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Reto Wyss gibt sein erstes Interview als Luzerner Finanzdirektor
  • Politik
Der neue Finanzdirektor Reto Wyss im ersten Stock des Luzerner Finanzdepartements. (Bild: les )

Übergabe verlief «kontrolliert und konfliktfrei» Reto Wyss gibt sein erstes Interview als Luzerner Finanzdirektor

7 min Lesezeit 2 Kommentare 03.07.2019, 11:15 Uhr

Es war das Thema nach den Luzerner Wahlen: die Departementsrochade zwischen Reto Wyss und Marcel Schwerzmann. Nun erklärt der neue Finanzdirektor, welche Ziele er sich für seinen neuen Job setzt. Wyss könnte sich vorstellen, noch einige Jahre im Amt zu bleiben. Schliesslich wurde ihm die Türe nach Bundesbern zugeschlagen. 

Er hat Wort gehalten. CVP-Regierungsrat Reto Wyss gewährt zentralplus an seinem ersten Tag als Luzerner Finanzdirektor eine kurze Audienz. Sein Wechsel ins Finanzdepartement hat nach den Wahlen mächtig Staub aufgewirbelt (zentralplus berichtete). Schliesslich musste Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) nach zwölf Jahren sein Pult räumen und ins Bildungsdepartement wechseln. Über die Hintergründe schwieg die Regierung bisher eisern. Auch zentralplus biss sich an Reto Wyss die Zähne aus. Er vertröstete auf seinen offiziellen Start im neuen Amt.

Auf die Frage nach den Hintergründen zur Departementsrochade verweist Wyss nach wie vor auf Regierungspräsident Paul Winiker. Sonst gibt er sich im Interview entspannt, obwohl die Hitzewelle auch das Büro des Finanzdirektors in Beschlag genommen hat. 

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zentralplus: Reto Wyss, wie sieht ein erster Tag in einem neuen Departement aus?

Reto Wyss: Eigentlich bereits sehr normal mit einer internen Sitzung. Die Einarbeitung in die Themen passierte bereits letzte Woche. Am Abschiedsapéro von Marcel Schwerzmann am vergangenen Donnerstag lernte ich einen Teil des Personals bereits kennen. Marcel Schwerzmann war am Freitag auch an meinem Abschiedsapéro im Bildungs- und Kulturdepartement dabei. Wir haben gegenseitig das Wort ergriffen und die künftigen Mitarbeitenden begrüsst.

zentralplus: Können Sie sagen, wie die Übergabe mit Ihrem Vorgänger über die Bühne ging?

Wyss: Kontrolliert und konfliktfrei. Relativ früh tauschten wir uns gemeinsam über grundsätzliche Fragen aus und definierten die Übergabe. Wir haben beide unseren persönlichen Mitarbeiter mitgenommen – ansonsten bleibt personell alles beim Alten. 

zentralplus: Dann ist das Verhältnis zwischen Ihnen in Ordnung?

Wyss: Ja, absolut. Die Leute haben einfach eine falsche Vorstellung. Wir Regierungsräte haben Erfahrung damit, schwierige Entscheide zu treffen. Das kommt immer wieder vor – wird aber nicht immer wahrgenommen. Wir haben diskutiert, einen Entscheid gefällt und seither wird dieser umgesetzt.

zentralplus: Wie verlief diese Zusammenarbeit?

Wyss: Ich hatte nicht ein einziges Mal den Eindruck, dass die möglichst optimale Übergabe der Departemente nicht angestrebt wurde. Beide gaben sich Mühe, ihren besten Beitrag zu leisten, damit es ruhig über die Bühne ging. Wir haben kein Problem miteinander, sondern einen Entscheid umzusetzen. Das hat mit Professionalität zu tun. Wir müssen ja gute Arbeit im Sinne des Kantons Luzern leisten, da hätten persönliche Geschichten keinen Platz und waren auch gar nie Thema.

In der ersten Sitzung des neuen Parlaments wurde viel über das Verhältnis zwischen Marcel Schwerzmann und Reto Wyss gemunkelt.
In der ersten Sitzung des neuen Parlaments wurde viel über das Verhältnis zwischen Marcel Schwerzmann und Reto Wyss gemunkelt.

(Bild: les)

zentralplus: Was reizt Sie an den Finanzen? Schliesslich sind Sie gelernter Bauingenieur – mit den Ökonomen Marcel Schwerzmann und Paul Winiker wären zwei Regierungsräte vom beruflichen Background her besser geeignet.

