Regionales Leben
Wegen Corona: Stadtrat will Pensen erhöhen

SIP Luzern ist neu in der ganzen Stadt unterwegs – und braucht dafür mehr Geld

Frauen und Männer in Blau: Die SIP Luzern sorgt für ein friedliches Zusammenleben in der Stadt Luzern. (Bild: jwy)

Der Luzerner Stadtrat will mehr Ressourcen für seine Sicherheits-, Interventions- und Präventionstruppe (SIP). 2005 waren die «Sittenwächter» – wie sie damals kritisiert wurden – an den sozialen Brennpunkten unterwegs, heute ist sie auch beim Schulhaus Matt in Littau und im beschaulichen Würzenbach-Quartier anzutreffen. Dafür braucht es 115'000 Franken mehr pro Jahr.

Es dürfte kaum eine Luzernerin geben, die noch nie von den Männern und Frauen in Blau angesprochen wurde. Wer auf einem Bänkli am See ein Sandwich isst, wird höflich gebeten, später das Papier ordentlich zu entsorgen. Wer im Bus eine Cola trinkt, wird an die Hausordnung der VBL erinnert, die Essen und Trinken im Fahrzeug verbietet. Und wer am Bahnhof keine Maske trägt, wird auf die geltende Covid-Verordnung aufmerksam gemacht.

«Die SIP Luzern ist seit über 15 Jahren aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken», schreibt der Luzerner Stadtrat jetzt in einem Bericht zuhanden des Parlaments. Seit 2005 sind die mobilen Zweierteams in Luzern unterwegs. Und es stimmt: Während die SIP zu Beginn teils als «Sittenwächter» kritisiert wurde, scheint sie heute gut etabliert zu sein. Kritik ist nur noch vereinzelt zu hören – klassischerweise während Budgetdebatten.

Botschafterin, Vermittlerin, Helferin und Beobachterin

Das hat damit zu tun, dass der Auftrag mit den Jahren erweitert wurde. Ursprünglich war die SIP nur «Botschafterin für die Normen und Werte des Zusammenlebens». Das hatte zur Folge, dass Teile der Bevölkerung sie als bevormundend empfand.

Inzwischen tritt die SIP auch als Vermittlerin auf, wenn im öffentlichen Raum Konflikte entstehen. Und dies mit Erfolg, wie der Stadtrat betont. Die SIP hat heute zudem die Rolle einer «Helferin». Bei medizinischen Notfällen leistet sie erste Hilfe und ist Anlaufstelle für sucht- oder armutsbetroffene Menschen, die nicht mehr weiterwissen. Auch diese Arbeit wird von der Bevölkerung geschätzt.

Die vierte Aufgabe der SIP besteht darin, den öffentlichen Raum zu beobachten und so frühzeitig zu erkennen, wenn ein neuer Brennpunkt entsteht. So können die Stadtbehörden und die Polizei frühzeitig intervenieren und für Sicherheit sorgen.

Neue Aufgaben während Corona

Während der Corona-Pandemie hat die SIP zusätzliche Aufgaben übernommen. Sie hat den Job, die Schutzmassnahmen im öffentlichen Raum zu kommunizieren. Sie half beispielsweise mit, während des ersten Lockdowns auf allen Plätzen und Grünanlagen der Stadt das Versammlungsverbot durchzusetzen. «Viele Menschen waren dankbar für die Informationen und Erklärungen der SIP-Mitarbeitenden», heisst es in einem Bericht des Stadtrats.

Die SIP ist im letzten Jahr nicht mehr «nur» in der Luzerner Innenstadt unterwegs gewesen – fast ein Viertel ihrer Einsätze verteilte sich auf das übrige Stadtgebiet. (Bild: zvg)

Auch beim Contact Tracing hilft die SIP mit. Seit Dezember 2020 kontaktiert sie im Auftrag des Gesundheitsdepartements Menschen in Isolation, die durch die Behörden nicht zu erreichen sind. «Die SIP-Mitarbeitenden helfen so mit, dass alle Menschen, die auf Stadtgebiet in Isolation sind, in Kontakt mit der Beratung des kantonsärztlichen Dienstes bleiben. Niemand soll ohne Unterstützung zu Hause vereinsamen», schreibt der Stadtrat in seinem Bericht.

Stadtrat will Budget um 115'000 Franken erhöhen

Während die SIP früher «nur» an den Brennpunkten der Stadt unterwegs war, ist sie heute auch bei Schulhäusern in Littau, im Naturschutzgebiet Allmend und am Reusszopf unterwegs. Sprich: übers ganze Stadtgebiet verteilt. Um das zu bewältigen, hat sie zwei E-Bikes angeschafft. Die aktuellen Ressourcen reichen aber nicht aus, um auch die dezentralen Schulhausplätze und Parks systematisch aufzusuchen. Der Stadtrat beantragt deshalb eine Pensenaufstockung um 100 Stellenprozente. Dies würde Mehrkosten von 115'000 Franken verursachen. Entscheiden wird darüber das Stadtparlament.

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