Regionales Leben

Polizei verhindert Protestaktion
Scientology-Gegner kamen nach Luzern – und wurden verscheucht

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 11
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Yolanda Sandoval Künzi begegnet ihren Gegnern mit einem Lächeln. (Bild: cbu)

Die Basler Aktivisten Yolanda Sandoval Künzi und Beat Künzi kämpfen seit Jahren in verschiedenen Schweizer Städten gegen die Scientology-Kirche und deren Organisationen. Am Samstag waren sie in Luzern – vielleicht zum letzten Mal.

Yolanda Sandoval Künzi und ihr Ehemann Beat Künzi stammen aus Basel. Als «freie Anti-SC-Aktivisten» (Fasa), wie sich ihr Verein nennt, protestieren sie auf friedliche und gewaltfreie Weise gegen die Scientology-Kirche. Manchmal mit Erfolg, wie Ende August in Zug (zentralplus berichtete) und manchmal ohne – wie der Samstagnachmittag noch zeigen wird.

Die Aktivisten informierten zentralplus vorgängig über ihre geplante Aktion in Luzern. Wir treffen sie am Nachmittag am Theaterplatz. Ein Zeltstand mit der Aufschrift «Psychiatrie zerstört Leben» steht wenige Meter nebem dem Eingang des Theaters. Hinter der Zeltaktion steht die CCHR Schweiz – «Bürgerkommision für Menschenrechte». Die Organisation soll Scientology nahe stehen, wie Beat Künzi uns erklärt. «Wenn ein Stand mit Scientology angeschrieben ist, machen die meisten Leute einen Bogen darum. Aber bei unverfänglichen Tarnnamen sind die Menschen eher bereit, an den Stand zu treten.» Mehrere Meter abseits des CCHR-Zelts, mit Leuchtweste und einem kleinen Schild in der Hand steht Yolanda Sandoval Künzi. «Psychiatrie zerstört Leben = Scientology-Sekte!!!» steht auf ihrer Tafel. Mit dem Finger zeigt sie auf das Zelt. Mehr tut sie nicht, ausser hin und wieder freundlich lächeln.

Stiller, gewaltfreier Protest

«Wir gehen nicht an den Stand», erklärt uns Beat Künzi. Das sei verboten. Auch würden sie nicht versuchen, Leute davon abzuhalten, an den Stand zu gehen. «Das gilt als Störaktion und ist ebenfalls nicht erlaubt.» Trotzdem würden sie hin und wieder mit Standbesuchern in Kontakt treten – sobald diese sich weit genug vom Stand entfernt hätten. «Wir fragen sie dann freundlich, ob sie wissen, dass Scientology hinter diesen Aktionen steht.» Manche würden überrascht reagieren und seien dankbar für die Aufklärung. Andere hingegen würden harsch, gar aggressiv reagieren. Yolanda Sandoval Künzi will auf eine junge Frau zugehen, wird aber gleich abgeblockt. Die Frau spricht in schneller Folge von Coronalüge, 9/11 und wird wütend. Künzi lässt von ihr ab, schüttelt den Kopf.

«Wir sind beruhigt, wenn die Polizei weiss, dass wir hier sind.»

Beat Künzi, Fasa-Aktivist

Zwischen Stand und Aktivisten stehen zwei Polizistinnen der Luzerner Polizei. «Die Polizei ist immer da. Scientology ruft sie bei jedem unserer Einsätze», sagt Künzi und lacht. Ihm soll es recht sein. «Wir holen uns immer eine Bewilligung ein.» Im Falle von Luzern war dafür die Gastgewerbe- und Gewerbepolizei zuständig. In der Bewilligung sieht Künzi auch einen Selbstschutz. «Wir sind beruhigt, wenn die Polizei weiss, dass wir hier sind und was wir vorhaben.»

So auch an diesem Samstag. Der zuständige Beamte bei der Gast- und Gewerbepolizei war zwar zum Zeitpunkt der Anfrage abwesend, sein Stellvertreter habe aber Kenntnis von der Aktion vernommen, so Künzi. Bisher hätte es noch nie Probleme bei der Bewilligung gegeben.