Wyss: (Lacht). Ich bin aufgrund meiner Tätigkeit auf Stufe Gemeinde und Kanton daran gewöhnt, dass Finanzen ein wichtiges Thema sind. Das Finanzdepartement ist ein Querschnittsdepartement. Wir reden nebst Geld auch über Infrastruktur, Personal und die Informatik. Wir schaffen damit die Grundlagen für ein erfolgreiches Schaffen aller Departemente.

zentralplus: Alt Regierungsrat Markus Dürr begrüsste Ihren Wechsel an einer CVP-Delegiertenversammlung und sagte, die CVP habe damit an Einfluss gewonnen (zentralplus berichtete). Was sagen Sie als Involvierter zu dieser Aussage?

Wyss: Ich hatte schon vorher ein wichtiges Departement. Aber selbstverständlich ist das Finanzdepartement wegen seiner Querschnittsfunktion sehr interessant. Kein anderes Departement hat einen so intensiven Austausch mit allen Departementen. Das liegt in der Natur der Aufgabe.

«Wir müssen sparsam bleiben.»

zentralplus: Laut einem Bericht auf «lu-wahlen» haben Sie an einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft (AWG) Aussagen zu Ihrem neuen Amt gemacht. Sie streben eine «weniger abrupte Gangart» an. Wollen Proteste vermeiden und die Kommunikation verbessern. Können Sie etwas zu Ihren Zielen im Finanzdepartement sagen?

Wyss: Ja, ich habe dort Aussagen gemacht, was meine Zielsetzungen im Finanzdepartement sind. Grundsätzlich bleibt der finanzpolitische Wegweiser unverändert. Das Handwerk wird sich aber verändern, schliesslich bin ich eine andere Person als mein Vorgänger. Meine Zielsetzung ist, zu konsolidieren und Ruhe reinzubringen. Grossen Wert lege ich auf den Dialog mit dem Parlament, der Bevölkerung, den Gemeinden und der Wirtschaft.

Das Finanzdepartement

Der neue Finanzdirektor Reto Wyss hält fest, dass sich das Finanzdepartement nicht einzig mit Finanzen beschäftige. Im Immobilienbereich stünden mit dem Campus Horw, dem zentralen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz oder dem neuen Polizeistützpunkt Sprengi wichtige Vorhaben an. Beim zentralen Verwaltungsgebäude geht es um eine Reduktion des Mietzinsaufwands ebenso wie um die Verbesserung von internen Synergien.

Im Bereich Personal legt Wyss nicht nur Wert auf die angestrebte Arbeitszeitsreduktion. Der Kanton müsse mit den Arbeitsbedingungen der Privatwirtschaft mithalten können. Es gehe dabei nicht primär nur um Löhne, sondern um Arbeitszeitmodelle oder die Organisation.

Bei der Informatik will Wyss auf die veränderten Ansprüche der Bürger reagieren. Man wolle heute möglichst «alles» online während 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr erledigen können. Auch verwaltungsintern müsse der Kanton mit diesen Entwicklungen Schritt halten können. 

zentralplus: Es wird womöglich einfacher, denn die grossen Brocken Aufgaben und Finanzreform 18 oder die Steuergesetzrevision 2020 sind im Trockenen. 

Wyss: Es stimmt, wichtige Schritte, die die Gesamtregierung aufgegleist hat, sind gemacht worden. Aber wir haben weitere Herausforderungen vor uns, die man nicht unterschätzen darf. Ich denke an die Entwicklungen der Kosten in der Bildung oder die steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Wir müssen dafür sorgen, den bisherigen Kurs zu halten.  

zentralplus: Beim Personal hat die Regierung bereits angekündigt, die Erhöhung der Arbeitszeiten rückgängig zu machen. Wird der finanzielle Spielraum grösser, werden die Begehrlichkeiten nicht kleiner. Wo sehen Sie den grössten Bedarf?

Wyss: Wir haben gegenüber dem Parlament immer gesagt, dass das Personal oberste Priorität hat. Die Arbeitszeiterhöhung war immer als vorübergehende Regelung vorgesehen. Wo wir die nächsten Prioritäten setzen, kann ich heute nicht sagen. Dies wird die Regierung als Fünfergremium definieren, sofern es die Lage zulässt. Es wird bestimmt eine Herausforderung – denn nach dem ersten Schritt können nicht plötzlich überall Mehrausgaben getätigt werden. Wir müssen sparsam bleiben. 

zentralplus: Tendenziell geht es aber Richtung Mehrausgaben – an den Steuern wird in nächster Zeit wohl kaum geschraubt.

