Rampenverkauf im Südpol

Von der Bühne in die Stube: Luzerner Theater räumt auf

Fündig geworden am Rampenverkauf des Luzerner Theaters: die Familie Christ aus Kriens. (Bild: zar)

Um Platz im Lager zu schaffen, bot das Luzerner Theater im Südpol Tausende von Artikel feil: Requisiten, Bühnenbilder und Kleider. Die Besucher kamen zwar nicht in Scharen, sollen sich bald aber schon regelmässiger mit Theaterartikeln eindecken können.

Einst standen sie auf der Bühne, mehr oder weniger prominent. Wurden zur Schau getragen, mehr oder weniger stolz. Danach folgten Monate, ja Jahre der Vernachlässigung und Vergessenheit, zugebracht im Untergrund des Kulturzentrums Südpol. Bis an jenem Samstag Mitte Juni. Was endgültig zu verstauben drohte, wird nun dem breiten Publikum feilgeboten: abgewetzte Biedermeier-Sofas, ausgefallene Kostüme und jede Menge Requisiten-Krimskrams. Wie wärs mit einem ausgestopften Fuchs? Ein paar Grabkerzen oder doch lieber ein Bierhumpen? Willkommen am Rampenverkauf des Luzerner Theaters.

Aus den Lautsprechern säuselt unaufdringliche Musik, nach und nach wagen sich vereinzelte Besucher in den Unterbauch des Südpols. Der Grill steht noch verwaist neben dem Eingang. Von einem Ansturm kann (noch?) keine Rede sein. Ob die Erwartungen der Organisatoren von gut 500 Besuchern auch tatsächlich erfüllt werden? 

Stühle für die Bühne, Kleider für Kandersteg

Wer den Weg hierher gefunden hat, scheint sich ob des spärlichen Besucheraufmarsches herzlich wenig zu stören. Jung und weniger Jung schlendern gut gelaunt durch die prall gefüllten Hallen. Unter den Besuchern ist auch der deutsche Informatikstudent Carl Peters. Gestern erst habe er vom Anlass erfahren. Als jemand, der «das Secondhand-Bummeln feiert», war das Auftauchen hier aber schnell beschlossene Sache. Aktuell ist er auf der Suche nach Inventar für die WG. Noch habe er nichts gesehen, was er tatsächlich in seiner Wohnung haben möchte, inspirierend seis aber allemal.  

Ein paar Schritte weiter hat es sich Daniela Krienbühl aus Wolfenschiessen schon einmal bequem gemacht auf einem Hocker. Das Stück will ordentlich getestet werden. Schliesslich werden darauf schon bald Musiker und Künstlerinnen Platz finden, bei ihren Auftritten auf der Literaturbühne in Stans. Und auch der gelegentliche Theatergänger Gerhard Milius aus Rotkreuz ist mit einem ganz konkreten Plan nach Luzern gekommen.

Zusammen mit seiner Frau schiebt er sich zielstrebig durch die unzähligen Kostüme an den Kleiderstangen. Dabei interessieren ihn Roben, die aus der Belle Époque stammen. Im nächsten Januar nämlich solls damit ab nach Kandersteg gehen, wo alljährlich zig Gleichgesinnte in Nostalgie schwelgen.

Faire Preise für mehr Platz

Es gehe nicht darum, möglichst viel Geld einzunehmen, sagt Gérald Gisler, Leiter Tontechnik des Luzerner Theaters, der gleichzeitig auch Projektleiter des Rampenverkaufs ist. «In erster Linie wollen wir Platz schaffen.»

Denn über die Jahre habe sich so einiges angesammelt. Statt für die Entsorgung noch viel Geld in die Hand zu nehmen, versuche man lieber, den Requisiten, Bühnenbildern und Kostümen auf diesem Weg ein zweites Leben einzuhauchen. Damit der Plan auch aufgehe, habe man sich bewusst für «sehr faire Preise» entschieden. 

Rampenverkauf soll regelmässiger stattfinden

Überzeugt hat dieser Plan die Familie Christ aus Kriens. Tochter Ronja (8) hat bereits ein Fasnachtskleidli gefunden, Sohn Lenny (10) hat sich eine Krabbenschere aus Kunststoff übergestülpt – und die Suche geht noch weiter.

In Zukunft müssen sie nicht mehr so lange warten, um sich aus dem Theaterfundus für die Fasnacht einzudecken. Denn statt alle ungefähr zehn Jahre will Gisler vom Luzerner Theater den Anlass regelmässiger durchzuführen, einmal pro Jahr oder zumindest alle zwei Jahre. Jetzt muss nur noch das Publikum mitmachen.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
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