Regionales Leben
Die einzige Berufsfischerin im Kanton Zug

Schicksalsschlag hat das Leben von Verena Merz verändert

Sie studiert an der Hotelfachschule, arbeitet im Hotel-Restaurant Eierhals und ist nebenbei die einzige Berufsfischerin im Kanton Zug. Wir haben die 25-jährige Verena Merz in Morgarten getroffen und eine starke Frau kennengelernt. Hier geben wir dir ein Einblick in ihr Leben.

Verena Merz hat momentan einen Lebenslauf, der von zwei Menschen stammen könnte. Die 25-Jährige arbeitet einerseits im Familienbetrieb, dem Hotel-Restaurant Eierhals, aktiv mit. Ausserdem besucht sie derzeit nebenbei noch die Hotelfachschule in Luzern. Und Verena Merz ist die einzige und jüngste Berufsfischerin im Kanton Zug und aktiv in der Fischereikommission. Aber drehen wir das Zeitrad zuerst etwas zurück.

Die Liebe zur Fischerei scheint in ihr schon sehr früh gewachsen zu sein. Sie erzählt uns ihre Geschichte beim Bootshaus in Morgarten. «Es gibt ein Foto von mir, da war ich etwa ein bis zwei Jahre alt. Ich war mit meinem Vater auf dem See unterwegs und habe einen Rötel in der Hand.» Es sollte nicht der letzte schöne Tag von ihr auf dem See gewesen sein. «Fische sind schöne und spezielle Tiere.» Dass die jetzt im Erwachsenenalter sogar mit den Tieren beruflich zu tun hat, sei schlicht einzigartig.

«Jeder, der ein Elternteil verloren hat, weiss, was solch ein Verlust bedeutet.»

Verena Merz

Verena Merz ist gelernte Köchin. Als ihr Vater 2014 an Krebs erkrankt ist, hat sie sich entschieden, in Bayern eine Ausbildung zur Fischwirtin zu machen. Diese Ausbildung vereint die Berufe Fischer und Fischzüchter und beinhaltet alles, vom Ei bis zum verzehrfertigen Produkt. Merz lernte in dieser Zweitausbildung die Tiere nochmals tiefer kennen und die Liebe zu ihrem Beruf nahm weiter zu.

Familie muss einen schweren Schicksalsschlag verkraften

Sechs Jahre nach der Entscheidung zur Zweitausbildung als Fischwirtin wird die Familie von einem Schicksalsschlag getroffen. Ihr Vater, Hanspeter Merz, stirbt unerwartet an einem Herzversagen. «Es passierte am Geburtstag meiner Mutter», sagt Merz nachdenklich «Jeder, der ein Elternteil verloren hat, weiss, was solch ein Verlust bedeutet». Das Hotel-Restaurant Eierhals war mitten im Sommergeschäft und Hanspeter fehlte nicht nur als Vater, Ehemann und Freund, sondern auch bei der Arbeit sehr.

«Es ist wirklich immer schön auf dem See. Du wirst automatisch ruhiger und entspannter, wenn du im Boot auf dem See bist.»

Die Familie musste sich schnell mit der neuen Realität abfinden und weitermachen. «Wir haben unser Bestes gegeben und weitergemacht. Auch haben wir ein super Team, welches hinter uns steht.» Verena Merz betont, dass es ohne die Crew im «Eierhals» niemals möglich gewesen wäre, dass sie 14 Wochen für die Ausbildung fehlen konnte. Die Hotelfachschule beschäftigt sie noch bis ins 2023. Dann wird sie ihren Abschluss in den Händen halten.

Ob sie sich danach auf die Fischerei im Ägerisee und das Restaurant konzentriert oder ob Verena Merz nochmals weitergeht? Diese Antwort will die 25-Jährige noch nicht in Stein meisseln. «Wir haben es ja auch vor zwei Jahren beim Tod meines Vaters gesehen, wie schnell sich alles plötzlich ändern kann.» Sie nehme jeden Tag so, wie er ist. «Und wenn sich eine Türe schliesst, geht sicher eine andere auf.»

Der Ägerisee als Energiequelle

Bei dem Gespräch stehen wir keine zwei Meter vom Wasser entfernt. Und auch wenn die Hauptseestrasse mit dem Verkehr ein naturfremdes Rauschen liefert, der See lässt den Puls gleich einige Schläge langsamer schlagen. «Es ist wirklich immer schön auf dem See. Du wirst automatisch ruhiger und entspannter, wenn du im Boot auf dem See bist.»

Unser Puls geht aber ein bisschen hoch, wenn wir an die kalten Wintertage denken. Das Boot verwandelt sich dann in eine Eisschale. «Auch dann gibt es schöne und spezielle Momente auf dem Ägerisee.» Merz erzählt uns, wie die feinmaschigen Netze dann in der Luft beim Herausheben aus dem See gefrieren. «Dann musst du die Netze wieder ins Wasser tauchen, da es dort wärmer ist.»

Wenn die Fischerin dann mit eiskalten Händen nach Hause kommt, darf sie ja nicht gleich mit warmen Wasser die Hände waschen. Das wird sonst schmerzhaft. «Damit wir immerhin ein bisschen Gefühl in den Händen haben, können wir auf dem Boot in einem Zuber einfeuern.» Denn ohne Gefühl löst kein Fischer die Tiere aus seinem Netz.

Die Zukunft scheint gesichert

Damit es auch künftig noch Felchen, Rötel und Hechte im Ägerisee gibt, werden rund sechs Millionen Fische pro Jahr ausgesetzt. Verena Merz zeigt uns den Laich, welcher vor Ort gehegt und gepflegt wird. «Wir arbeiten mit Frischwasser aus dem See. Wir kontrollieren die Temperatur und ich sortiere auch die toten Eier von Hand aus.» Ganz alleine muss Verena Merz nicht im Fischereihaus hantieren. Beispielweise ihr Onkel hilft seit über 20 Jahren aktiv mit. Der Ertrag der Arbeit landet dann im eigenen Restaurant oder auch in der Auslage verschiedener Fachgeschäfte.

Die Familie Merz lebt seit dem Jahre 1744 im «Eierhals». Seit 1891 führt die Familie das Restaurant. Verena, Mutter Vreni und die Schwestern Judith und Annette Merz führen mit ihrer Arbeit die Familientradition weiter. Und auch wenn es zwar nicht in Stein gemeisselt ist, vom Gefühl her wird diese Tradition nach lange bestehen.

Verwendete Quellen
  • Reportage vor Ort in Morgarten
  • Website Hotel-Restaurant Eierhals Royal
  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei
  • Institut für Fischerei
Verwendete Quellen
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