Skurrile Aktion erregt Aufmerksamkeit

Zuger Künstler «rettet» Herti-Dromedar

Die Aktion sorgte für Aufheiterung und Gesprächsstoff: Severin Hofer mit dem Dromedar auf dem Heimweg. (Bild: zvg) (Bild: zvg)

«Man muss nur mit einem Dromedar durch die Stadt spazieren und die Leute freuen sich», sagt der Zuger Künstler Severin Hofer. Er hat mit einer witzigen Aktion am Wochenende für Aufsehen gesorgt.

Angefangen hat alles im Schaufenster des Franz-Carl-Weber-Outlets im Zuger Hertizentrum. Dort, wo die weniger populären Spielzeuge hinkommen, steht seit über einem Jahr ein lebensgrosses Dromedar. Wie oft war Severin Hofer schon daran vorbeigegangen? Niemand schien das Tier zu wollen. Der Zuger vom Künstlerduo Hoffnung&Kiwi dachte sich immer wieder: Irgendwann werde ich es befreien.

Dieses Wochenende war es so weit. Aus einem spontanen Einfall ist ein erfolgreiches Crowdfunding entstanden. Aus einer absurden Idee eine Aktion, die viel über unsere Zeit aussagt.

Eine Insta-Story macht sich selbstständig

Doch von vorne. Als Severin Hofer diesen Freitag beim Mittagessen vom Dromedar erzählte, merkte er: Offenbar kennen viele dieses Teil. Also beschloss er, sich im Laden über den Preis zu erkundigen. 2800 Franken kostete das Dromedar ursprünglich, die Verkäuferin im Outlet bot es ihm, nach Rücksprache mit ihrem Chef, für 700 Franken an. Doch für Hofer lag das über der Schmerzgrenze. «700 Franken, das ist eine ganze Badewanne voller Paninibilder.» 

«Zwei Frauen in ihrem SUV boten mir sogar an, mich herumzuchauffieren. Aber das Dromedar passte nicht in ihren Wagen.»

Der Zuger verliess den Laden und dachte kurze Zeit später: «Was ist das für eine Welt, in der wir vor den Problemen davonlaufen, weil wir grad keine Lösung haben?» Der Kindergärtner rechnete sich aus: Wenn 35 Personen je 20 Franken spenden, kommt genügend Geld zusammen.

Wie oft hatte Severin Hofer das Tier im Schaufenster gesehen? (Bild: zvg)

Über Instagram erzählte er also die Geschichte des traurigen Dromedars, das er befreien wolle. Die ersten Beträge flossen bald. Im «Paettern» stellte er eine Spendedose auf. Weitere Summen folgten. «Morgens um 2 Uhr waren die 700 Franken zusammen», erzählt Hofer, noch immer etwas ungläubig. Am Ende zählte er insgesamt 820.50 Franken an Spenden.

Eine Kunstaktion mit Aufheiterungspotenzial

Was folgte, erinnert an einen Sketch. Hofer, der nicht Auto fahren kann, holte das Dromedar im Herti ab. «Ich stieg im Schutzengel in die S-Bahn – das Teil ist mega schwer – und kam sofort mit etlichen Leuten ins Gespräch.» Kurze Zeit später erreichten ihn bereits erste Bilder von Menschen, die ihn mit dem Dromedar durch Zug spazieren sahen. «Zwei Frauen in ihrem SUV boten mir sogar an, mich herumzuchauffieren. Aber das Dromedar passte nicht in ihren Wagen.» 

Kurzum: Hofer und sein Dromedar erregten Aufmerksamkeit. Und vor allem: Sie brachten die Menschen zum Lachen. Etwas, was in dieser Zeit oft zu kurz komme, wie es eine Passantin treffend sagte. «Es war sehr schön zu sehen: Man muss nur mit einem Dromedar durch die Stadt spazieren und die Leute freuen sich», sagt Severin Hofer und ergänzt vor dem Hintergrund der derzeit gesellschaftlich fragilen Stimmung: «Ich bin nicht sicher, ob das vor drei Jahren genauso gewesen wäre.» 

Severin Hofer war überrascht über die vielen Spenden für das Tier. (Bild: zvg)

Die Rettung wird jetzt gefeiert. Am Mittwoch findet im «Paettern», wo das kamelähnliche Tier aktuell – und inzwischen auf Rädern – steht, ein Dromedarfest statt. Der Zuger Musiker Dino Sabanovic eröffnet den Abend mit einem musikalischen Intermezzo. Anschliessend erzählt Hofer die Geschichte rund um das Dromedar und von den vielen Begegnungen.

Und danach? Man werde das Wüstenschiff da und dort wieder in Zug antreffen, verspricht Sever Hofer. «Denn, wo das Dromedar ist, kann man sich begegnen.»

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