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Reichen die Tentakel der AfD bis nach Zug?
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An der Seestrasse in Cham befindet sich eine Firma, über welche die deutsche AfD unterstützt worden sei. (Bild: wia)

Chamer Firma wehrt sich gegen Vorwürfe Reichen die Tentakel der AfD bis nach Zug?

3 min Lesezeit 2 Kommentare 27.11.2018, 17:09 Uhr

Nun erreicht der Skandal um die Finanzierung der deutschen Rechtspartei AfD auch den Kanton Zug. Medienberichten zufolge soll eine Zuger Firma ihre Finger im Spiel gehabt haben. Während die Jungen Alternativen Kritik ausüben, dementiert der Geschäftsführer des Unternehmens, mit der AfD Geschäftsbeziehungen gehabt zu haben.

Der Skandal über die mögliche illegale Parteifinanzierung der deutschen Rechtspartei AfD erreicht nun auch den Kanton Zug. Laut Recherchen der «Wochenzeitung» (Woz) und des deutschen «Spiegel» sei die Partei mutmasslich von einem der reichsten Deutschen, August von Finck junior, mitunterstützt worden.

2014 und 2015 habe die AfD einen Goldshop im Internet betrieben, mit welchem sie eigenen Angaben zufolge jährlich zwei Millionen Euro umgesetzt habe, schreibt die «Woz». Im Zuge der Aufhebung einer gesetzlichen Grauzone im deutschen Gesetz sei der Shop wenig später eingestellt worden.

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Doch was hat das mit Zug zu tun? Nun, laut «Woz» war einer der Hauptlieferanten des Goldes die Firma Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG, welche ihren Sitz in Cham hat. – Sowohl dem «Spiegel» als auch «Woz» sollen entsprechende Lieferlisten vorliegen. Die Zuger Firma gehört laut Medienbericht zu Fincks Imperium.

Die Spuren der AfD führen bis nach Cham

Gemäss Handelsregister liegt der Firmensitz an der Seestrasse 1 in der Gemeinde Cham. Ihr Zweck: «Erwerb, Veredelung und Veräusserung sowie generell Handel mit Edelmetallen, insbesondere Gold.» Als Verwaltungsratspräsident wird Peter Kalantzis genannt. Geschäftsführer ist Andreas Hablützel.

Die Zuger Jungen Alternativen sind empört über die vermeintliche Zuger Verbindung mit deutschen Rechtsaussen-Parteien. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es nicht das erste Mal sei, dass so etwas passiere. So habe die Sozialistisch-Grüne Alternative 1988 enthüllt, «dass eine Schlüsselperson im Hanauer Atommüll-Skandal der in Zug tätige und gut vernetzte Alt-Nazi Alfred Hempel war». In der Geschichte damals seien mindestens drei Zuger Firmen verwickelt gewesen, ausserdem ein Frankfurter Chemie-Konzern namens Degussa.

Der Zusammenhang zwischen der von den Alternativen genannten früheren Firma und der gleichnamigen Goldhandel AG ist zwar nicht gegeben, hat sich von Finck doch die Namensrechte an Degussa erst 2010 gesichert. Trotzdem. Der Name Degussa wird stark mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten in Verbindung gebracht (siehe Box unten).

Keine Briefkastenfirma – hier werde gearbeitet

Die Jungen Alternativen ärgern sich in ihrem Schreiben darüber, dass Zug «als Hort von Steuerflüchtlingen einen hohen moralischen Preis» bezahle. Gerade für Firmen wie die Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG sei die Tiefsteuerpolitik besonders attraktiv.

Beim Lesen der Stellungnahme der Jungen Alternativen gewinnt man den den Eindruck, dass es sich bei der Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG um eine Briefkastenfirma handelt. Hablützel jedoch beteuert, dass ein Teil des Buchhaltungsteams von Cham aus arbeite.

Tatsächlich befinden sich an der Seestrasse 1 in Cham Büros. Sowohl von der Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG, als auch von der Clair AG, einer Immobiliengesellschaft, die ebenfalls zum August von Finck-Imperium zählt.

Der CEO wehrt sich gegen die Vorwürfe

Laut Handelsregister Mitglied des Verwaltungsrates: Ernst Knut Stahl, August von Fincks Vertrauter und Bevollmächtigter. Laut den aktuellen «Spiegel»-Recherchen habe Stahl bei der Parteiunterstützung der AfD als Mittelmann agiert. Was dieser jedoch nicht kommentiere.

Auf Anfrage von zentralplus bestätigt Andreas Hablützel, der Geschäftsführer der Firma Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG, dass die Firma zu 100 Prozent im Besitz der Familie Finck stehe. Doch wehrt sich Hablützel vehement gegen den Vorwuf, dass man mit der AfD Geschäftsbeziehungen gehabt habe. Nie habe man der Partei Gold geliefert. «Die Berichterstattung der Woz ist falsch», so der Geschäftsführer.

Der Name Degussa – kein unbeschriebenes Blatt

Die Evonik Degussa GmbH, früher Degussa AG, ist der drittgrösste deutsche Chemiekonzern. Der Firmenname Degussa war ursprünglich ein Akronym für «Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt» und ist negativ behaftet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Deutsche Gold- und Silberschneideanstalt» stark in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verwickelt. Laut Angaben des «Spiegel» habe die AG gleichen Namens mit eingeschmolzenem Zahngold von Holocaustopfern gehandelt und Gas in die Vernichtungslager geliefert.  2010 habe sich der Finck-Konzern unter August von Finck junior nun ausgerechnet den Markennamen Degussa im Bereich Edelmetallhandel. Im Oktober desselben Jahres wurde die Degussa Sonne/Mond Goldhandel AG gegründet.

August von Finck senior, der 1980 starb, galt zudem als Bewunderer Hitlers und war ein finanzieller Unterstützer der Nazis.

 

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2 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 28.11.2018, 22:47 Uhr

    Sie schreiben: Der Firmenname Degussa war ursprünglich ein Akronym für «Deutsche Gold- und Silber-Schneide-Anstalt» Diese Edelmetalle werden aber nicht geschnitten, sondern “geschieden”, d. h. von anderen Beimengungen getrennt, abgeschieden. S. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Affinerie

    1. Redaktion Valeria Wieser, 29.11.2018, 15:26 Uhr

      Sehr geehrter Herr Dinter

      Besten Dank für Ihre Rückmeldung und den weiterführenden Link. Tatsächlich ist mir da ein Schreibfehler unterlaufen. Ich behebe ihn sogleich.

      Beste Grüsse
      Valeria Wieser