Regionales Leben

Verblüffende Antwort
Warum Felchen im Hallwilersee ums Überleben kämpfen

  • Lesezeit: 3 min
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Richard Stadelmann von der Fischerei Hallwilersee in Birrwil in seinem Element (Bild: Richard Stadelmann)

Fischerinnen ziehen seit Jahren immer weniger und kleinere Felchen aus dem Hallwilersee. Warum geht es den Fischen dort schlecht? Die Antwort auf dieses Rätsel wird dich überraschen.

Der Hallwilersee liegt an einem wunderbaren Ort im Seetal. Rund acht Kilometer ist er lang und an der tiefsten Stelle misst der See 47 Meter. Eigentlich ein schöner Ort für die Felchen – denen scheint es dort allerdings seit Jahren nicht mehr zu gefallen.

Die Fischer ziehen seit Jahren immer weniger und immer kleinere Felchen aus dem Hallwilersee. Keiner wusste, warum dies so ist. An Anfang haben Expertinnen auf Pestizide getippt. Auch eine zu hohe Wassertemperatur wurde als Ursache gesehen.

70 Millionen Felchenbrütlinge können es nicht richten

Richard Stadelmann von der Fischerei Hallwilersee in Birrwil taucht mit uns in die Geschichte des Sees ein. «In den 60er-Jahren sind die Felchen im See ausgestorben.» Der See ist damals «gekippt», da er keinen Sauerstoff mehr hatte. Dabei geht auch die Grundstruktur im See kaputt, welche die Felchen zum Laichen brauchen.

Die Grundstruktur bietet bis heute keine gute Grundlage für die Fische für das Laichen. «Seither werden jährlich Fische aufgezogen und ausgesetzt.» Die Zahlen sind beeindruckend. 2017 werden beispielsweise 70 Millionen Jungfische in den See gelassen. Im Jahr 2020 sind es mit rund 27 Millionen Felchenbrütlingen viel weniger.

Gemeinsam kämpfen die Fischer im Seetal gegen den Rückgang der Felchen. Seit den 80er-Jahren gibt es ein Monitoring. «Alle zuständigen von Fischer über Kanton bis zu den Gemeinden haben an einem runden Tisch ein Commitment unterzeichnet, dass man die Felchen priorisieren soll.»

Fischerin, Forscher und Kanton lösen das Rätsel gemeinsam

Das Aussetzen von Jungfischen bringt nur beschränkt etwas. Pestizide scheinen nicht verantwortlich zu sein. Auch die zu hohe Wassertemperatur ist nicht das Problem der Fische. Was also ist das Problem der Felchen?

Seit 2017 arbeiten Forscherinnen der Uni Lausanne am See. «Damals waren die Forscher zweimal pro Jahr bei uns. Am Anfang hatten sie die Felchen noch nicht im Fokus», sagt Stadelmann.

In den Folgejahren merkten die Forscherinnen, dass sich die Felchen am stärksten veränderten. Sie konzentrierten sich daher auf diese Fischart. «Wir haben rund 3000 Felchen gefangen und die Daten danach dem Kanton und der Uni Lausanne weitergeleitet.» Diese Daten liefern nun möglicherweise die Lösung des Problems.

Problem der Fische: Dichtestress

Die Forschung bringt nun ans Licht, dass die Felchen hauptsächlich unter Dichtestress leiden. Beim Hallwilersee wurden schlicht zu viele Fische auf einmal ausgesetzt. Die konkurrenzieren sich gegenseitig und damit wachsen die Felchen auch schlechter.

«Auch die Faktoren Witterung, Temperatur oder Nährstoffe haben einen Einfluss. Die Forschungen zeigen allerdings, dass über 50 Prozent des Problems der Dichtestress ist», sagt Richard Stadelmann.

Nun schrauben die Verantwortlichen bei den jährlichen Zahlen der eingesetzten Fische. So, dass es nicht zu wenig und nicht zu viel Felchen sind, die ausgesetzt werden.

Schon bald sollen die Forschungen Früchte tragen

Da schon im Jahr 2017 weniger Fische ausgesetzt worden sind und da mit den aktuellen Ergebnissen noch mehr auf die Anzahl geachtet wird, erwartet Fischer Stadelmann, dass es schon im nächsten Jahr Veränderungen bei den Felchen gibt.

Wenn die Forscher allerdings falsch liegen, dann wird es schwer. Witterung oder Temperatur können nicht so einfach beeinflusst werden.

Langfristig haben die Verantwortlichen ein anderes Ziel. «Die Felchen sollen in Zukunft im Hallwilersee selbst wieder einen geeigneten Raum finden, um laichen zu können.»

Richard Stadelmann mit seinem Sohn Noah auf dem Hallwilersee
Richard Stadelmann mit seinem Sohn Noah auf dem Hallwilersee

Willst du mehr Fisch im Netz? Hier gibt es noch einen spannenden Artikel über vermeintlich ausgestorbene Fische in der Region.

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