Regionales Leben

Längst im Pensionsalter
Zug könnte seinen letzten Milchmann verlieren

  • Lesezeit: 3 min
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Anton Bürgi ist der letzte Milchmann in Zug. Er ist auch mit 68 Jahren nach wie vor im Job. (Bild: Plu)

Anton Bürgi hat schon längst das Pensionsalter erreicht. Trotzdem liefert der Zuger noch immer Milchprodukte aus. Er ist allerdings der letzte Milchmann in Zug. Zum zweiten Mal hat er eine Hilfeaktion gestartet, um sein Geschäft am Leben zu erhalten.

Als wir Anton Bürgi zu Hause in besuchen, ist sein Arbeitstag gerade erst zu Ende gegangen. «Ich habe das Auto um 4 Uhr geladen. Dann fahre ich mit den Produkten um 5 Uhr los», erzählt der 68-jährige Milchmann. Wenn es die Gesundheit erlaubt, will er seinen Job noch weitere fünf Jahre machen. Anton Bürgi ist der letzte Milchmann in Zug.

Noch rund 300 Kunden bekommen die Milch von Bürgi

BIs vor einigen Jahren hatte Bürgi einen Kundenstamm von rund 500 Personen. Diese Anzahl ist unterdessen auf knapp 300 geschrumpft. «In der ersten Phase von Corona hatte ich plötzlich wieder mehr Kunden. Viele von denen sind allerdings nicht lange treu geblieben.»

Auch wenn sich der Kundenstamm fast halbiert hat, auf der faulen Haut liegt der letzte Zuger Milchmann definitiv nicht: «Jeden von meinen Kunden beliefere ich im Schnitt zweimal pro Woche.»

«Wir haben herausgefunden, dass der Mann vom Nachbarhaus regelmässig die Milch geklaut hat.»

Anton Bürgi, Milchmann

Bürgi rechnet uns vor, dass er vor einigen Jahren noch 180 Adressen pro Tag angesteuert hat. Heute seien es noch etwa 130 Lieferungen, sagt der 68-Jährige. Das sei zwar noch immer viel Arbeit, allerdings zu wenig, um genügend zu verdienen.

Der Milchmann bekam Hilfe aus dem Internet

Deshalb hatte Anton Bürgi schon einmal um Hilfe gebeten. Aber an einem für ihn sehr ungewohnten Ort, nämlich online. Denn Bürgi interessiert sich eigentlich nicht gross für die digitale Welt.

Er zeigt uns sein altes Handy, welches zwar knapp internetfähig ist, ihn aber noch nie dorthin gebracht hat. «Mein Sohn ist jetzt 40 Jahre alt. Er kennt sich aus mit dem Internet. Ich selbst bin da nicht reingeboren. Mich interessiert das halt nicht so», erklärt er.

Auch wenn er selbst nicht im Netz unterwegs ist, ist der Zuger Milchmann dort durchaus präsent. Auf der Facebookseite «Zuger helfen Zugern» hat er eine grosse Anzahl an Fans. Schon 2018, als sich seine Kundschaft drastisch verkleinerte, brachte ein Aufruf auf Facebook Hilfe. Nun wurde für Bürgi erneut einen Hilferuf abgesetzt.

Bild: Screenshot «Zuger helfen Zugern»

«Nach dem letzten Aufruf hatten sich zwölf Leute bei mir gemeldet», sagt der Milchmann. Von diesen Interessenten hatte sich ein Kunde gleich fix angemeldet. Die anderen wollten es sich noch überlegen.

Wilde Geschichten aus dem Alltag als Milchmann

Weit über 20 Jahre lang ist Anton Bürgi schon in der Region Zug und Baar als Milchmann unterwegs. Und in dieser Zeit hat er bereits einiges erlebt. Im Gespräch mit zentralplus erzählte er uns davon.

So etwa, wie er sich während den schneereichen 1990er-Jahren mit seinen Lieferungen zu seiner Kundschaft kämpfte: «Ich erinnere mich, dass ich in den 1990er-Jahren teilweise die Schneeketten 14 Tage lang auf dem Lieferwagen lassen musste.» Anders hätte Bürgi die höher gelegenen Adressen unmöglich erreicht.

Ein besonders kalter Winter hatte einem Kunden sogar einmal Milchglace beschert. «Als es einen Monat minus 15 Grad war, ist einem Kunden die Milch im Kasten gefroren», erzählt Bürgi mit einem Schmunzeln.

Als Bürgi von den Erlebnissen berichtete, meinte plötzlich sein Sohn: «Erzähl doch die Geschichte mit dem Milchdieb!» Und Bürgin erzählte von dem Kunden, der regelmässig die Bestellungen im Milchbüchlein gestrichen hatte. Bürgi fragte bei dem Kunden nach, was denn los sei: «Der Kunde sagte, dass bei ihm nie etwas im Milchkasten gewesen sei. Wir haben dann herausgefunden, dass der Mann vom Nachbarhaus regelmässig die Milch geklaut hat.» Die Polizei hat dem Milchdieb daraufhin eine Falle gestellt und ihn auf frischer Tat ertappt.

Verwendete Quellen
  • Besuch bei Anton Bürgi in Baar
  • Facebookseite «Zuger helfen Zugern»
Weitere Quellen
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