Regionales Leben
Rektor erklärt Zukunftspläne

So will die Uni Luzern zur Elite Europas aufschliessen

Bruno Staffelbach, Rektor der Universität Luzern. (Bild: zvg)

Die Universität Luzern baut aus und gründet zwei neue Fakultäten. Prof. Dr. Bruno Staffelbach, der Rektor der Universität, erklärt im Interview, weshalb es die beiden Fakultäten braucht und welchen Nutzen diese für die Region Luzern haben.

Die Universität Luzern ist besonders bekannt für ihre rechtswissenschaftliche Fakultät. In Luzern wird aber nicht nur Jura studiert. Drei weitere Fakultäten gibt es aktuell. Und es sollen mehr werden.

Denn seit kurzem ist klar: Die Uni will eine neue Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie sowie eine Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin gründen (zentralplus berichtete). Rektor Bruno Staffelbach erläutert diesen Schritt im Interview mit zentralplus.

zentralplus: Die Universität Luzern hegt grosse Ziele: In den nächsten zehn Jahren soll sie zu einer der führenden humanwissenschaftlichen Universitäten Europas werden. Was heisst das konkret? 

Bruno Staffelbach: Wir wollen uns nicht als «Voll-Uni» wie beispielsweise die Universität Zürich profilieren, sondern unser Profil als Spezialuniversität für Humanwissenschaften schärfen. Ähnlich wie die ETH dies in den Bereichen der Naturwissenschaften heute bereits tut. Dafür müssen wir uns in mehrere Richtungen weiterentwickeln.

zentralplus: Sie sprechen die beiden neuen Fakultäten an, die aufgebaut werden sollen.

Staffelbach: Einerseits streben wir den Aufbau einer Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie an, andererseits eine Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin. Dies bedarf einer Anpassung des Universitätsgesetzes und muss vom Kantonsrat bewilligt werden. Die Vernehmlassung dazu dauert noch bis zum 15. März dieses Jahres.

zentralplus: Und ab dann gilt: volle Fahrt voraus?

Staffelbach: Sobald der Kantonsrat grünes Licht gibt, können wir die nächsten Schritte angehen.

zentralplus: Die da wären? 

Staffelbach: Zuerst geht es darum, für Verhaltenswissenschaften und Psychologie die jeweiligen Inhalte der Studiengänge im Detail zu planen. Anschliessend muss der passende Lehrkörper gefunden und die Leitung aufgegleist werden. Mit den bis heute vorliegenden Zusagen für Donationen können wir ein psychologisches Forschungslabor, den Aufbau des Bachelorstudiums Psychologie, den Aufbau der Vertiefung Kinderpsychologie sowie den Aufbau der drei verhaltenswissenschaftlichen Bereiche der Inklusions-, Unternehmens- und Resilienzforschung und verschiedene Forschungsprojekte zur mentalen Gesundheit von Familien und Kindern erforschen.

zentralplus: Und die zweite Fakultät?

Staffelbach: Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin wird aus dem gleichnamigen, bereits bestehenden Departement hervorgehen. Läuft alles nach Plan, dürfen bereits im Juni 2023 die ersten Masterabsolventinnen und -absolventen in Medizin ihr Diplom von der neuen Fakultät in den Händen halten.

«Erfreulicherweise ist bereits heute klar, dass die Finanzierung des Aufbaus der psychologischen Fakultät sichergestellt ist.»

Prof. Dr. Bruno Staffelbach

zentralplus: Sie haben Donationen angesprochen. Welches sind die grössten Geldgeber für den Aufbau der neuen Fakultäten?

Staffelbach: Der Aufbau der Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Medizin wird im Wesentlichen von drei Gönnern finanziert. Die dominante Geldgeberin ist eine gemeinnützige Stiftung. Ich gehe davon aus, dass ich deren Namen demnächst kommunizieren darf. Hinzu kommen eine Privatperson aus dem Raum Luzern und eine weitere gemeinnützige Stiftung, die Mittel gesprochen hat zur Forschung der mentalen Gesundheit von Familien, wenn Kinder an Krebs erkranken. Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin ist bereits finanziert.

zentralplus: Darf die Universität auch auf die finanzielle Unterstützung des Kantons hoffen?

Staffelbach: Der Regierungsrat hat letztes Jahr signalisiert, die zusätzlichen Strukturkosten für den Betrieb der Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie im Umfang von 700'000 Franken zu übernehmen, wenn die Universität den Aufbau bewerkstelligen kann. Das sind jene Kosten, welche unabhängig von der Zahl der Studierenden anfallen, etwa im Bereich der Administration. Daneben finanziert sich die Fakultät nach der Aufbauphase selber aus Beiträgen von Bund und Kantonen sowie Studiengebühren. Erfreulicherweise ist bereits heute klar, dass die Finanzierung des Aufbaus sichergestellt ist.

zentralplus: Weshalb haben Sie die Schwerpunkte gerade auf diese Fakultäten gelegt?

