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Restaurant «Jam Jam» schliesst nach über sieben Jahren
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Kennen- und lieben gelernt haben sich Corinne Schär und Mario Kastner im «Jam Jam». Im Bild sind sie mit Sohn Livio und Tochter Malea. (Bild: zvg)

Indisches Lokal ersetzt mediterranen Luzerner Restaurant «Jam Jam» schliesst nach über sieben Jahren

5 min Lesezeit 12.04.2019, 17:42 Uhr

Das mediterrane Restaurant «Jam Jam» schliesst nach bald acht Jahren die Pforten, obwohl der Betrieb gut läuft. Doch das Wirtepaar ist müde und möchte sich eine Auszeit gönnen. Die Nachfolge ist bereits geklärt – und es wird alles anders.

«In diesem Haus ist unglaublich viel passiert», sagt Mario Kastner. Als der heute 38-Jährige das Lokal am Luzerner Hirschengraben 45/47 Ende 2011 eröffnete, ahnte er wohl kaum, wie viel. Kaum hatte er seine erste Mitarbeiterin Corinne Schär eingestellt, funkte es zwischen den beiden. Sie verliebten sich ineinander, wurden ein Paar. Gemeinsam als Geschäftspaar führten sie das «Jam Jam», es mauserte sich zu einem beliebten Restaurant in Luzern.

Bald kam Sohn Livio zur Welt, vor zwei Jahren folgte Tochter Malea. Corinne Schär und Mario Kastner führten das Restaurant gemeinsam von Beginn – bis zum Ende. Ende April schliessen die beiden das Restaurant. Für einmal will sich die Familie eine Auszeit gönnen.

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Ins Blaue fahren

Das Wohnmobil steht bereit, die Familie möchte quer durch Europa reisen – insbesondere den Norden und den Süden erkunden. In welchem Land sie wie lange bleiben, wissen sie nicht. «In den letzten Jahren haben wir als Unternehmer und Selbstständige so viel planen und improvisieren müssen», sagt Kastner. Nicht selten sei das Paar abends müde ins Bett gefallen, die Gedanken hätten noch weiter um das Restaurant gekreist. Auch an den wenigen freien Tagen haben sie damit rechnen müssen, dass im «Jam Jam» mal «Not am Mann» war und sie einspringen mussten.

«Wir sind beides Arbeitstiere, arbeiten zumeist sechs Tage die Woche», sagt Kastner. Von einer 40-Stunden-Woche, wie sie andere kennen, war beim Paar nie die Rede. Ferien hatten sie nur selten. Das spüren die beiden mittlerweile. «Nun füllen wir den Wagen, wollen drauflosfahren und uns vom Leben inspirieren lassen.» Einfach mal aufstehen und nichts tun müssen – auch wenn es den beiden wohl schwerfallen wird.

Kinder in Betrieb miteinbezogen

Die Schwangerschaft von Corinne Schär stellte das Paar vor eine neue Herausforderung. Die heute 31-Jährige arbeitete so lange es ging. Als sie ausfiel, lastete die Arbeit auf den anderen. Das «Jam Jam» beschäftigt neben dem Paar drei Festangestellte und fünf Aushilfen. Nicht gerade viel, wenn das Restaurant voll war oder über den Mittag alle Hungrigen zur selben Zeit ins Restaurant strömten. Während Schär sich um die Gäste kümmerte, das Persönliche ins Lokal brachte, wie ihr Partner sagt, zog Kastner mehr im Hintergrund die Fäden, sorgte sich um Buchhaltung und Marketing.

«Die Lage des Lokals war schon ein wenig mutig – aber sie hat sich bewährt.»

Mario Kastner, Wirt des Restaurants «Jam Jam»

Als Schär wieder arbeiten konnte, brachten sie die Kinder zum Teil ins Restaurant mit, versuchten, sie in den Arbeitsalltag zu integrieren. Manchmal durfte der vierjährige Sohn sogar beim Aufnehmen von Bestellungen helfen. Während die Kinder im Büro ihren Mittagsschlaf hielten, reichte das Paar bis zu 100 Menüs über die Theke. Einen eigenen Gastrobetrieb und die Familie unter einen Hut zu bringen, kein leichtes Unterfangen: «Zwischenzeitlich kamen wir an unsere Grenzen», so Kastner. «Es ist mit ein Grund, das Lokal abzugeben, weil es bestimmt andere Lokale gibt, die für Gastgeberfamilien besser geeignet wären.»

