Rezension
Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg»

Eine glanzvolle Premiere am Luzerner Theater

Camila Meneses und Christian Tschelebiew als Judith und Herzog Blaubart. (Bild: Ingo Hoehn)

In Coproduktion mit dem Lucerne Festival zeigt das Luzerner Theater seit Sonntag Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg». Dies in einer sehr interessanten Fassung von Eberhard Kloke für ein kleines Orchester. Für diese neue Inszenierung, die unter die Haut geht, ist Anika Rutkofsky verantwortlich.

Zwischen Charles Perraults Märchen und Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» liegen drei Jahrhunderte. Drei Jahrhunderte, in denen der Blaubart-Mythos neu erzählt und neu interpretiert wurde. Béla Bartók komponierte seine Oper nach einem Libretto von Béla Balázs, dessen Vorgänger Maurice Maeterlinks und Paul Dukas Oper «Ariane et Barbe-Bleu» von 1907 ist.

Das an psychologischen Motiven und Symbolen reiche Thema um Herzog Blaubart, der in seinem Schloss isoliert und einsam lebt, Frauen einlädt, sie heiratet und dann tötet, beschäftigte in der Tat zahlreiche Schriftsteller, Maler und Komponisten.

«Nie sollst du mich befragen …»

Auch in der tiefenpsychologischen Inszenierung von Anika Rutkofsky stehen die Wünsche, Empfindungen, Begehren, Ängste, Manien und Phobien Blaubarts im Mittelpunkt. Judith, seine vierte Frau, versucht diese nach und nach zu entdecken und zu ergründen. Judith versucht nicht nur mit ihrer Liebe, sondern auch mit ihren Fragen das Innere – die Seele Blaubarts! – zu durchschauen.

Sie ist mehr als die schwache, hingebungsvolle und ständig opferbereite Ehefrau neben dem starken Mann. Sie will in sein Unterbewusstsein hinabsteigen, alle Türen öffnen und die dunkle Burg erhellen – koste es, was es wolle. Selbst wenn dabei alles ersichtlich wird (wird es das?), was seine, aber auch ihre Psyche betrifft. Und auch wenn sie am Ende ihre drei Vorgängerinnen «Morgen, Mittag und Abend» entdeckt und selbst zur Nacht wird und verschwindet, wie auch Blaubart verschwindet.

Das Blaubart-System – eine Maschinerie

Blaubarts Burg wird in einem einheitlichen, grau-schwarzen Bühnenbild von Uta Gruber Ballehr, die auch die Kostüme kreiert, dargestellt.

In der Inszenierung von Anika Rutkofsky ist die Burg eine Maschine, die ein System – das Blaubart-System – reproduziert. Um uns mit ihrem Konzept zu überzeugen, lässt die Regisseurin diese Maschine schon laufen, lange bevor das Publikum den Saal betritt.

Das Blaubart-System, die Verkörperung des Patriarchats, läuft seit jeher und wird – mit mehr oder weniger Brutalität – immer laufen. Die Gesellschaft sieht weg und niemand vermag diese Maschinerie zu stoppen – zumindest bis heute nicht. Nicht einmal neugierige, starke und emanzipierte Frauen, wie Judith eine ist? Das ist die ewige Frage.

Das Bühnenbild verdeutlicht die Dunkelheit Blaubarts Burg.
Das Bühnenbild verdeutlicht die Dunkelheit von Blaubarts Burg. (Bild: Ingo Hoehn)

Ein Theaternachmittag, der unter die Haut geht

Das Luzerner Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Jonathan Bloxham zeigt grandios alle Nuancen dieser farbenreichen und nicht einfachen Bartók-Oper. Diese wurde eigentlich für einen grossen Orchesterapparat komponiert und gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke des 20. Jahrhunderts.

Christian Tschelebiew singt den Blaubart – als Täter, aber im Grunde auch als Opfer – hervorragend. Solenn’ Lavanant Linke ist souverän im schwierigen Part der Judith 1 und Camilla Meneses in der Rolle der Judith 2.

Das Luzerner Publikum zeigte sich nach diesem kurzen (die Aufführung dauert 1 Stunde und 20 Minuten), aber aufrüttelnden Theaternachmittag beeindruckt und schenkte allen Beteiligten einen dankbaren Applaus.

Verwendete Quellen
  • Besuch der Aufführung im Luzerner Theater
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