Durchgangsbahnhof torpediert Messe nicht

Wohin mit der Määs? Luzerner Stadtrat macht eine Kehrtwende

Die Määs soll auch zukünftig auf dem Inseli stattfinden können, so der Luzerner Stadtrat. (Bild: Tobias Lackner)

Die Unsicherheiten wegen des Durchgangsbahnhofs konnten weitgehend geklärt werden: Die Määs soll weiter auf dem Inseli in Luzern stattfinden können. Es gibt aber auch Alternativstandorte.

Gut 5200 Luzernerinnen können aufatmen: «Der Stadtrat will am Standort Inseli für die Lozärner Määs festhalten», wie die Stadt in ihrem Bericht und Antrag zur Määs-Initiative schreibt. Im Januar 2022 war der Stadtrat noch der Meinung, dass der geplante Bau des Durchgangsbahnhofs (DBL) die Määs beim Inseliquai torpediert (zentralplus berichtete). Doch inzwischen habe er diese Unsicherheiten mit den SBB geklärt. Die Bundesbahnen hätten zugesichert, «dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten Hand für die Durchführung der Lozärner Määs während der Bauphase des Durchgangsbahnhofs bieten», schreibt der Stadtrat weiter.

Gemäss heutigem Stand wird der Bau des DBL vor allem Auswirkungen auf die umliegenden Plätze haben. Auf dem Bahnhofsplatz werden während der zehnjährigen Bauzeit keine Veranstaltungen stattfinden können, der Europaplatz wird ebenfalls nur eingeschränkt nutzbar sein. Je nach Bauphase würde auch die Määs auf dem Inseli eingeschränkt, jedoch könnte sie in reduzierter Form stattfinden.

Drei Plan-B-Varianten herausgearbeitet

Für den Fall, dass die Määs während der DBL-Bauarbeiten trotzdem weichen muss, hat der Stadtrat mögliche Ersatzstandorte geprüft. Ein externes Planungsteam hat dabei zehn mögliche Standorte unter die Lupe genommen. Diese wurden anhand verschiedener Kriterien bewertet. So sollten sie beispielsweise gut via ÖV, zu Fuss und mit dem Velo erreichbar sein, von gut 60'000 Besuchern täglich besucht werden können, bei Bevölkerung und Nachbarschaft akzeptiert werden und Platz für den heutigen Määs-Mix von Warenmesse, Lunapark und Gastroangebot bieten.

In der engeren Auswahl sind die drei Varianten Alpenquai, Messe und Lido – wobei kein Standort klar als Favorit heraussticht. Je nach Gewichtung der Kriterien würde der eine oder andere Standort überwiegen. Fürs Alpenquai spreche beispielsweise dessen Nähe zum Inseli, womit auch das Ambiente am ehesten der heutigen Määs entspräche. Zudem sei der Standort gut erschlossen. Dagegen spreche, dass die Akzeptanz bei den Anwohnerinnen, die durch die Nähe zur Ufschötti schon angespannt sei, sehr tief sein dürfte.

Für die Messe spreche, dass bereits die ganze Infrastruktur für die Durchführung der Herbstmesse vorhanden sei – wie die Schützenchilbi im Herbst 2021 bereits bewiesen habe (zentralplus berichtete). Zudem würden die Messehallen aufgrund der Wetterunabhängigkeit viel Planungssicherheit bieten. Jedoch beurteilt das Planungsteam die «Indoor-Möglichkeit» auch als Nachteil, da die Määs so an Charme einbüsse. Zudem würden bei dieser Variante Mietkosten anfallen.

Dem Standort Lido misst das Planungsteam das grösste Entwicklungspotenzial bei: Er besitze schönes Ambiente und liesse sich mit einer Ankunft per Schiff auch gut inszenieren. Zudem biete er Platz, um die Määs in gewohntem Umfang durchführen zu können. In einer ersten Auslegeordnung von zentralplus erhielt der Standort auch von Schaustellern gute Karten (zentralplus berichtete). Jedoch könnte auch hier die Akzeptanz der Anwohnerinnen zum Problem werden. Weiter müsste die Stadt gewisse technische Aspekte wie beispielsweise Stromanschlüsse anpassen.

Määs auf dem Inseli – aber dafür weniger Grün

Mit den geklärten Unsicherheiten und einem Plan B im Sack empfiehlt der Luzerner Stadtrat die Määs-Initiative darum zur Annahme. Auch vor dem Hintergrund, dass für die Initiative «innerhalb kurzer Zeit eine ausserordentlich hohe Anzahl an Unterschriften gesammelt werden konnte». Konkret bedeutet dies jedoch, dass die Määs-Initiative die «Lebendiges Inseli»-Initiative der Juso übersteuert, welche das Stimmvolk 2017 annahm. Denn in der ersten Auslegeordnung zur Umsetzung der Initiative haben sich Juso-Vertreterinnen für ein möglichst grünes Inseli eingesetzt.

Wie die Stadt Luzern schreibt, baue sie den Carparkplatz nun aber in der Variante «Grosser Platz» um anstatt wie geplant in der Variante «Grünes Inseli». In dieser Variante wird der Betonboden komplett durch einen Schotter- oder Kiesplatz ersetzt, an Grünfläche käme nur wenig hinzu. Trotzdem käme die Määs mit drei, vier Fahrgeschäften weniger daher, da um die bestehenden, geschützten Bäume herum zusätzliche Pflanzen gesetzt werden müssen.

Zwar gibt die Stadt zu, dass dies dem Wunsch der «Lebendiges Inseli»-Initiantinnen entgegengesetzt ist. Sie ist aber überzeugt, dass der Carparkplatz so gestaltet werden kann, dass den Luzernern und Gästen trotzdem ein «attraktiver Freiraum geboten werden kann». Hierbei schielt sie auch auf die Zwischennutzung «Universum», die diesen Sommer startet (zentralplus berichtete). Davon verspricht sich der Stadtrat wertvolle Hinweise, wie der Platz als Freiraum genutzt werden kann.

Studie soll klären, wie Schotterplatz ganzjährig nutzbar ist

Denn: Mit der Umsetzung der Variante «Grosser Platz» gilt es noch zu klären, was auf dem Schotterplatz steht, wenn gerade nicht «Putschi-Autos» ineinander krachen. Um diese Frage zu beantworten, plant die Stadt Luzern einen Studienauftrag. Dieser soll 2024 durchgeführt werden, dabei rechnet die Stadt Luzern mit Kosten von rund 425'000 Franken. 2026/2027 soll das konkrete Bauprojekt vorliegen. Umgesetzt würde das neue Inseli frühestens ab 2028.

Der Stadtrat beantragt im Bericht und Antrag jedoch einen Sonderkredit von 1,5 Millionen Franken. Damit soll auch gleich das Vor-, Bau- und Auflageprojekt abgedeckt werden, damit keine Zeit zwischen Studie und Projektierung vergehe.

Vorher entscheiden jedoch noch die Luzernerinnen über die Määs-Initiative. Die Abstimmung dazu ist voraussichtlich für den 26. November 2023 geplant. Lehnen die Luzerner die Initiative ab, so bleibe die Initiative «Lebendiges Inseli» massgebend. Sprich: das Inseli wird vollständig grün, wie die Stadt Anfang 2022 geplant hatte. Zusätzlich müsste die Stadt einen neuen Standort für die Määs vorschlagen.

Verwendete Quellen
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