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Warum Zwischennutzungen auf Inseli auch scheitern dürfen

Francesca Blachnik, Co-Geschäftsleiterin von «Temporär» sagt, dass der Platz Raum für viele Ideen liefert. (Bild: kap/ Sam Aebi)

Die Lage des Inseli stellt besondere Herausforderungen an die geplante Zwischennutzung. Welche Kriterien muss ein erfolgreiches Projekt erfüllen? zentralplus hat mit einer der Verantwortlichen gesprochen.

Die Zwischennutzung im Inseli soll 2023 eröffnet werden (zentralplus berichtete). Der Stadtrat hat für die Organisation der Zwischennutzung ein Planerteam beauftragt. Dieses Planerteam besteht aus zwei Organisationen.

Eine davon ist «Temporär» (zentralplus berichtete). «Temporär» ist die Anlauf- und Fachstelle für Zwischennutzungsprojekte in Luzern und der gesamten Zentralschweiz. Die Anlaufstelle ist mit der Zwischennutzung auf dem Bell-Areal bereits in ein Projekt in Kriens involviert (zentralplus berichtete).

Nun hat «Temporär» mit dem Inseli auch in der Stadt Luzern einen grossen Auftrag erhalten. Die Zwischennutzung wird das Stadtbild voraussichtlich ab kommendem Sommer prägen. Im Falle des Inseli ist «Temporär» als Expertin für die Begleitung der Ausschreibung und Verwendung der Zwischennutzung beauftragt worden.

Die Stadt Luzern hat die Möglichkeiten für eine Zwischennutzung in der Ausschreibung knapp umrissen. Pumptracks, Gastronomie, Strassenfussball, Urban Gardening. Es scheint keine Grenzen zu geben. Was gilt es bei der Planung dennoch zu beachten und wie realistisch sind die vorgeschlagenen Projekte? Wir haben mit Francesca Blachnik, Co-Geschäftsleiterin von «Temporär», gesprochen.

Platz für verschiedene Ideen

«Für uns ist es wichtig, dass es auf dem Inseli Platz hat für verschiedene Ideen». Aufgrund des engen Zeitplans sei es möglich, dass die Zwischennutzung im kommenden Juli anfänglich im kleinen Rahmen startet. Denn: «Der Zeitplan ist sportlich», so Blachnik.

Wichtig sei aber, dass man die Zwischennutzung auf dem Inseli nicht bloss als Übergangslösung verstehe. «Zwischennutzungen sollen nicht als Lückenfüller gesehen werden, sondern als Orte, an denen Impulse für Orte und Quartiere geschaffen werden.»

Wie wichtig Zwischennutzungen seien, könne am Beispiel des Neubads gesehen werden. «Seit knapp 10 Jahren ist es Quartiermittelpunkt und Treffpunkt für eine sehr breite Bevölkerung von Luzern. Trotzdem hat das Neubad als Zwischennutzung irgendwann ein Ablaufdatum. Das Ziel sollte es sein, dass das, was das Neubad für Luzern ist und geschaffen hat, über die Zeit des Betriebs hinaus weiterexistiert und in zukünftigen Planungs- und Entwicklungsprozessen mitgedacht wird», so Blachnik.

«Mir ist im Raum Zentralschweiz keine Zwischennutzung bekannt, bei der dieselben besonderen und herausfordernden infrastrukturellen Voraussetzungen gelten wie auf dem Inseli.»

Francesca Blachnik

Lage des Inseli ist herausfordernd

Die Co-Geschäftsleiterin sieht jedoch auch die Herausforderungen, die wegen der Lage des Inseli bestehen: «Mir ist im Raum Zentralschweiz keine Zwischennutzung bekannt, bei der dieselben besonderen und herausfordernden infrastrukturellen Voraussetzungen gelten wie auf dem Inseli.» Zu diesen Herausforderungen zählen die Lage mitten in der Stadt und die Grösse des Platzes.

Dennoch: «Es gibt sehr erfolgreiche Zwischennutzungen wie das Neubad, die Kubra oder das NF 49, die allesamt sehr viele Erfahrungen im Aufbau und Führen von Zwischennutzungen machen konnten. Es braucht Mut, Spontaneität, Kreativität, Durchhaltewillen – ich glaube, dies sind alles Attribute, für die man alle drei Zwischennutzungen als Vorbild nehmen kann.»

