Rettung in Sicht?
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Das Team des «Neubad» kämpft momentan mit der finanziellen Lage der Zwischennutzung. (Bild: zvg)

Zwischennutzung «Neubad» in Luzern Rettung in Sicht?

5 min Lesezeit 14.01.2015, 12:16 Uhr

Finanzielle Probleme machen dem Team der «Neubad»-Zwischennutzung das Leben schwer. Der Betrieb läuft weiter, das Programm ist bis Sommer geplant. Die schwierige Situation lässt sich nicht so einfach auflösen, doch Not macht erfinderisch. Daneben erhalten sie grosse Unterstützung aus der Bevölkerung – sogar die Konkurrenz springt in die Bresche.

«Der Betrieb ist noch immer gefährdet», muss Dominic Chenaux, Betriebsleiter des «Neubads» heute verkünden. Man treffe zwar Massnahmen und es seien diverse Gesuche bei Stiftungen pendent, doch der nächste finanzielle Engpass sei absehbar.

Im Dezember rief das Neubad um Hilfe (zentral+ berichtete). Die finanzielle Lage des Luzerner Kulturvereins sei im Moment äusserst angespannt, hiess es auf der Webseite. In den Sozialen Medien und der Luzerner Kulturszene kamen die Reaktionen sofort. Über 100 Mal wurde der Aufruf beispielweise auf Facebook geteilt.

Team ist gerührt

Das Team des Neubads sei gerührt von all dem Zuspruch und der Unterstützung, hiess auf der Facebookseite der Zwischennutzung bereits Anfang Januar: «Es erreichte uns eine grosse Welle der Sympathie und der Unterstützung in den verschiedensten Formen. Dieser Zuspruch bestärkt uns auf unserem Weg. Wir sind voller Hoffnung und hoch motiviert, den subventionsfreien Betrieb der Zwischennutzung im alten Hallenbad Biregg bis zum Vertragsschluss weiterführen zu können.»

«Es ist auch in Zukunft nicht mit Subventionen zu rechnen.»
Aurel Jörg, Co-Präsident Neubad

100 zusätzliche Mitglieder hat das Neubad konkret durch den Spendenaufruf im Dezember gewonnen. 40 neue Gönner haben einen Beitrag von 200 Franken einbezahlt und insgesamt kam ein Betrag im fünfstelligen Bereich zusammen. Auch durch Spenden, welche die Tausender-Grenze überschritten, so Mario Stübi, Mitglied des Vorstands.

Doch dieses Engagement reicht nicht aus. «Es müssen rund 100’000 Franken bis im März zusammenkommen, davon haben wir bisher 30’000», so Betriebsleiter Chenaux. Könne man die restlichen 70’000 Franken nicht auftrieben, sehe er als Geschäftsführer die wirtschaftliche Situation nicht mehr als tragbar. Die Notbremse würde jedoch gezogen, bevor ein finanzieller Schaden für Personal und Mieter entstehen könne.

Möglicherweise werde in den nächsten Wochen durch eines der zahlreichen Stiftungsgesuche der Betrieb gesichert. Doch hier ist nichts garantiert. Garantieren könne man aber, dass die geplanten Veranstaltungen auch im schlimmsten Fall definitiv noch stattfinden würden.

Chenaux sagte im Dezember gegenüber von zentral+: «Der Kanton Luzern ist nicht bereit, uns zu unterstützen, ist im Moment noch unklar, wie es bei uns weitergeht.» Daran hat sich nichts geändert. Aurel Jörg, Co-Präsident der Zwischennutzung sagt klar: «Es ist auch in Zukunft nicht mit Subventionen zu rechnen.» Spannend ist dabei, dass sehr viele Leute gar nicht wussten, dass das Neubad keine Subventionen erhält. «Ich wurde sogar von Poltitikern angesprochen, wir würden einen guten Job mit den Geldern von Stadt und Kanton machen. Da musste ich sie korrigieren. Wir erhalten nichts», erklärt Chenaux.

