Notlösung beim Zuger Strandbad

Steg statt Weg: Wenn ein Eigentümer auf stur schaltet

Die Oeschwiese in Zug – hier sollen Zugerinnen bald am See sünnelen können. (Bild: Archivbild: mik)

Im Schatten der Abstimmung zum Strandbad in Zug verläuft ein mehrjähriger Streit. Weil ein Nachbar der Oeschwiese sich stur stellt, muss die Stadt einen Steg bauen. Was Verwaltung und Steuerzahler Nerven und Geld kosten.

Rund 28 Meter: Lang ist der Abschnitt nicht, der die Planung der Stadtzuger Verwaltung für einen hübschen Spazierweg am Zugersee zu einem Orientierungslauf werden liess. Und doch wichtig genug, dass er für zig Telefonate, aussichtslose Besuche und verworfene Pläne gesorgt hat.

Der Abschnitt ist Teil des Zuger Projekts für ein erweitertes Strandbad in Zug. Für fast 13 Millionen Franken gibts neue Garderoben, ein neues Restaurant mit Terrasse, ein Planschbecken für Kinder und eine deutlich grössere Liegewiese. Am 9. Juni stimmt die Zuger Bevölkerung darüber ab (zentralplus berichtete). Teil der Pläne ist auch ein durchgehender Spazierweg vom Hafen bis zum Strandbad, direkt am Zugersee. Heute verläuft ein Weg wenig charmant an der Chamerstrasse.

Eigentümer ignorieren die Stadt

Sagen die Zuger Ja, stünde dem romantischen Spaziergang am See nichts mehr im Wege – wäre da nicht ein sturer Nachbar. Der geplante Weg am See führt direkt neben einer Parzelle am Schilfmattweg hindurch, welche einer Erbengemeinschaft gehört. Zwar besitzt der Kanton Land am Ufer. Doch dieses ist zu klein für einen befestigten Fussweg (zentralplus berichtete).

Die Stadt wollte für den Weg daher einen Teil des privaten Grundstücks abkaufen. Zumal der untere Teil davon als Zone des öffentlichen Interesses für Bauten und Anlagen definiert ist. Daraus wurde aber nichts. Die Eigentümer des Hauses ignorieren die Stadt. Und dies seit Jahren.

Besagtes Grundstück auf zugmap.ch. Grünlich die Wohnzone, blau die öffentliche Zone – beide gehören dem privaten Eigentümer. Das Ufergelände gehört dem Kanton. (Bild: Zugmap.ch)

Auf mehrere Briefe hätte es keine Antwort gegeben, beim persönlichen Besuch sei die Tür geschlossen geblieben, wie Birgitt Siegrist vom Stadtzuger Baudepartement gegenüber zentralplus sagt. Sowohl ihr Departement als auch die Abteilung Immobilien des Finanzdepartements hätten jahrelang versucht, mit den Eigentümern in Kontakt zu treten – vergeblich. Selbst die Unterstützung von Nachbarn oder Verwandten habe nichts geholfen. «Es besteht von einer Person der Erbengemeinschaft keine Bereitschaft, mit der Stadt zu sprechen», so Siegrist.

Strom, Telefon und Radiogebühren nicht bezahlt

Das war jedoch nicht immer so, wie etwa ein Bericht und Antrag aus den 90er-Jahren belegt. Wieso der Eigentümer inzwischen den Kontakt zur Stadt verweigert, bleibt unklar. zentralplus hat versucht, ihn per Telefon und Brief zu erreichen – reagiert hat er nie.

Journalistinnen und Stadt sind nicht die Einzigen, die den Eigentümer nicht erreichen. Im Zuger Amtsblatt finden sich Zahlungsbefehle und Pfändungsanzeigen: Die Serafe wartet auf 1357 Franken Haushaltsabgaben für Radio und TV. Die WWZ verlangt 959 Franken samt Mahngebühren für nicht bezahlte Stromrechnungen. Und auch bei der Swisscom sind Telefonrechnungen von fast 459 Franken offen.

Villa Kunterbunt im schicken Cul-de-sac

Das Grundstück selbst steht am Ende eines schicken Cul-de-sac. Die Schilder für Einbahnstrasse, Fahrverbot und Privat weisen darauf hin: herkommen bitte nur, wenn erwünscht. Das Haus darauf ist eine augenscheinlich in die Jahre gekommene «Villa Kunterbunt». Respektive «Villa Landis», wie das denkmalgeschützte Haus heisst. Daneben stehen perfekt getrimmte Hecken und moderne Bauten mit viel Umschwung. Das Haus wirkt in der Nachbarschaft so verloren wie ein Yogi in einer Sitzung mit Bankern.

Am Briefkasten stehen keine Namen. Gemäss Telefonbuch lebt jedoch ein Rentnerpaar im Haus. Die dunkelbraune Haustür ist verwittert, die Fensterläden sind inzwischen nur noch mattgrün, auf dem Dach steht die Kugel auf einem der Türmchen schief. Rundherum wuchern Bäume und Sträucher. Sie versperren den heutigen Chamer Fussweg, der am Grundstück endet.

Dort, wo das Auto steht, soll künftig der Uferweg am Privatgelände vorbeigeführt werden. (Bild: Archivbild: wia)

Was also tun, wenn die Verwaltung sich selbst nach Jahren nicht mit den Eigentümern einigen respektive nicht mal kommunizieren kann? Als Ultima Ratio gäbe es die Enteignung – zumal der Teil des Grundstücks bereits in der Zone für öffentliches Interesse liegt. Wie Siegrist schreibt, sei diese Massnahme für den Stadtrat jedoch nicht infrage gekommen.

Lösung für 200’000 Franken

Wohl auch, weil die Stadt erst einen langjährigen Rechtsstreit um das Grundstück daneben, die Oeschwiese, hinter sich hat. Erst wehrte sich die Erbengemeinschaft – eine andere als beim Schilfmattweg – gegen die Umzonung. Danach gegen einen Verkauf. Erst kurz vor der Enteignung lenkten die Eigentümer ein. Jedoch erntete die Stadt dafür harsche Kritik, SVP-Gemeinderat Philip C. Brunner etwa bezeichnete die Posse als «kalte Enteignung» (zentralplus berichtete).

Die Lösung nun: Für 200’000 Franken baut die Stadt einen Steg auf dem Stückchen Land des Kantons. Wie viel teurer dieser Weg die Steuerzahler statt eines Landwegs kommt, können die Behörden nicht sagen (zentralplus berichtete).

Die orangen Profile deuten an, von wo aus der Steg in Richtung See führen soll. (Bild: wia)

Die Stadt hat den Uferweg an Land noch nicht ganz aufgegeben. Gemäss dem Baugesuch ist der Steg nur als Provisorium gedacht. Wieso, teilt die Stadt nicht mit. Eine andere Lösung ist derzeit nicht in Sicht (zentralplus berichtete).

In Zukunft doch noch an Land?

Vielleicht hofft die Stadt, dass der Eigentümer doch noch einlenkt. Dann könnte die Stadt ihre ursprünglichen Pläne für den Landweg aus der Schublade nehmen.

Ob und wann diese 28 Meter den Spazierweg am See ergänzen, bleibt so oder so noch eine Weile unklar. Wie Siegrist schreibt, seien gegen den Steg drei Einsprachen eingegangen. Sicher ist: Wenn die Spaziergängerinnen dereinst an Land oder auf dem Steg dort flanieren, ist es das Ergebnis von viel Geld, Nerven und Geduld.

Verwendete Quellen
0 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon