Regionales Leben
Am Sonntag ist Zeitumstellung

Wer hat an der Uhr gedreht? Und warum eigentlich?

Die Uhren werden diesen Sonntag um eine Stunde vorgestellt: Es ist wieder Sommerzeit. (Bild: Emanuel Ammon / Aura)

Es ist wieder so weit: Das Kuriosum der Zeitumstellung. Sollte die ganze Sache nicht schon längst abgeschafft werden? Im zentralplus-Crashkurs erfährst du alles, was du dazu wissen musst.

Klären wir das Wichtigste zuerst: Die Zeit wird in der Nacht auf Sonntag um eine Stunde vorgestellt. Das heisst, dass du eine Stunde weniger schlafen kannst.

Aber um was geht es dabei nochmals? Und wollte Nationalrätin Yvette Estermann damit nicht schon lange aufräumen? Hier gibts Antworten:

Zeitumstellung – eine taktische Kriegslist

Die Idee zu einer Sommerzeit kam bereits im 18. Jahrhundert auf. Umgesetzt wurde sie aber erstmals am 30. April 1916 im damaligen Deutschen Reich. Zu dieser Zeit, mitten im Ersten Weltkrieg, machte man das aus taktischen Gründen. Die langen Sommerabende sollten dazu genutzt werden, Energiekosten bei der Beleuchtung zu sparen.

Als Reaktion zogen insbesondere die Kriegsgegner Grossbritannien und Frankreich mit und führten ebenfalls die Sommerzeit ein. 1919, nach Ende des Kriegs, schaffte Deutschland in der Weimarer Republik die Sommerzeit wieder ab – um sie im Zweiten Weltkrieg erneut einzuführen. Nach Ende des Kriegs wurde sie wiederum abgeschafft.

Erst gegen Mitte der 1970er-Jahre einigten sich die meisten europäischen Länder auf das Sommer-/Winterzeit-System. Begründet wurde dies vor allem mit einer Harmonisierung des immer wichtiger werdenden europäischen Binnenmarktes.

Schweiz: Bauern wehrten sich gegen die Sommerzeit

In der Schweiz wurde 1977 per Gesetz die Einführung der Sommerzeit, gleichzeitig mit den Nachbarstaaten, beschlossen. Besonders die Bauern wehrten sich und sammelten Unterschriften. Mit Erfolg: 1978 wurde das Sommerzeit-Gesetz an der Urne verworfen.

Weil es in der «Zeit-Insel» Schweiz 1980 aber zu einem ziemlichen Chaos beim grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr kam (durch die unterschiedlichen Fahrpläne), trat 1981 dennoch ein Gesetz in Kraft, das die Sommerzeit einführte.

Schnarch: Wieso wird mitten in der Nacht umgestellt?

Der Eisenbahnverkehr ist auch ein Grund dafür, weshalb die Uhren immer an einem Sonntag – mitten in der Nacht – von drei auf zwei Uhr vor oder zurückgestellt werden. In diesem Zeitfenster kann es kaum zu einem Verkehrschaos kommen – die meisten Menschen schlafen, der öffentliche Verkehr hat grösstenteils den Betrieb eingestellt.

Würde die Zeitumstellung unter der Woche und bei Tag stattfinden, würden nicht wenige zu früh oder zu spät auf der Matte stehen, so die Theorie.

Zeitachse: Risse im Raum-Zeit-Kontinuum?

Apropos Zeitumstellung: Was geschieht da eigentlich genau mit der Zeitachse? Ist das jetzt schon eine Zeitreise? Spielen wir hier mit dem Raum-Zeit-Kontinuum?

Am besten hält man sich bei Fragen zu Raum und Zeit an den Physiker Albert Einstein: «Zeit ist das, was man an der Uhr abliest», sagte er dazu. Alles klar.

EU plant das Ende der Zeitumstellung – doch es liegt auf Eis

Immer wieder gab es Bestrebungen, eine der beiden Zeiten abzuschaffen – zumeist die Sommerzeit. Auch in der Schweiz. Zuletzt versuchte die Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann dies mit einer Volksabstimmung zu erwirken (zentralplus berichtete). Ohne Erfolg: 2020 lief die Sammelfrist ab – ohne dass die nötigen 100'000 Unterschriften zusammengekommen sind.

Auf europäischer Ebene wird seit Jahren diskutiert, auf die Zeitumstellung verzichten. Das Kernproblem ist die Uneinigkeit darüber, welche Zeit sich durchsetzen soll – die jetzt auslaufende Winterzeit, oder die Sommerzeit. Die EU strebt eine möglichst einheitliche Lösung an, um ein Chaos – wie es die Schweiz 1980 zu spüren bekam – zu verhindern. Doch die Mitgliedstaaten zogen bislang nicht mit.

Das müsste der Schweiz gefallen: Der Halb-Stunden-Kompromiss

Die «Berliner Morgenpost» berichtete kürzlich von einem Kompromissvorschlag aus Kroatien: Die Uhren jeweils nur eine halbe Stunde umstellen. Dann wäre es immer 12.30 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht. Heute erreicht die Sonne im Winter um 12.00 Uhr und im Sommer um 13.00 Uhr ihren Höchststand.

Ob die Chancen für eine «Abschaffung light» besser stehen? Das ist fraglich. Wenn, dann ist davon auszugehen, dass die Schweiz sich wiederum den Nachbarstaaten anpassen wird.

Wie ungesund ist der «Mini-Jetlag»?

Doch wieso die Sommerzeit überhaupt abschaffen? Schliesslich ist es ihr zu verdanken, dass mit den hellen Sommerabenden ein mediterranes Feriengefühl durch Luzerns Gassen weht und Berufstätige auch nach Feierabend noch draussen verweilen können. Die Gegner kritisieren die Schattenseiten der Umstellung: Von Schlafstörungen bis hin zum tagelang gestörten Biorhythmus ist die Rede. Was es damit auf sich hat? Du erfährst es hier:

Hinweis: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Archivtext, den wir aktualisiert haben.

Verwendete Quellen
  • Artikel in der «Berliner Morgenpost»
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