Konkrete Massnahmen

Damit muss das Team nun umgehen. Mario Stübi erklärt die beiden Hauptmassnahmen, die der Verein nun trifft: Erstens will das Neubad in Zukunft mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. «Wir wollen das Haus nicht mit Firmenlogos zupflastern.» Es solle eine Zusammenarbeit mit Feingefühl gestaltet werden, die das Neubad finanziell unterstütze und den Firmen eine individuelle Form von Auftritten ermöglicht.

Zweitens sollen sich auch Private engagieren. «Wir suchen Kultur-affine Personen, die das Haus aus Goodwill unterstützen», so Stübi. Wem das Haus am Herzen liege und wer es sich leisten könne, der sei hier gefragt. Doch nicht nur grosse Beträge helfen. Jeder neue Vereins-Mitglied, jeder neue Gönner, jeder Helfer und jede Spende brauche es jetzt. «Denn die Zwischennutzung findet jetzt statt», betont Chenaux.

«Jede unvorhergesehene Investition ist für das Neubad lebensbedrohlich.»
Mario Stübi, Vorstand Neubad

Das Neubad durch einen Club- oder Disco-Betrieb zu ergänzen, um mehr Geld zu generieren, diese Möglichkeit sei durch den Leihvertrag mit der Stadt eingeschränkt.

Der Betrieb an sich sei finanziell solide. Die Einnahmen durch die Mieter im Atelier und Co-Working und die Einnahmen aus der Gastronomie halten den Betrieb am Laufen. «Doch jede unvorhergesehene Investition ist für das Neubad lebensbedrohlich», so Stübi.

Wie konnte das passieren?

Weshalb kam es zu dieser unvorhergesehenen Situation im Neubad:

Zahlen zum Neubad
  • 50'000 Besucher im letzten Jahr
  • Umsatz 1,1 Millionen Franken
  • 100 Prozent Eigenfinanzierung (keine Subventionen)
  • 25 Mitarbeiter in 1'400 Stellenprozent
  • 100 Nutzende auf 40 Arbeitsplätzen im Co-Working/Ateliers
  • 500 Mitglieder und 100 Gönner

Für 2015 rechnete man beim Verein mit 100’000 Franken vom Lotteriefonds. «Unsere Arbeit wurde oft gelobt und die Aussichten auf eine Förderung war vorhanden. Wir erwarteten, dass entsprechende Gelder zur Verfügung stehen könnten.» Doch diese Gelder werden nicht fliessen. «Das zeigt die Wertschätzung unserer Arbeit durch Kanton und Stadt. Und das tut im Herzen weh», so Chenaux. Die Absage habe man bisher jedoch nur mündlich vom Kulturbeauftragten Martin Jann, welcher sein Amt bereits abgegeben hat, erhalten. Die schriftliche soll noch diese Woche folgen.

Ohne diese Gelder aus dem Lotteriefonds auskommen zu können, wäre im normalen Betrieb kein Problem. Doch das Haus benötigt durch sein Alter immer wieder grössere Investitionen, die nicht vorhersehbar waren und es auch heute nicht sind. Ein defekter Heizkessel, eine defekte Store, fehlende Strompläne – verschiedene Investitionen, die das Neubad an den finanziellen Abgrund bringen. Auch für den Brandschutz und die Sicherheit mussten 300’000 Franken investiert werden. Geld, welches das Neubad ohne Subventionen, als sehr junger Verein ohne aufbringen muss.

Der Heizkessel ist nur provisorisch repariert. Es muss ein Neuer aufgetrieben werden. Mario Stübi appelliert: «Falls jemand einen grossen Occasions-Heizkessel hat, wir wären sehr froh darum.»

Rettung in Sicht?

Unterstützung erhält das Neubad übrigens sogar von der Konkurrenz. In der Schüür findet am 6. Februar eine Benefizveranstaltung mit dem Namen «NEUBAD-BENEFIZNZNZNZ» statt. Tanzen für die Zwischennutzung.

Und auch der Sedel hilft. Die eigene Veranstaltung am 6. Februar wurde abgesagt, denn man will die Gäste motivieren die Benefiz-Veranstaltung in der Schüür zu besuchen.

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