Rezension
Richard Gerstl – Inspiration – Vermächtnis

Kunsthaus Zug zeigt neue Gerstl-Sonderausstellung

Das Kunsthaus Zug zeigt bis am 4. Dezember eine Sonderausstellung zu Richard Gerstls Schaffen. (Bild: zvg)

Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Leopold Museum in Wien entstanden. Sie zeigt 40 von Richard Gerstls Hauptwerken aus Wien, New York und Zug. Ausgestellt sind zudem Werke von Künstlern, die sich von Gerstls beeindruckendem Schaffen inspirieren liessen.

Dass das Kunsthaus Zug die weltweit zweitgrösste Gerstl-Sammlung nach dem Leopold Museum in Wien betreut, ist vielen bekannt. Nicht so verbreitet ist hingegen, wie das Zuger Haus mit der Bekanntmachung des Wiener Künstlers ausserhalb Oesterreich verbunden ist.

Gerstls Nachlass wurde von Fritz Wotruba, dem künstlerischen Leiter der Galerie Würthle, die Fritz und Editha Kamm-Ehrbar in Zug gehörte, erworben.

Mit den Konventionen der Zeit brechen

Die umfassende Zuger Schau lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Maler, der neue expressionistische Ausdrucksformen fand. Richard Gerstl (1883-1908) wird nicht nur als zentrale Figur der Avantgarde, sondern auch als einer der ersten österreichischen Expressionisten betrachtet.

Er ist aber auch ein Künstler der stilistischen und inhaltlichen Erneuerungen, der noch mehr als zum Beispiel Egon Schiele, auf eine ungewöhnliche Weise und kompromisslos mit den Konventionen der Zeit brechen wollte.

Zudem gilt Gerstl auch als Maler, der zahlreiche andere Künstler inspirierte und inspiriert. Darunter Otto Muehl, Georg Baselitz, Günter Brus und Martha Jungwirth, die in der Ausstellung präsent sind. Andererseits zeigt diese Sonderschau, wie sich Gerstl selber durch die Malweise von Künstlern wie Munch, Manet, Bonnard, Van Gogh oder auch Hodler animiert fühlte.

Gerstl liebe die Provokation

Die Zuger Ausstellung zeigt auf eine eloquente Weise, wie vielschichtig Gerstls künstlerischer Weg war. Die Tendenzen des Impressionismus entwickelte er weiter, und zwar auf eine sehr persönliche Weise. Seine Auseinandersetzung mit der Moderne zeigt, wie er die Provokation über alles liebte. Die akademische Malerei kannte er gut, aber er lehnte sie ab, sowie auch die Ästhetik der Wiener Sezession und Gustav Klimts.

Gerstl war kultiviert: Philosophie, Musik und Literatur waren für ihn keine Fremdwörter, er war künstlerisch sehr gebildet und kannte die alten Wege genau. Er suchte aber neue und kreierte so ausdrucksstarke Werke, die in der Kunstgeschichte unvergleichbar bleiben. 

Selbstporträts fast wie moderne Selfies 

Selbstporträts, Einzel- und Gruppenporträts sind die Hauptsujets in Richard Gerstls Œuvre. Diesen, aber auch einigen weniger bekannten Landschaften, werden Ausstellungsbereiche gewidmet. Bei den Selbstporträts handelt es sich um beeindruckende, stilistisch unvergleichbare Bilder, die uns von einer starken, aber stets geheimnisvollen, quasi multiplen Persönlichkeit erzählen; einige beinahe in der Art der heutigen Selfies.

Die Zuger Sonderschau präsentiert auch Porträts der Freunde und Schüler des Komponisten Arnold Schönberg, wie etwa das Bildnis «Alexander von Zemlinsky», sowie wichtige Bilder wie «Die Familie Schönberg» und insbesondere das «Gruppenbildnis mit Schönberg». Und passend auch zahlreiche Darstellungen von Mathilde Schönberg, wie zum Beispiel «Mutter und Tochter».

Gerstl gehörte zum Schönberg-Kreis, seitdem er eben Schönbergs Frau Malunterricht erteilte. Sein letztes Gemälde «Sitzender weiblicher Akt», höchstwahrscheinlich mit der nackten Mathilde in seinem Atelier, zeigt die Art der Beziehung zwischen der Frau und dem Künstler. Eine Beziehung, die von Schönberg entdeckt wurde und für den Maler, sicher zusammen mit anderen Ereignissen jener Zeit, fatale Konsequenzen haben würde: am 4. November 1908 nahm sich der Künstler das Leben.

Die Ausstellung im Kunsthaus Zug, zu der ein umfassender Katalog erscheint, läuft vom 14. August bis am 4. Dezember und wird von einem reichen Rahmenprogramm begleitet.

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