Wyss: Erst setzen wir jetzt die Gesetzesrevisionen um, anschliessend können wir eine neue Beurteilung vornehmen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir konsolidieren und Ruhe reinbringen. In beide Richtungen.

«Ich sehe diese Aussagen in keiner Art und Weise als Kritik an meinem Vorgänger.»

zentralplus: Wie wollen Sie in der Kommunikation agieren?

Wyss: Wenn man Ruhe reinbringen und Vertrauen gewinnen will, dann ist es wichtig, dass man klar und verständlich kommuniziert. Ich messe der Kommunikation ein sehr hohes Gewicht zu. Das bedeutet, sobald etwas spruchreif ist, wollen wir das auf eine verständliche Art und Weise mitteilen. Ich weiss, dass dies im Finanzumfeld anspruchsvoll ist. 

zentralplus: Können Ihre Ausführungen auch als Kritik an Marcel Schwerzmann verstanden werden?

Wyss: Ich übe keineswegs Kritik und sage nicht, ich will es besser machen. Ich erkläre lediglich, wie ich es machen will. Nochmals: Grundsätzlich bleibt die Richtung gleich, dass ich eine andere Person als mein Vorgänger bin, ist ein Fakt. Ich werde meinen Arbeitsstil nicht verändern und so weitermachen wie im Bildungsdepartement. Ich sehe diese Aussagen in keiner Art und Weise als Kritik an meinem Vorgänger.

zentralplus: Die Mitarbeiter in den Departementen erhalten mit der Rochade einen neuen Chef. Was können Sie zu dieser Ausgangslage sagen?

Wyss: Ich habe gar keine Bedenken, dass wir nicht harmonieren. Ich erlebte diese Situation ja bereits, als ich neu ins Bildungs- und Kulturdepartement kam. Die Mitarbeiter wissen, dass sie in einem politischen Umfeld tätig sind, wo es alle paar Jahre Wechsel gibt. Gemeinsam machen wir uns an die Umsetzung der anstehenden Projekte.

«Hätte das Timing gepasst, hätte ich mir eine Ständeratskandidatur sicher überlegt.»

zentralplus: Paul Winiker sagt, man sollte acht Jahre in einem Departement sein, um etwas zu erreichen. Bleiben Sie bis 2027?

Wyss: (Lacht.) Ich teile seine Meinung, dass zwei Legislaturen in einem Departement geschickt sind. Ob ich in vier Jahren nochmals antrete, weiss ich heute nicht. Die Aufgabe macht mir Freude und ich empfinde es als Privileg, Regierungsrat sein zu dürfen. Von meinem Alter her besteht sicher auch die Möglichkeit, dass ich noch eine Zeit lang mache. 

zentralplus: Ich stelle eine andere Behauptung zu Ihrer Karriereplanung auf: Sie zeigten Ihre politischen Ambitionen, als Sie Präsident der Bildungsdirektorenkonferenz werden wollten. Auch Interesse am Ständeratsmandat wurde Ihnen, wie auch Parteikollege Guido Graf, nachgesagt. 2023 wäre der ideale Zeitpunkt gewesen, um Nachfolger von Konrad Graber zu werden. Seine Rücktrittsankündigung erwischte Sie jedoch auf dem falschen Fuss, weil Sie bereits in den Nominationsprozess zum Regierungsrat involviert waren. Weil also der Traum vom Sitz im Stöckli platzte, überlegten Sie sich einen nächsten Karriereschritt und fassten einen Departementswechsel ins Auge. 

Wyss: Eine Ständeratskandidatur war aufgrund der terminlichen Situation gar nie Thema. Klar, der Rücktritt von Konrad Graber kurz vor der Nomination hat uns überrumpelt. Ich ging davon aus, dass er sich noch einmal zur Verfügung stellt. Aber die Diskussion erübrigt sich. Ich konnte mich nicht als Regierungsrat aufstellen lassen, mit der Option, im Herbst auch noch für den Ständerat zu kandidieren. Hätte das Timing gepasst, hätte ich mir diese Frage aber sicher überlegt.

zentralplus: Angesichts dieser Ausführungen scheint Ihr Departementswechsel nachvollziehbar.

