Regionales Leben
Wo der Grundwasserpegel besonders tief ist

Wassersparen: So schlimm ist die Lage in Zug wirklich

Othmar Trinkler, der Präsident der Dorfgenossenschaft Menzingen hat die Wasserversorgung im Griff. (Bild: zvg, Dorfgenossenschaft)

Der Kanton Zug mahnt seine Bevölkerung, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Ist dies ein Alarmzeichen für die Wasserversorgung? zentralplus blickt auf die Gemeinde Menzingen, welche besonders sparsam mit dem Wasser umgehen muss.

Es ist nach wie vor trocken – zu trocken für die Natur. Auch wenn es in der kommenden Woche ein bisschen Regen geben soll, die Stabsstelle Notorganisation des Kantons Zug ruft die Bevölkerung zum Wassersparen auf (zentralplus berichtete).

Ist das ein Zeichen, dass die Wasserversorgung im Kanton am Limit ist? Urs Marti, Leiter Stabsstelle Notorganisation erklärt gegenüber zentralplus: «Im Moment ist die Wasserversorgung sichergestellt.» Vielmehr gehe es bei der Meldung darum, die Bevölkerung zu informieren, wie kostbar unser Wasser sei.

«Es geht darum, die Menschen zu sensibilisieren. Wir sind in einer Phase einer langanhaltenden Trockenheit und wenig Regen», sagt Marti. Nicht überall im Kanton Zug sei die Verfügbarkeit gleich hoch. «Es gibt Gemeinden im Kanton, welche besonders auf ihren Wasserhaushalt achten müssen.»

Die Wasserversorgung von Menzingen ist eine Herausforderung

Eine der Gemeinden, die Urs Marti anspricht, ist Menzingen. In der «Gemeinde am Berg» leben rund 4'500 Menschen. Und die Wasserversorgung der Gemeinde auf rund 800 Metern über Meer ist alles andere als simpel. Othmar Trinkler ist der Präsident der Dorfgenossenschaft und kennt die Probleme. «Nur schon durch die Geologie und Topografie haben wir einen schweren Stand. Das Wasser fliesst ja naturgemäss nach unten», sagt er.

Wegen der geografischen Verhältnisse ist die Versorgung der Gemeinde in vier Druckzonen unterteilt. Wenn alles normal fliesst, kommen rund 90 Prozent des Wassers aus einer Quelle. Rund 10 Prozent sind Grundwasser.

Mit einem ausgeklügelten System fliesst das Wasser in die Haushalte. (Grafik: Dorfgenossenschaft Menzingen) (Bild: )

Der Grundwasserpegel der Gemeinde sei in dieser trockenen Zeit zwar auf einem tiefen Level, so Trinkler, aber: «Wir konnten die Grundwasserstände heben. Diese sind zum Glück nicht noch weiter abgesunken.» Dramatisch sei die Lage in seiner Gemeinde nicht. Die Lage wird allerdings von Experten stetig beobachtet.

Wasserbezugsverhalten hat sich merklich verändert

Normalerweise braucht die Bevölkerung von Menzingen morgens zwischen 7 und 9 Uhr am meisten Wasser. Der Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung am meisten Wasser benötigt, hat sich in den letzten Wochen um einen halben Tag verschoben. «Den grössten Verbrauch registrieren wir am Abend zwischen 19 bis 21 Uhr», sagt Trinkler. Er erklärt sich diese Veränderung durch die Gartenarbeit. «Am Abend wässern viele Leute ihre Gärten. Daher braucht es zusätzlich Wasser.»

«In der Bilanz sind wir von dem Wasserpegel her tiefer als beispielsweise im Hitzesommer 2018.»

Othmar Trinkler, Präsident der Dorfgenossenschaft

Für diese «Blumen-Fütterung» und alles andere hat die Gemeinde momentan noch genügend Wasser. Allerdings ist dies alles andere als ein Freipass, um Wasser zu verbrauchen. Schon im Winter gab es zu wenig Niederschlag und die Trockenheit im Sommer hat auch seinen Teil dazu beigesteuert. «In der Bilanz sind wir von dem Wasserpegel her tiefer als beispielsweise im Hitzesommer 2018», sagt Trinkler.

Wenn sich die Lage noch weiter verschärfen würde, könnte es auch Verbote geben. Es könnte beispielsweise verboten werden, den Rasen zu bewässern oder das Auto zu waschen. «Dies entscheidet dann nicht der Kanton, sondern die Wasserversorgungsbetriebe in den betroffenen Regionen», erklärt Urs Marti, Leiter Stabsstelle Notorganisation.

Ohne Zusammenarbeit geht es in Zukunft nicht mehr

Die Häufigkeit der trockenen Phasen hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Das Versorgungsproblem wird sich wohl in Zukunft noch zuspitzen. Um gewappnet zu sein, braucht es Partnerschaften. «Es braucht eine Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen. Ohne einen Verbund wird es wohl nicht mehr gehen», mahnt Trinkler.

Und die Gemeinde hat einen grossen Schritt in diese Richtung gemacht. «Wir sind an einer Verbundlösung. Schon in diesem Jahr wollen wir dafür mit den Bauarbeiten beginnen», so Trinkler. «Wir spannen dabei mit anderen Gemeinden zusammen. Das bedeutet, dass in der Zukunft nicht mehr auf uns alleine angewiesen sind. Im Bedarfsfall können wir einander unterstützen.»

Eines wird aber mit dieser Verbundlösung gleich bleiben: Wasser zu sparen, bleibt wichtig und richtig.

Verwendete Quellen
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