Zwischen Freigleis und Eichwäldli

Vertriebene Boccia-Spieler: So geht es weiter

Dino Amadò (links) und Präsident Roberto Gasperi vor dem Bocciodromo, der Ende Jahr seine Tore endgültig schliessen soll. (Bild: zar)

Der Verein «Gruppo Bocciofilo Pro Ticino» muss Ende Jahr vom Bocciodromo zwischen Freigleis und Eichwäldli ausziehen. Politikerinnen forderten, dass die Stadt das Mietverhältnis verlängert. Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor. Der zeigt sich semi-begeistert.

Der Luzerner Stadtrat will den Verein «Gruppo Boccofilo Pro Ticino» nach 90 Jahren aus seinem Vereinslokal werfen (zentralplus berichtete). Die Stadt ist die Vermieterin des Lokals zwischen Freigleis und Eichwäldli und hat Eigenbedarf angemeldet. Rettung kündete sich an – zumindest eilten Politiker zu Hilfe. In einem breit abgestützten Postulat forderten sie den Luzerner Stadtrat auf, das Mietverhältnis mit dem Verein zu verlängern (zentralplus berichtete). Die Postulanten verlangten weiter, dass der Stadtrat auf die Inanspruchnahme der Parzelle verzichtet.

Der Grosse Stadtrat hat an seiner heutigen Sitzung das Postulat für dringlich erklärt und behandelt. Am Donnerstag flatterte bereits die Stellungnahme des Luzerner Stadtrates in den Posteingang.

Deswegen braucht die Stadt die Räume

Die Stadt will bekanntlich in den Räumen einen Teil des Strasseninspektorats einquartieren. Im Vereinslokal soll unter anderem die Einstellhalle für Fahrzeuge entstehen. Der Stadtrat erklärt in seiner dreiseitigen Stellungnahme, warum die Räume am Schäferweg 6 dafür geeignet seien.

Zwei der Standorte des Strasseninspektorats im Stadtteil Süd würden nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen. Am Betriebsstandort Eichwald befindet sich eines der drei Fahrzeugdepots. Dieses wurde 2014 als Provisorium erstellt und ist mit 14 Fahrzeugen voll belegt. Ein Ausbau sei gemäss Stadtrat nicht möglich. Zudem gebe es keinen frostsicheren Ort, wo man die Elektrofahrzeuge aufladen kann – und der sei nötig, weil die Stadt zunehmend auf diese umsteigen will.

Beim Standort Bahnhofparking gebe es keine Sozialräume mit Tageslicht, die Belüftung und die Trennung von Lagerräumen seien «sehr mangelhaft». «Damit sind die arbeitsrechtlichen sowie -hygienischen Vorgaben nicht genügend erfüllt», lautet das Fazit des Stadtrates. Abklärungen hätten ergeben, dass die städtischen Liegenschaften am Schäferweg 6 für Einstellplätze sowie für die Behebung der Mängel an den anderen Standorten geeignet seien.

Stadt will schauen, ob sie Vereinslokal erhalten kann

Der Stadtrat ist bereit, das Postulat teilweise entgegenzunehmen. Er will prüfen, ob zumindest das Vereinslokal erhalten werden kann und ob Mischnutzungen denkbar sind. Deswegen möchte der Stadtrat mit allen Beteiligten eine Diskussion über die Bedeutung des Vereinslokals für das Quartier führen.

Wie der Stadtrat ausführt, möchte er konkret prüfen, inwieweit das Raumprogramm für das Strasseninspektorat bei Erhalt des Vereinslokals trotzdem umgesetzt und ob und wo allenfalls zusätzliche Räume realisiert werden können.

Mietverhältnis soll nicht verlängert werden

Eine Verlängerung des Mietverhältnisses um mindestens fünf Jahre mit dem Verein «Gruppo Boccofilo Pro Ticino» ohne diese zusätzlichen Abklärungen und einen gänzlichen Verzicht auf Nutzungen im Eigenbedarf lehnt der Stadtrat hingegen ab, wie er ausführt.

Er ist überzeugt, dass die Auflösung des Vertrags mit der «Gruppo Bocciofilo Pro Ticino Lucerna» gerechtfertigt sei. Dies, «da der Verein aufgrund der demografischen Struktur und der geringen Anzahl an aktiven Mitgliedern keine Möglichkeit sieht, diesen langfristig aufrechtzuerhalten».

Der Stadtrat räumt weiter ein, dass die Kommunikation zu den Interessengruppen wie dem Quartierverein «mangelhaft und uneinheitlich» gewesen sei.

Verwendete Quellen
  • Stellungnahme des Luzerner Stadtrates
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