Alle Performer machen es sich neben uns gemütlich. Sie beginnen, sich bedeutungsschwere Sätze zuzuwerfen.

Dies verleiht der Show einen gewissen Touch von Philosophie. Die Darsteller werfen existenzielle Fragen in den Saal. Was sind wir, wieso sind wir da und ist denn Heimat auch gleich die Erde, auf der wir sitzen? Dazu klingt ein melancholisch tönendes Pianospiel. Temporeich wechseln alle ihre Plätze und so bekommen wir die Gelegenheit, fast neben jedem sitzen und lauschen zu dürfen.

Gemeinsam unter einer Decke: Fetter Vetter & Oma Hommage und das Musikerduo hedi drescht.
Gemeinsam unter einer Decke: Fetter Vetter & Oma Hommage und das Musikerduo hedi drescht. (Bild: Fetter Vetter & Oma Hommage)

Luzerner Darsteller und die Heimat in der Kunst

Unsere Köpfe gehen ständig von links nach rechts, wie bei einem Tennis-Match. Die Performerinnen gehen mitsamt einer Kamera unter die Decke. Ein Spiel kindlicher Art entwickelt sich und wir dürfen dem ganzen auf der grossen Leinwand zusehen. Der Gesang erfolgt ausschliesslich von Sängerin Simone Felber. Textlich immer wieder mit Anlehnungen zum Grundthema des Stücks «Heimat». Wir werden quasi aufgeweckt, als wir langsam aufgedeckt werden und das kuschelige Gefühl verschwindet wieder.

Sichtlich ist allen Akteuren die Freude am Spiel anzusehen. Um uns wird gesprungen und gelächelt und vor allem fokussiert gespielt. Dies merkt man besonders, als die «Heimat», gespielt von Stephan Q. Eberhard, zu uns spricht. Wer ist sie, was will sie und vor allem wie heisst sie? Der Darsteller hat zahlreiche Antworten auf diese Fragen.

Kritik für den Kitsch

Diese Heimat ist so viel, dass man den 30-Jährigen mitsamt Decken aus dem Saal bringt. Liebevoll tragen ihn seine Mitstreiterinnen. Dies wäre eigentlich ein schöner Schlusspunkt gewesen. Allerdings folgt noch ein doch sehr kitschiges Schlusslied über die Heimat. Untermalt wird der Kitsch noch mit Berglandschaften und einer Abrissbirne, die wir auf die grosse Leinwand gezimmert bekommen. Etwas zu arg. Sicherlich hat dies noch Verbesserungspotenzial. Aber es ist ja auch nur ein Showing und kein fertiges Stück.

Alle Gäste dürfen auch im Anschluss ihre Meinung kundtun. Dies wirkt sehr erfrischend – ein bisschen Kritik schadet ja nicht. Hier bemerken wir auch, wie viele Leute aus der Luzerner Theaterwelt in der Runde vertreten sind, so geistreich und aufmerksam die Kommentare.
Wir notieren auch noch einige Sätze auf die Wunsch- und Lobliste und bedanken uns beim Haus und dem Kollektiv für eine kurzweilige Darstellung. Die fertige Inszenierung ist für Januar geplant.

Die Show wird vom Musikerduo hedi drescht durch heimatliche Klänge begleitet.
Die Show wird vom Lieder-Duo hedi drescht durch heimatliche Klänge begleitet. (Bild: Fetter Vetter & Oma Hommage)
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.