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Rettungsaktion für die coolste Frau der Stadt
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(Bild: lwo)

Luzerner Himmelrich-Wandbild muss weg Rettungsaktion für die coolste Frau der Stadt

3 min Lesezeit 24.02.2016, 11:35 Uhr

Ende der Woche wird auch der letzte Rest der gewaltigen Himmelrich-Siedlung dem Erdboden gleichgemacht. Doch das superbe Wandbild des Luzerner Künstlerpaars QueenKong, das noch am letzten Stückchen Fassade der Bauruine prangt, soll ein zweites Leben erhalten.

Für viele Luzerner ist sie die coolste Frau der Stadt, doch am Freitag geht es mit ihr zu Ende, sie wird für ein und alle Mal verschwinden. Die Rede ist vom tätowierten Mädel, das seit rund sechs Monaten selbstbewusst von der Wand der alten Himmelrich-Siedlung auf die Passanten herunterblickt.

ABL machte es möglich

Das Luzerner Künstlerpaar QueenKong hat Anfang August 2015 die Gelegenheit erhalten, eine Fassade der Abbruchsiedlung mit seinem Wandbild aufzupeppen. Möglich wurde dieses von der Dimension her in Luzern einzigartige Projekt, weil die Himmelrich-Siedlung der Stiftung ABL (Allgemeine Baugenossenschaft Luzern) einem Neubau weichen muss. Die ABL war sofort dabei, als QueenKong mit ihrer Verschönerungsidee an sie herantrat.

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«Es wird ein bisschen wie bei der Berliner Mauer.»
Oli Sielemann, Mit-Initiant der Aktion

In den letzten Wochen ist die komplette Siedlung dem Erdboden gleichgemacht worden – nur jener Teil der Fassade mit dem grossartigen Street-Art-Gemälde steht noch. Wer es noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat, der sollte sich sputen: Diesen Freitag fällt auch der Rest der Bauruine. Den besten Blick gibt’s von der Bundesstrasse im Bereich der Bäckerei Bebié.

Der Kopf bleibt erhalten

Doch die flotte Dame mit ihren grossen Augen, dem sinnlichen Mund und dem kecken Blick hat sich in die Herzen der Luzerner gebrannt. Deshalb organisiert ein Team von Leuten rund um QueenKong eine Art Rettungsaktion: Bevor die Mauern ab Freitag abgerissen werden, tragen Freiwillige zuvor mit Pickel und Hammer den Kopf der QueenKong-Lady vom Verputz ab. Dabei handelt es sich immerhin um eine Fläche von etwa 36 Quadratmetern. Zerbröseln werde der Verputz dabei nicht, sagt einer der Initianten, Oli Sielemann. «Stücke von vielleicht 60 mal 60 Zentimetern Grösse sollten sich durchaus entfernen lassen.»

An der Fassade informiert ein Transparent über die Aktion. (Bild: lwo)

An der Fassade informiert ein Transparent über die Aktion. (Bild: lwo)

Diese Stücke werden in einer Mulde deponiert und nach Abschluss der Arbeiten ins alte Hallenbad an der Bireggstrasse transportiert, wo heute die Zwischennutzung Neubad einquartiert ist. «Dort können sich Interessierte am Samstag, 5. März, von 12 bis 18 Uhr selber ein Stückchen raushauen. Ein bisschen wie bei der Berliner Mauer», freut sich Sielemann. Säcke zum Abtransportieren werden zur Verfügung gestellt. Auch für Schutzbrillen für Kinder ist gesorgt.

Kollekte für guten Zweck

Kosten tut der ganze Spass für die Besucher nichts. «Wir stellen eine Kollekte hin, und wer will, kann etwas spenden», sagt Sielemann. Er betont, dass die ganze Aktion auf Freiwilligkeit basiert und alle Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. So stellt die Firma von Moos am 5. März Hammer, Meissel und Schutzbrillen zur Verfügung, Luzerner Bier schenkt mit zwei Franken pro Becher sehr günstigen Gerstensaft aus und auch die Grafikbar, das Neubad selbst, das ABL-Nachbarschaftsprojekt Vicino sowie die Baufirma Lötscher arbeiten bei diesem Projekt alle für Gottes Lohn.

«Vom letzten Teil des Himmelrichs werden auch wir uns ein Stück raushämmern.»
QueenKong

Die Einnahmen aus dem Bierverkauf sowie der Kollekte fliessen ins Projekt Spieltraum und in die Neugestaltung des Bleichergärtlis. Spieltraum organisiert am Samstag jeweils Kinderaktivitäten im Vögeli- und Bleichergärtli. Das Bleichergärtli wird im Rahmen der neuen Himmelrich-Siedlung komplett neu gestaltet und soll zum Quartiertreff werden.

Ehre für Künstler

Dass ihr Kunstwerk mit dieser Aktion der Nachwelt wenigstens ein bisschen erhalten bleibt, freut natürlich besonders das Künstlerpaar Veronika Bürgi und Marco Schmid von QueenKong. Sie sagen: «Die positiven Reaktionen im letzten halben Jahr haben uns sehr gefreut und wir fühlen uns geehrt über die Nachfrage der Initianten, unser Wandbild der Luzerner Bevölkerung weiterzugeben. Vom letzten Teil des Himmelrichs werden auch wir uns gerne ein Stück raushämmern.»

Viele Luzerner hoffen nun, dass damit das Kapitel Street-Art in Luzern nicht schon wieder geschlossen wird. Denn wie gut der Stadt Luzern schöne, moderne Wandmalereien bekommen würde, hat zentral+ bereits hier gemeinsam mit Bürgi und Schmid bewiesen.

Letztes aber schönstes Überbleibsel der alten Himmelrichsiedlung.

Letztes aber schönstes Überbleibsel der alten Himmelrichsiedlung.

(Bild: lwo)

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