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Einst war hier für kurze Zeit eine Spaghetti Factory, heute ist es wieder ein klassisches italienisches Ristorante: das altehrwürdige Barbatti in der Luzerner Altstadt.
  • Italienisch
  • Traditionell
Einst war hier für kurze Zeit eine Spaghetti Factory, heute ist es wieder ein klassisches italienisches Ristorante: das altehrwürdige Barbatti in der Luzerner Altstadt. (Bild: hch)

Restaurant Barbatti Luzern: Mamma mia, eine Diva!

6 min Lesezeit 29.10.2021, 11:44 Uhr
Bewertung:
★★★★★
Preiskategorie:
•••

Das Barbatti gilt in Luzern als Institution – das ehrwürdige Interieur sucht Seinesgleichen und die Küche kann was. Und doch scheint das Lokal launisch wie eine italienische Diva. Das haben wir bei unserem zweiten Besuch erfahren.

Wir haben den Grundsatz, dass wir unsere Testessen jeweils an einem Tag durchführen und die Leistung dieses Erlebnisses bewerten. Die Tagesform der Küche mag zwar schwanken. Doch auch der Gast wird eher kein zweites Mal erscheinen, wenn ihn das Lokal beim ersten Besuch nicht überzeugt – und gerne wiederkommen, sollte seine Premiere im Lokal überzeugend ausfallen.

Nach einem restlos überzeugenden Lunch in der Vor-Corona-Zeit freute ich mich nun auf ein herbstliches Mittagessen – und vor allem auf ein paar Trüffeln. So kamen wir voller Vorfreude zum zweiten Besuch bei Barbatti vorbei. Eine Reservation empfiehlt sich nicht erst, seitdem der Zürcher Gastrounternehmer Rudi Bindella das Luzerner Traditionslokal von Tommaso Vaglio übernommen hat.

Trüffel hoch im Kurs

Auf der Karte sind drei Tagesmenüs aufgeführt, wahlweise mit Suppe oder Salat. Während sich meine Begleitung für eine Perlhuhnbrust an Trüffelsauce mit Zucchetti und Bratkartoffeln entscheidet, locken mich die Trüffeln beim Intermezzo: Kalbsschnitzel mit Tagliatelle, mit 56 Franken das teuerste Gericht auf der Karte. Und damit der Nachmittag nicht ganz ohne Vitamine in Angriff genommen werden muss, gibt es dazu einen grünen Salat.

Die Edelpilze, so viel sei vorweggenommen, waren profane Sommertrüffeln. So viel liess sich  dem Chefkellner immerhin entlocken, Tartufo estivo. Weisse gäbe es erst ab November, wie er auf meine Nachfrage ergänzte und damit absolut recht hatte. Nun waren die camerieri im «Barbatti» schon seit jeher mehr als nur Bedienstete. Dazu gehört es auch heute noch, dass der Chef im schwarzen Anzug die Bestellung aufnimmt und berät, während der jüngere Kollege in Weiss serviert und zelebriert. Oder bei jedem Vorbeigehen die Getränke nachschenkt. Wer seinen Tisch unmittelbar auf dem Weg zur Küche zugewiesen erhielt, geniesst den aufmerksamen Schankdienst fast schon im Zweiminutentakt.

Originell servierter Salat

Mein Salat fiel recht grosszügig aus, originell war die Darreichung: Die ungeschnittenen Blätter werden so geschichtet, dass die Form an ein halbes Salatherz erinnert, die Balsamicosauce zieht ein Netz brauner Spuren. Nun hatte ich zwar keine nette Klammer zur Befestigung der Serviette auf Brusthöhe mit dabei, wie ich dies kürzlich an einem Nebentisch beobachten durfte.

Doch auch so gelang der Messereinsatz ganz ohne Spuren zu hinterlassen. Beim Menüsalat meiner Begleitung, Tomaten mit Gurken, war dies natürlich ungleich einfacher. Nach Präferenz der Salatsauce wurde übrigens nicht gefragt, es gibt bei Barbatti nur die eine (italienisch). Gut so, denn die schmeckte fabelhaft. Ebenso wie die Grissini, die zum Brot gereicht werden, zusammen mit etwas Olivenöl.

Hauptgang: viel Licht und mehr Schatten

Und der Hauptgang? Meine Begleitung erinnerte sich auch Tage darauf noch gerne an die Perlhuhnbrust. Sie war nicht nur sehr schön angerichtet, sondern auch schön saftig. Die Trüffelsauce habe dem Fleisch eine herbstliche Note verliehen und den Geschmack gut hervorgehoben. Die Kartoffeln als Beilage waren schön kross gebraten, die Zuchetti waren allerdings nicht viel mehr als Beigemüse – und damit wenig originell.