Staffelbach: Gesundheitswissenschaften gibt es an der Universität Luzern bereits seit 2009, zuerst innerhalb der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, seit 2019 zusammen mit Medizin in einem eigenen Departement. 2020 startete der erste Master-Studiengang in Medizin, den wir gemeinsam mit der Universität Zürich durchführen.

«Wir setzen auf einen Schwerpunkt beim Thema Rehabilitation, wo wir mit unserem humanwissenschaftlichen Ansatz in der Schweiz einzigartig ausgerichtet sind.»

zentralplus: Und warum wird dieses Departement jetzt zur Fakultät weiterentwickelt?

Staffelbach: Das Departement ist das akademische Zentrum eines Netzwerkes mit Partnern im Gesundheitssektor im Kanton Luzern. Dazu gehören die Schweizer Paraplegiker-Forschung und das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil, das Luzerner Kantonsspital, die Luzerner Psychiatrie, die Hirslanden Klinik St. Anna und die Hausärztinnen und Hausärzte. Dieses Netzwerk bildet eine hervorragende Basis für die Weiterentwicklung. Dabei setzen wir einen Schwerpunkt beim Thema Rehabilitation, wo wir mit unserem humanwissenschaftlichen Ansatz in der Schweiz einzigartig ausgerichtet sind.

zentralplus: Und warum gibt es eine neue Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie?

Staffelbach: Bereits im Jahr 2010 wurde ein Antrag für den Aufbau einer Fakultät für klinische Psychologie eingereicht. Dieser wurde aber wieder verworfen. Heute drängt sich eine Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie regelrecht auf. Aber nicht für klinische Psychologie, sondern für ausgewählte Vertiefungen in der Psychologie und in Kombination mit Verhaltenswissenschaften. Dies ergänzt die bestehenden Fakultäten in idealer Weise.

zentralplus: Was meinen Sie damit?

Staffelbach: Wir haben beispielsweise eine Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, wo Denken, Reden und soziales Handeln erforscht wird. Aber wir können nicht erklären und voraussagen, warum und unter welchen Bedingungen «anständige» Menschen in Organisationen unmoralisch und strafbar werden. Oder ein Beispiel aus der Rechtswissenschaft: Dort können wir erklären, wie die Menschen das Zusammenleben regeln und Verstösse sanktionieren, aber wir haben keine Antwort auf die Frage, ob Menschen in Verwahrung «abkühlen» oder noch riskanter werden.

zentralplus: Also ist die Universität Luzern «psychologisch blind»?

Staffelbach: Ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die humanwissenschaftliche Universität definitiv eine Abrundung nötig hat, wollen wir nicht blind bleiben. Die neuen Fakultäten würden nicht nur einen wichtigen Schlussstein bilden, sie sind auch eine wichtige Verbindung zwischen den bereits bestehenden Fakultäten mit ihren Studiengängen und Forschungsbereichen.

«In zehn Jahren möchten wir an einem Punkt stehen wie das Lucerne Festival oder das KKL. Die sind relativ klein, aber weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.»

zentralplus: Mit Zürich, Basel oder Bern gibt es in der Schweiz Universitäten, die bereits für ihre Psychologische Fakultät bekannt sind. Braucht es diese Fakultät an der Universität Luzern wirklich?

Staffelbach: Ja, auf jeden Fall. Wir haben Gespräche mit ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus Zürich, Basel oder Bern zu dieser Frage geführt. Wir kamen zum klaren Ergebnis, dass es Sinn macht, ein Angebot aufzubauen, aber in ganz bestimmten Nischen. Damit können wir Fachkräfte ausbilden, die auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind.

zentralplus: Von welchen Fachkräften sprechen Sie?

Staffelbach: Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind Psychologinnen und Psychologen in verschiedenen Branchen und Bereichen sehr begehrt. Dazu gehören insbesondere die von uns geplanten Vertiefungen in Kinderpsychologie, Rechtspsychologie sowie Gesundheits- und Rehabilitationspsychologie.

zentralplus: Sind im Hinblick auf den Aufbau der Fakultäten auch Zusammenarbeiten mit anderen Universitäten aus Europa geplant?

Staffelbach: Wir suchen seit längerem nach Universitäten mit ähnlichen Profilen und versuchen uns mit ihnen zu vernetzen. Letztlich möchten wir uns dafür stark machen, eine «eigene Liga» für humanwissenschaftliche Universitäten mitzugründen. Unser Ziel ist es, dass wir in zehn Jahren an einem ähnlichen Punkt stehen, wie wir das bereits vom Lucerne Festival oder vom KKL kennen. Diese Organisationen haben, auch wenn sie als relativ klein einzustufen sind, ein internationales Profil erlangt, sodass man sie weit über die Landesgrenzen hinaus kennt.

Verwendete Quellen

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