Wyss: Acht Jahre sind sicher der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. Das zeigt sich auch beim Bundesrat, den anderen Kantonsregierungen oder in den Exekutiven grosser Städte.

zentralplus: Haben Sie die harschen Reaktionen eigentlich überrascht?

Wyss: Wir waren uns bewusst, dass kaum jemand damit rechnete. Hinter dem Vorgehen stehen aber mittel- und langfristige Überlegungen, um zu guten Lösungen für unseren Kanton zu gelangen.

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2 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 03.07.2019, 15:46 Uhr

    Regierungsrat Reto Wyss ist das, was ich unter einem schneidig-windigen Politiker verstehe. Pragmatisch und aufgrund der vergangenen Legislatur zu urteilen, trieft Herr Wyss förmlich vor Polit-Opportunismus aus jeder Pore. Nicht das dies an und für sich etwas besonderes im Polit-Zirkus wäre. Nur: Wenn RR R. Wyss eines Tages mit stehenden Ovationen die Politbühne verlässt, wird er wohl noch als grossartiger, weitsichtiger und vernünftiger Bildungsdirektor in die Luzerner Chronik (Diebold Schilling) eingehen. Genügend Schillinge aus der Staatskasse hat er bis dahin auch verdient. Und bei unzähligen, harten Sparpaketen wurde überall gespart. Nur nicht bei den Renten der Regierungsräte und bei Steuergeschenken für den Geldadel. Danke Reto Wyss für diese gerechte und auf Ausgleich bedachte Politik, welche dafür sorgt, dass es nicht zu gefährlichen gesellschaftlichen Verwerfungen kommt. Rothenburg ain’t far away Mr. President!

    1. Christen Weizenegger Claudia, 22.07.2019, 14:48 Uhr

      Ich sehe die sogenannten Sparmassnahmen als Abbau und nehme an, diese werden nie mehr wieder aufgenommen, solange die bürgerliche Mehrheit herrscht. Das Interview zeigt einmal mehr, den Hype um die Person und nicht der Sache wegen. Ich hoffe sehr, die Spange Nord und die Fluhmattbrücke wird nicht mit öffentlichen Geldern gebaut, also nie! Wir brauchen keinen Ingenieur als Regierungsrat, welcher solche unnötigen Bauten vorantreibt, sondern, wir brauchen wirkliche Umsicht, damit das CO2 abgebaut werden kann und oder verhindert wird. Es braucht mehr Anreize, damit der ÖV wachsen kann. Leider wird der Topf für den Strassenbau enorm gefüllt, mit all den Spezialsteuern und darf zum grössten Teil nicht für den ÖV verwendet werden. Das sollte dringend wieder auf Bundesebene und folglich auch kantonal geändert werden. Die Autolobby ist stark und wie wir kürzlich erfahren haben sind auch gewisse noch betrügerisch, als Beispiel die abgesprochenen und überhöhten Leasinggebühren. Mehr ÖV braucht der Mensch, weniger schadenvolle Eigeninteressen. Das viel versprochen wird, vorallem in einem Wahljahr, kennen wir alle, doch nun brauchen wir Massnahmen zur Gesundheit von Menschen und Umwelt sofort und jetzt und nicht Machtpolitik führender Parteien. Es ist auch zu bedenken, dass Massnahmen nicht immer demokratisch zu gewollten Zielen führen können. Die Arbeitsplätze schweizweit in der Autobranche, welche mit 34000 beziffert werden, welche bedroht sind, sind schon länger bedroht. Auch andere Branchen, wie Banken und Versicherungen, Detailhandel etc. sind durch die Digitalisierung und anderes im Clinch und es drohen, dass viele Arbeitsplätze verschwinden werden. Dies weiss man jedoch schon lange. Einzig in der Baubranche und Zulieferer versprechen sich noch Gewinne. Doch auch hier herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Die höchsten Kosten für BürgerInnen sind mittlerweile die Gesundheitskosten. Die Wohnungskosten sollen auch stetig wieder steigen. Einzig und alleine, damit Dividenden ausgeschüttet werden können. Der Mamon als Tempel des Glaubens und Glückseligkeit bleibt schier unerschütterlich, hat aber ausgedient und wir sind alle Opfer, auch die Herren Regierungsräte.

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