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«Zur Werkstatt» Luzern: Schlemmen an der Werkbank
  • Schweizerisch
  • Modern
Restaurant zur Werkstatt in Luzern. (Bild: zvg)

Restaurant «Zur Werkstatt» Luzern: Schlemmen an der Werkbank

5 min Lesezeit 29.10.2020, 13:36 Uhr
Bewertung:
★★★★★
Preiskategorie:
•••

Seit zwei Jahren wird in der Luzerner Neustadt in dieser Genuss-Werkstatt gewerkelt. Als Gast wird man in den Entstehungsprozess der Speisen eingebunden. Wie stark, hängt ganz davon ab, zu welcher Tageszeit der Gast erscheint: Über Mittag tischt man selbst und holt sich auch das Essen am Küchenpass ab, das dort portionsweise angerichtet wird. Am Abend richtet man sich nur den Salat mit der hauseigenen Werkzeugkiste an und wird sonst bedient.

Bucht man dagegen etwa den Polterabendanlass «Braut-Schau», darf man als Braut angeleitet den Apéro selber mixen. Für Männer dagegen, die ja bekanntlich ausschliesslich Fleisch essen, gibt es einen Wurst-Anlass. Allein dafür muss man die Werkstatt schätzen: Man kann hier nicht nur Nahrung aufnehmen, sondern Essen erfahren.

Wir haben uns für das Znacht entschieden. An einem Freitagabend ist die Werkstatt voll, ohne Reservation läuft nichts, wodurch ein gewisser Zeitdruck entsteht. Zuvor hat man uns jedoch versichert, wir würden innerhalb von 105 Minuten gemütlich essen können.

Beim Apéro wurde das noch einmal bestätigt und uns das Konzept erklärt: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. À la Carte gibt’s nicht. 58 Franken kostet das Dreigängemenu bestehend aus Appetitmacher, Werkstatt-Salat und Hauptgang. Für jeweils 12 Franken kann zusätzlich eine zweite Vorspeise, ein Käseteller oder ein Dessert dazubestellt werden. Man kann wählen, ob der Hauptgang fleischlich oder vegetarisch ist und ob man Zusatzgänge will.

Überraschungseffekt nutzt sich ab

Aber von vorne: Anders, als am Mittag, ist der Tisch bereits gedeckt. Als Appetitmacher werden Salami, Käse und Cashewkerne in der Werkstatt-Kiste gebracht. Die Überraschung, dass man Essen aus der Kiste holen muss, funktioniert bei uns nicht, weil wir schon einige Male mittags da waren. Also achten wir darauf, was in der Kiste zu finden ist und wie es angerichtet wird. Und das ist vor allem trostlos. Jeder Zimmermann würde einen solchen Snack in seiner Werkstatt schöner anrichten.

Appetizer in der Werkzeugkiste. Bild: Simi

Das Konzept hat eine Lücke: Hier könnte man den Gast die Wurst selber schneiden lassen, das wäre mehr «Werkstatt». Doch dann kommt der Salat. Er wird selber mit dem Kürbiskerndressing angerichtet. Konsequent ist das Schlüsselwort beim Salat. Konsequent frisch und konsequent gleichbleibend. Egal wann man kommt, es ist immer der gleiche Salat und immer das gleiche Dressing.

Doch halt! Hier ist eine Variation: Heute hat es noch gesondert Mozzarellakügelchen, Avocadostücke, Sonnenblumenkerne und Randenspäne. Wer zum ersten Mal in der Werkstatt ist, wird sich am Salat kaum stören, daher halten wir fest, dass es einer der frischesten Salate Luzerns ist.

Frische Tomatensuppe: Hipster-Faktor inklusive

Wir wählen auch den Zwischengang und so wird unser Salat von einer Tomatensuppe gefolgt. Wenn ein hipper Laden ein klassisches Gericht bietet, ist das mit einem gewissen Risiko verbunden. Denn das klassische Gericht ist der natürliche Feind des hippen Auftritts und darf diesen nicht durch Langeweile gefährden. Hier lässt die Werkstatt nichts anbrennen. Die Qualität spricht für sich: Es ist eine echte Tomatensuppe mit Belper Knolle, gut gewürzt dazu. Aber die Suppe darf nicht für sich sprechen.

Tomatensuppe mit Hipsterfaktor. Bild: Simi

Sie wird mit einem Crevetten-Rohschinken-Spiess verhipstert. Die cremige Suppe mit ihrer dezidierten Säuerlichkeit harmonierte hervorragend mit den perfekt gegarten Crevetten. Aber den Schinken verstehen wir nicht; die salzige Komponente lieferte bereits die Suppe. Auf diesen hätte man somit getrost verzichten können. Schliesslich verwundert die Portionsgrösse etwas: Sie scheint uns klein, selbst für einen Zwischengang. Stilecht serviert im Blechbecher fügt sich die Präsentation jedoch ins Ambiente.