Sportanlagen auf dem Inseli sind möglich

Eine Möglichkeit für die Umnutzung wäre, kleinere Sportanlagen auf dem Inseli einzurichten. Im «Stadtraumkonzept Innenstadt Luzern» hat die Stadt schon 2018 das spärliche Angebot an Sportanlagen am Seeufer kritisiert. Denkbar sind beispielsweise ein Pump-Track, Strassen-Fussball, Pétanque, ein Outdoor-Gym oder gar ein Beachvolleyballfeld als sogenannte Kleinsportanlagen.

Gerade Pump-Tracks erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Jung und Alt (zentralplus berichtete). In einem Postulat wurde die Stadt gar aufgefordert, weitere Standorte für solche Anlagen zu prüfen (zentralplus berichtete). In der Antwort auf das Postulat hat die Stadt auch erwähnt, Pump-Tracks bei der Planung von Zwischennutzungen zu prüfen.

Die Stadt Luzern hat jedoch in den letzten Jahren bereits mehrere Kleinsportanlagen eröffnet. Dazu zählen etwa Outdoor-Gyms und kleine Pump-Tracks. Bei der Vergabe wird die Kreativität des Konzepts und der «Mehrwert für Luzern» geprüft. Sportanlagen wie Outdoor-Gyms könnten es aufgrund der Nähe zu bereits bestehenden Anlagen daher schwer haben.

Gastronomie soll bestehende Angebote nicht konkurrenzieren

Ausserdem soll es auf dem Areal keinen Konsumzwang geben. Eine rein gastronomische Nutzung des Inseli ist daher nicht erwünscht. «Es darf aber ein Gastroangebot sein, jedoch nur als Ergänzung zu bestehenden Angeboten auf dem Inseli», so Blachnik.

«Projekte dürfen auch scheitern, dann macht man im nächsten Jahr etwas Neues.»

Die Stadt sucht lediglich einen Vertragspartner für die gut drei Jahre Zwischennutzung im Inseli. Dennoch hofft Blachnik, dass sich Leute mit verschiedenen Ideen zusammentun und gemeinsam eine Bewerbung einreichen. Damit könne man gewährleisten, dass verschiedene Ideen beim Inseli ihren Platz finden. «Unterschiedliche Projekte können gleichzeitig bestehen. Ob das funktioniert oder nicht, werden wir sehen», sagt Blachnik. «Aber Projekte dürfen auch scheitern, dann macht man im nächsten Jahr etwas Neues.»

Ein Must-Have sei das gleichzeitige Bestehen verschiedener Projekte aber nicht. «Das Konzept kann auch sein, dass man sich im ersten Jahr mehr dem Thema Kunst und Kultur widmet, im zweiten Jahr der Fokus beim Sport liegt und die Zwischennutzung sich im dritten Jahr mit einem tatsächlichen Stadtlabor mit Stadtentwicklung auseinandersetzt und reflektiert, was in den vorherigen Jahren auf dem Platz entstanden ist und gewirkt hat», ergänzt Blachnik.

Beim Inseli wird es Veranstaltungen geben

Die Fläche der Zwischennutzung des Inseli wird voraussichtlich zwei Teile umfassen. Mindestens 400 der rund 2'900 Quadratmeter sollen als Veranstaltungsfläche dienen. Der Einbezug der Veranstaltungsfläche in das Gesamtkonzept wird bei der Vergabe des Projekts daher berücksichtigt.

Auch bezüglich der Nutzung der Veranstaltungsfläche lässt man noch alle Möglichkeiten offen. Da das Inseli öffentlicher Grund ist, sind Veranstaltungen bewilligungspflichtig. Dabei gelten dieselben Bedingungen wie für alle anderen auf öffentlichem Grund.

Zwischennutzung wird Anfang Juli 2023 eröffnet

Ein Informationsanlass für die Interessenten findet am 24. September statt. Die Eingabefrist für die Konzepte endet am 4. November. Danach werden die eingereichten Konzepte vorgeprüft und einer öffentlichen Beurteilung unterzogen.

Die Bekanntgabe des Entscheids für die Zwischennutzung Inseli folgt voraussichtlich Mitte Januar. Die Zwischennutzung soll dann ab Anfang Juli 2023 bis Ende 2026 bestehen. Danach folgt die Neugestaltung des Inseli.

Verwendete Quellen
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