Das Restaurant lief gut, auch wenn das «Jam Jam» nur auf wenig Laufkundschaft setzen konnte. «Die Lage des Lokals war schon ein wenig mutig», sagt Kastner. «Aber sie hat sich bewährt.» Denn der gebürtige Österreicher ist überzeugt: «Ein Gast sucht selbst das hinterste Bergrestaurant auf, wenn die Qualität des Essens stimmt und sich das Personal persönlich um die Gäste kümmert.»

Essen und Mordfälle lösen

Um noch mehr Leute ins Restaurant zu locken, bot das Paar verschiedene Events an. «Wir merkten bald: Essen und Abenteuer in einem funktioniert gut», so Kastner. Beispielsweise gibt es den «Tatort Jam Jam», in dem jeder Gast in eine Rolle schlüpft. Während eines Dreigängers wird getüftelt, wer am Tisch in einen Mordfall verwickelt ist und wer von ihnen der Mörder ist.

Aber auch ein Gin-Tasting oder einen Kurs zum Cocktails mixen boten die beiden an. «Durch diese Events konnten wir unsere Kreativität ausleben», so Kastner. Und er konnte in seinen Erinnerungen schwelgen, führte er doch während sieben Jahren die «Shine Bar» an der Luzerner Sempacherstrasse.

«Als ich die Bar übernommen habe, gab es in der Schweiz etwa sechs Gin-Sorten: Bombay Saphire und Hendricks», so Kastner. Kastner baute darauf auf, das «Shine» war schweizweit eine der ersten Bars mit dem breitesten Gin-Sortiment. Bald führte Kastner bis zu 80 Sorten in seiner Karte auf. «Die Menschen fuhren mit dem Auto von Zürich zu mir, um ein Glas Gin zu trinken.»

Paar bleibt in der Gastrobranche

Doch nach sieben Jahren wollte Kastner etwas Eigenes aufziehen – und tat dies mit seiner Partnerin. «Das Jam Jam lief gut, wir verlassen das Haus alle zufrieden.» Vielleicht sei es Langeweile oder der Drang, die Kreativität und Energie des Paares in etwas Neues stecken zu wollen. Im Ausland wollen sie nun an neue Inspirationen gelangen. Der Gastronomie werden sie wohl treu bleiben. Kastner selbst kommt aus einer Gastrofamilie, lernte zwischen den Barhockern das Laufen und Schär macht der Kontakt mit den Gästen unheimlich viel Spass.

Künftig riecht es nach indischer Küche

Wie lange die beiden von Luzern fernbleiben, wissen sie nicht. Ihre Wohnung, die an der Reuss liegt, werden sie auf jeden Fall behalten. Auch die Nachfolge wurde bereits geklärt. Künftig wird ein indischer Unternehmer das Lokal am Hirschengraben beleben. Es ist schon das zweite indische Lokal an dieser Strasse. Schweizweit möchte dieser eine Restaurantkette aufziehen. «Scheinbar verlassen viele indische Touristen die Schweiz mit Bauchschmerzen, weil sie unser Schweizer Essen nicht so gut vertragen», weiss Kastner, «der neue Unternehmer sieht darin viel Potenzial.»

«Das Feedback unserer Gäste ist unglaublich schön und bestätigt uns, dass es sich gelohnt hat.»

Corinne Schär, Wirtin des Restaurants «Jam Jam»

Doch für das Paar steht die Familie nun an erster Stelle. «Die Kinder werden schnell gross. Als Eltern liegt es uns am Herzen, ihnen für uns wichtige Werte mit auf den Weg zu geben», sagt Kastner. Dass es zum Beispiel wichtig sei, zu allen freundlich zu sein. Denn als Gastronomen sind sie nahe bei den Menschen – was den beiden auch fehlen wird: «Wir werden die Gespräche und den Kontakt mit unseren treuen Stammkunden sicher vermissen», sagt Schär. «Das Feedback unserer Gäste ist unglaublich schön und bestätigt uns, dass es sich gelohnt hat.»

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