Rendezvous mit einer Laus – auf den Spuren der roten Insekten
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Eröffnung der Ausstellung durch Jérémie Sarbach (links), Flurina Badel (mitte) und Michael Sutter (rechts). (Bild: jeh)

«Planty of Love»-Ausstellung in der Kunsthalle Luzern Rendezvous mit einer Laus – auf den Spuren der roten Insekten

3 min Lesezeit 15.08.2020, 11:00 Uhr

Das Künstlerduo Flurina Badel und Jérémie Sarbach zeigt in der Kunsthalle Luzern seine aktuelle Arbeit. Darin dreht sich alles um die Cochenille-Laus.

Am Donnerstagabend luden Flurina Badel und Jérémie Sarbach zur Vernissage ihrer aktuellen Ausstellung «Planty of Love» in die Kunsthalle Luzern ein. Hauptfigur der Ausstellung ist ein kleines Tierchen, es geht um die Cochenille-Schildlaus. Eine rote Laus, aus der bis heute der Farbstoff Karmin gewonnen wird. Die Arbeit gibt einen tragikomischen Einblick in das Leben des winzigen Insekts.

Zerquetscht, getrocknet und pulverisiert

Für die Ausstellung in der Kunsthalle schufen Badel/Sarbach eine raumspezifische Plantage, die den bevorzugten Lebensraum der Cochenille-Schildlaus stilisiert zeigt. Die Laus mag die Pflanze «Opuntia» besonders gerne und so wurde das Kakteengewächs zu anziehenden skulpturalen Objekten modelliert.

An ihren Blättern befinden sich rote Lollipops, die von den Besucherinnen geerntet und geleckt werden dürfen. Die feine Süssigkeit enthält das Pigment, das aus der roten Laus gewonnen wird. Nach dem Genuss des Lollipops färbt sich die Zunge rot. Um den Farbstoff zu erhalten, wird die Cochenille-Schildlaus getrocknet und zerrieben.

Von Sensibilität und Aneignung

Direkt hinter der Opuntien-Plantage spricht eine übergrosse Laus auf einem Bildschirm zu uns. Das ausgesprochen toll animierte Insekt nimmt Kontakt zum Publikum auf und erlangt sofort einen unverkennbaren Charakter. Die Laus äussert sich zu ihrem Gemütszustand und macht auf die zentralen Themen der Ausstellung aufmerksam. Durch die Animation und die Gespräche erhält das rote Tierchen eine starke eigene Identität.

Die Installation «Cotschen Plants» besteht aus modellierten Opuntien und roten Lollipops. (Bild: jeh)

Die gebürtige Bündnerin Badel und der Walliser Sarbach finden einen humorvollen und trotzdem sehr bedeutsamen Umgang mit dem Thema der Naturaneignung. Die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt steht dabei im Vordergrund und lässt einen über Begriffe wie Empathie und Respekt reflektieren.

Fit für die Umwelt

Im dritten Teil der Ausstellung zeigt sich das kleine Insekt sportlich. Auf verschiedenen Wackelbildern führt die Laus Bewegungsübungen aus und macht sich fit für die eigene Umwelt. Dieses Durchhaltevermögen braucht das karminrote Lebewesen auch, um sich vor Fressfeinden zu schützen, denn eigentlich sollte die knallige Farbe es vor solchen bewahren. Ironischerweise werden sie aber aufgrund genau dieser Pigmentierung von den Menschen zermahlen.

Nur wenn man im richtigen Winkel zu den Wackelbildern steht, werden die komplexen Bewegungsabläufe der Laus sichtbar. Ähnlich wie diese Bildserie eröffnet das Duo Badel/Sarbach mit seiner Arbeit einen ganz neuen Blickwinkel auf das Verhältnis zwischen Natur und Kultur, mit dem es sich definitiv zu beschäftigen lohnt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. September 2020 in der Kunsthalle Luzern zu sehen.

Weitere Events in der Kunsthalle Luzern:

  • Speed-Date mit Badel, Sarbach oder Sutter Start: 29. August 2020 um 13.30 Uhr, 15.30 Uhr und 17.30 Uhr
  • Finissage und Talk mit Badel/Sarbach und den Animatorinnen Laura M. Weber und Rosemarie E. Benson Start: 19. September 2020 um 17.00 Uhr

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