Meine drei nicht sehr zarten Schnitzel waren etwas viel des Guten, ebenso die Trüffeln. Klar zu viel war aber die Sauce. Was bei einem feinen Braten durchaus willkommen ist, macht für mich bei delikaten Zutaten wie Kalbsschnitzeln und beim intensivsten aller Pilze wenig Sinn. Deren Aromen wurden durch die Menge der schwer definierbaren Sauce in den Hintergrund gedrängt. Wie Alexander Maycock von der Bindella-Gruppe sagt, könne es sein, dass diese zu wenig einreduziert wurde. «Grundsätzlich hat dieses Gericht aber relativ viel Sauce, weil die Gäste das so mögen», so der Geschäftsleitungsvorsitzende auf Anfrage. 

Ein «Seeli» aus Fett erwartete mich auch bei den eigentlich delikaten, hausgemachten Tagliatelli. Da wäre weniger definitiv mehr gewesen. Der Geschmack des Hauptgangs sollte mich noch bis zum späten Abend begleiten – allenfalls hätte ein Griff zum reichen Grappa-Angebot des Lokals geholfen. Nach der gelungenen Premiere konnte das Team um Küchenchef Alessandro Bernotti die Erwartungen leider nicht mehr erfüllen. Aber aller guten Dinge sind bekanntlich drei.

Autor: Christian Hug, Oktober 2021

Preis/Leistung
Eine gute Leistung darf und soll nicht günstig sein. Bei 56 Franken für Schnitzel mit ein paar Gramm Sommertrüffeln zum Zmittag darf denn auch Topqualität bei Zutaten und Zubereitung erwartet werden. Die weiteren Mittagsangebote sind im Rahmen, das Menü meiner Begleitung kostete 27 Franken, mein grüner Salat 11 Franken. Das Angebot an italienischen Weinen entspricht dem hohen Bindella-Standard.
*** von *****

Service
Wir wurden standesgemäss auf Italienisch begrüsst, haben aber bewusst auf Deutsch geantwortet. Ob uns sonst der Katzentisch zwischen Küche und Treppe zu den Toiletten erspart geblieben wäre, wissen wir nicht. Ein paar Brocken Italienisch helfen aber sicherlich, um sich bei der Bedienung beliebt zu machen – so echt wird die italianità tatsächlich selten gelebt.
Meine Frage nach vorrätigen Trüffelarten wurde eher spärlich beantwortet. Eine richtige Wohlfühlatmosphäre kam im vollen Lokal nie auf, auch zum Abschied liess sich niemand blicken. Speisen und Getränke wurden speditiv serviert.
** von *****

Ambiente
Das Ambiente sucht Seinesgleichen. Im Zentrum des offenen Saals thront ein Buffet, Stahlträger stützen die Kassettendecke mit Jugendstilkronleuchtern. Die Geschichte des traditionellen Lokals wurde respektiert und mit Werken des 2014 verstorbenen Megger Bildhauers und Zeichners Rolf Brem in Szene gesetzt. Tische und Stühle sind unterschiedlich und sehr stilvoll gedeckt. Durch den Parkettboden kann es manchmal etwas laut werden. Sehr schöne Terrasse, die sich fast schon in einen Wintergarten verwandeln lässt, im Aussenbereich besteht ausserdem eine Bar.
***** von *****

Corona-Umsetzung
Das Zertifikat wird beim Eingang geprüft, es wird auf die Ausweispflicht aufmerksam gemacht. Für Zertifikatslose wird draussen auf der Terrasse serviert, es stehen Decken zur Verfügung.
***** von *****

Onlineauftritt
Das «Barbatti» ist in den Onlineauftritt von Bindella eingebunden. Es sind Inspirationen und die wichtigsten Informationen vorhanden, ausserdem ein Lageplan. Speise- und Weinkarte sind vorhanden, nicht aber das Mittagsangebot. Die Onlinereservation funktioniert gut, noch buchbare Zeitfenster sind Tage voraus einsehbar.
*** von *****

Öffnungszeiten:
Aufgrund von Corona und geringerer Nachfrage wurden die Öffnungszeiten abends reduziert.
Montag bis Freitag: 11.30-14.30 Uhr und 18.00-22.30 Uhr
Samstag: 11.30-23.00 Uhr
Sonntag geschlossen, ab 14.11. von 12.00-22.00 Uhr geöffnet

Adresse:
Ristorante Barbatti
Töpferstrasse 10
6004 Luzern
Tel. 041 410 13 41

Die Rechnung unseres Lunchs im Barbatti Luzern.
Die Rechnung unseres Lunchs im Barbatti Luzern.

Kontakt Barbatti Luzern: Mamma mia, eine Diva!

Adresse:

Ristorante Barbatti Töpferstrasse 10 6004 Luzern

Webseite:

https://www.bindella.ch/gastronomie/barbatti

Telefon:

041 410 13 41

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag: 11.30-14.30 Uhr und 18.00-22.30 Uhr
Samstag: 11.30-23.00 Uhr
Sonntag geschlossen, ab 14.11. von 12.00-22.00 Uhr geöffnet

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