Entrecôte wie zu Hause

Beim Hauptgang stimmt nicht nur die Aufmachung: In einer geschmiedeten Pfanne sah das medium-gebratene (nein, wir wurden nicht gefragt) Rindsentrecôte besonders appetitlich aus. Es schmeckte uns, wie auch die Beilage aus Rosmarinkartoffeln und mediterranem Gemüse. Aber wir gerieten natürlich nicht in Verzückung. Wie auch, bei einer Tiptopf-Kombination? Eine ehrenwerte Erwähnung muss aber der Chorizo-Hollandaise gelten. Würzig und raffiniert. Insgesamt ein feiner Gang, den wir mit dem angebotenen Supplement gewürdigt haben.

Der Hauptgang wusste uns zu überzeugen. Bild: Simi

Als positive Erfahrung verbuchen wir die vorgeschlagene Weinbegleitung: Eine typische Bolgheri-Cuvée aus Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot – elegant und erwärmend zugleich. Nur schade, dass im Restaurant mehr Wert auf die Ästhetik der Kristallschliffgläser als auf die Nützlichkeit guter Rotweingläser gelegt wird.

Bitterer Schoggi-Schluss

Triaden aus einer Zutat, die variiert kombiniert werden, findet man eher in den gehobensten Küchen. In der Werkstatt ist das Schoggi-Dreierlei zum Dessert schlicht erschlagend. Probieren Sie es aus: Kombinieren Sie ein mastiger Schokoladenbrownie mit Schokoladenglacé und einem nicht sehr luftigen weissen Schokoladenmousse!

Die Schoggi-Triade war uns etwas zu viel. Bild: Simi

Da nützen auch Blaubeergelée und Mandelgebäck nichts zur Auflockerung. Dabei war die grösste Enttäuschung, dass wir für das Dessert an die Fensterbank gesetzt wurden, da unsere Eindreiviertelstunde abgelaufen war und die nächsten Gäste erwartet wurden. Man hätte uns von Anfang an speditiver bedienen müssen. Eine kleine Geste der Entschuldigung für die Zügelei gab es auch nicht. Der Gast ist wohl nur König, solange er durch das Menü hindurch galoppiert.

Preis und Leistung

Mit dem 3-Gänge Menu wird man satt und der Hauptgang lässt wenig zu wünschen übrig. Aber der Appetitmacher und die Vorspeise waren enttäuschend. Für die zusätzlichen Gänge und die Getränke (7 Franken für 0.75 Liter Luzerner Wasser mit Kohlensäure!) zahlt man nicht gerade wenig. Insgesamt eher hochpreisig, dafür, dass Essen wie zu Hause vermarktet wird.

*** von *****

Was gut ist, hat seinen Preis. Bild: Simi

Ambiente

Das moderne und trendige Ambiente ist einzigartig in Luzern. Von der ersten Minute an spürt man, dass dieses Lokal etwas Besonderes ist. Leider fanden an diesem Abend gleich zwei Gruppenanlässe statt, was sich negativ auf die Atmosphäre und auf die Gelassenheit des Personals ausgewirkt hat. Mit mehreren Besuchen nutzen sich die Überraschungseffekte (beispielsweise die Werkzeugkiste) ab.

**** von *****

Online-Auftritt

Die Webseite ist schlicht und übersichtlich sowie passend zum Ambiente des Lokals. Man kann sich über die Philosophie des Lokals und die verschiedenen Angebote informieren. Wünschenswert wäre, dass die Mittagskarte an prominenterer Stelle platziert wäre, um unnötiges Suchen zu vermeiden. Gästen ist es leider auch nicht möglich sich vorab über das Getränkeangebot und deren Preis zu informieren. Von einem vegetarischen Angebot ist nirgends die Rede.

*** von *****

Autor: Michal Niezborala, 30. September 2018

Öffnungszeiten:
Zmittag: Montag bis Freitag, 11.30 bis 13.30 Uhr
Znacht: Montag bis Samstag, 17.00 bis 00.30 Uhr
Brunch: Samstag, 10.00 bis 14 Uhr
Sonntag: geschlossen

Restaurant Zur Werkstatt
Waldstätterstrasse 18
6003 Luzern

Kontakt «Zur Werkstatt» Luzern: Schlemmen an der Werkbank

Adresse:

Restaurant Zur Werkstatt Waldstätterstrasse 18 6003 Luzern

Webseite:

https://www.zurwerkstatt.ch/

Telefon:

Öffnungszeiten:

Zmittag: Montag bis Freitag, 11.30 bis 13.30 Uhr
Znacht: Montag bis Samstag, 17.00 bis 00.30 Uhr
Brunch: Samstag, 10.00 bis 14 Uhr
Sonntag: geschlossen

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