Regionales Leben
Platz für zwanzig Tiere

Verein baut Hühnerstall mitten in der Stadt Luzern

Den Orpington-Hühnern des Vereins Hühnerkollektiv steht bald ein Umzug bevor. (Bild: zvg / Verein Hühnerkollektiv)

Hirsche, Alpakas und Tauben: In Luzern wird eine Vielfalt von Tieren öffentlich gehalten. Bald gehören noch Hühner dazu. Ein Verein plant ein Gehege für rund 20 Hennen in der Neustadt. Warum genau Hühner und wo die Tiere einst die Öffentlichkeit erfreuen sollen, hat uns der Verein erklärt.

Die Stadt Luzern gleicht einem grossen Zoo. Beim Friedental grast ein Hirschrudel, das eben erst Nachwuchs bekommen hat (zentralplus berichtete). Beim Kulturhof Hinter Musegg flauschen schottische Hochlandrinder und Alpakas um die Wette (zentralplus berichtete) und unter dem Dach im Rathaus gurren Tauben vor sich hin (zentralplus berichtete). Bald wird die Leuchtenstadt um eine tierische Attraktion reicher: Hühner.

Zugegeben, Hühner sind vielleicht nicht so majestätisch wie Hirsche oder so plüschig-niedlich wie Alpakas, trotzdem haben sie ihre Fangemeinde. Eine davon nennt sich «Verein Hühnerkollektiv», ist in Luzern angesiedelt und beschäftigt sich schon seit rund 3,5 Jahren mit dem gackernden Geflügel. «Wir im Verein teilen die Leidenschaft zu den Tieren und der Pflege», sagt Vereinsmitglied Simon Wicki auf Anfrage. «Und natürlich freuen wir uns auch über die Eier», ergänzt er lachend. Denn im Gegenzug zur ehrenamtlichen Hühneraufsicht erhalten alle Hühnergenossenschafts-Mitglieder regelmässig frische Eier.

Idee wird breit unterstützt

Seit Sommer 2018 betreibt der rund 20-köpfige Verein ein Gehege mit acht Orpington-Hühnern auf dem Eisenplatz bei der Industriestrasse – einem Gelände, das zurzeit als Zwischennutzung von verschiedenen Kulturschaffenden genutzt wird. 2022 wird es dann im Rahmen einer Neugestaltung in gemeinnützigen Wohn-, Arbeits- und Kulturraum umgewandelt. Mit dieser Deadline vor Augen hat sich der Verein nach einem neuen Plätzchen für die Hühner umgeschaut – und gefunden. Ein Wiesenstück unterhalb der Stützmauer beim Heimbachweg, einer Seitenstrasse der Bruchmattstrasse hinter dem Polizeiposten und den Bahngleisen, soll es sein.

«Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Luzern.»

Simon Wicki, Mitglied Verein Hühnerkollektiv

«Wir sind bei einem Spaziergang durch die Stadt drauf gestossen», erinnert sich Wicki an die Entdeckung des Ortes nahe dem Berufsbildungszentrum BBZB. Einige Recherchen später stellte sich heraus, wem das Gelände gehört: der Stadt Luzern. Und diese unterstützt das Vorhaben des Vereins. «Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt», sagt Wicki. Auch die umliegenden Anwohner sind über ihre künftigen tierischen Nachbarn informiert. «Es ist immer gut, wenn man sich mit den Nachbarn versteht», ergänzt er im Hinblick auf den breiten Support für die Idee.

Auf dieser Rasenfläche soll demnächst das neue Hühnergehege entstehen. (Bild: cbu)

Mehr Platz = mehr Hühner

Der Support ist auch nötig. Für acht Hühner ist mit einem Futterbedarf von fast 500 Kilogramm pro Jahr zu rechnen. Der Verein legt nebst artgerechter Haltung auch Wert auf vielseitige Futterquellen. Hierfür wurden verschiedene Betriebe in der Nähe angefragt: Eine Bäckerei bringt altes Brot, eine Brauerei Weizenreste und ein Restaurant liefert Rüstabfälle. Auch sonst wird das Projekt unterstützt. «Von diversen Schreinereien erhalten wir Hobelspäne, welche wir als Streu im Stall verwenden können», heisst es seitens des Vereins.

Und weil der neue Standort mit rund 400 Quadratmetern Wiesenfläche einiges grösser ist als der aktuelle, soll auch bei den Tieren aufgestockt werden. «Wir möchten später um die 20 Tiere haben.» Dafür braucht es auch einen neuen Stall. Bis anhin waren die Hühner nämlich in einem umfunktionierten Festwagen untergebracht. Das soll sich beim Heimbachweg nun ändern. Ob die Hennen jedoch künftig in einem grösseren Wagen, einem wiederverwerteten Gartenhäuschen oder einem eigens dafür gebauten Stall untergebracht werden, steht noch offen.

Mitglieder des Vereins Hühnerkollektiv auf dem Eisenplatz. Im Hintergrund steht der zum Stall umfunktionierte Wagen. (Bild: zvg / Verein Hühnerkollektiv)

Warten auf den Startschuss

«Wir prüfen gerade verschiedene Szenarien», so Wicki. Ein Baugesuch für die 28 Quadratmeter grosse Stallfläche liegt jedenfalls bei der Stadt bereits vor. Sobald das geklärt ist, kann mit dem Bau des Stalls und einer 1,6 Meter hohen Umzäunung begonnen werden. Für die Tiere wird es nicht nur platzbedingt eine Umgewöhnung, sondern auch hinsichtlich der Lautstärke. Denn unterhalb des Geländes führt die Zugstrecke vorbei. Gemäss Wicki sollte das aber kein Problem darstellen. «Wir gehen davon aus, dass sie eine kurze Angewöhnungszeit brauchen, sich dann aber nicht daran stören werden.»

Das wäre von grossem Vorteil, denn im Gegensatz zum aktuellen Standort beim Eisenplatz ist angedacht, das neue Gehege dauerhaft zu betreiben, damit auch Schülerinnen des BBZB, Nachbarn und neugierige Passanten einen Blick auf die wohl städtischste Hühnerkolonie Luzerns werfen können.

Über Orpington-Hühner

Die ursprünglich aus England stammende Hühnerrasse gehört mit 3,5 kg (Hennen) bis 4,5 kg (Hähne) zu den schwersten Hühnern. Aufgrund ihres Gewichts können sie nicht besonders hoch flattern. Orpingtons gelten als gute Eier- und Fleischlieferanten und sind schnell zutraulich.

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