Einsätze in der ganzen Schweiz

Für die Künzis ist es der sechste Einsatz in Luzern. Bisher leisteten die ehrenamtlichen Aktivisten mehrere Einsätze in Deutschschweizer Städten wie Basel, Zug, St. Gallen und eben Luzern. Der Scientology-Kirche sind die beiden schon länger ein Dorn im Auge. Jürg Stettler, Präsident von Scientology Zürich bezeichnete die beiden nach einer Aktion im August 2019 im «Tagblatt» als «Fanatiker». Ihre Aktionen seien diskriminierend, nötigend und religiös rassistisch. Künzi bestätigt die Vorwürfe und ergänzt: «Wir wurden auch schon als Hetzer und Faschos beschimpft.» Bei einer Aktion in St. Gallen im vergangenen November wurden sie sogar mit Nazis verglichen. So heftig ist der Schlagabtausch am Samstag in Luzern jedoch nicht.

Die Leuchtweste soll ahnungslose Passanten warnen. (Bild: cbu)

Mit den Medien wollten die Standbetreiber nicht sprechen. Sie verwiesen auf den Pressesprecher der Kirche, Jürg Stettler. Telefonisch war bei Scientology Schweiz am Samstag jedoch niemand zu erreichen.

Polizei greift ein

Als wir um 16:30 Uhr erneut am Theaterplatz vorbeikommen, sind die beiden Polizeibeamten verschwunden – ebenso Yolanda Sandoval Künzis Leuchtweste und ihr Schild. Sie stehen abseits im Schatten des Stadttheaters. «Die Polizei hat uns gemassregelt», erklärt Beat Künzi enttäuscht. Die beiden Beamtinnen vor Ort hätten Rücksprache gehalten und ihren stillen Protest dann doch als «Störaktion» eingestuft. Die beiden Aktivisten sind enttäuscht. Verständnis für diesen Entschied haben sie keines.

«Uns geht es nicht darum, dass wir als Siebesieche da stehen», erklärt Beat Künzi. «Es geht um Aufklärung. Jede Person, die erkennt, wer wirklich hinter diesen Zeltständen steht, ist für uns ein Geschenk.» An diesem Samstag scheint es für die Künzis nicht viele Geschenke zu geben. Als sie ihr Lager abbrechen, steht ein halbes Dutzend Leute am Stand.

Vielleicht letzter Besuch in Luzern

Für die Künzis war dies vielleicht der letzte Besuch in der Leuchtenstadt. «So haben wir keine Lust, noch einmal nach Luzern zu kommen. Wir hatten die Bewilligung, dann hat man sie uns unbegründet wieder entzogen. Dabei wollen wir nur helfen.»

Die Einsatzleitzentrale der Luzerner Polizei verwies auf Anfrage an die Gastgewerbe und Gewerbepolizei. Da war am Samstag jedoch niemand zu erreichen.

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11 Kommentare
  1. Irene, 08.11.2021, 11:04 Uhr

    Diejenigen, die Scientology hier verteidigen: wie wenn es der Sekte darum gehen würde, «Opfer» der Psychiatrie zu schützen. Es geht doch vielmehr darum, die Menschen zu verunsichern und von ihren behandelnden Ärzten und Psychologen zu entfremden, um sie für die eigenen «Behandlungen» anzuwerben.
    Die FASA versucht ja gar nicht, die Aktivitäten von Scientology zu unterbinden, es geht lediglich um Transparenz. Wo Scientology drin ist, soll auch Scientology draufstehen. Dass die Sekte ihre Identität immer wieder zu verschleiern versucht, lässt sehr tief blicken. Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts verbergen.

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  2. Stiller Protest, 14.04.2021, 14:33 Uhr

    Die Standaktionen der CCHR zu stören, das ist genau das, was die Pharmalobby beklatschen wird.
    Ich bin ihnen dankbar für diese Aktivitäten und es spielt absolut keine Rolle für mich, ob es von der Scientology Kirche oder Pfarrer Sieber oder anderen organisiert wird. Die Psychiatrie hat keine Daseinsberechtigung.

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  3. Dirk, 21.09.2020, 20:12 Uhr

    Sandoval und Künzi können ihre Aktivitäten ungehindert betreiben, dazu brauchen sie nicht die Aktivitäten der CCHR zu stören. Dass Sie immer an den Ständen der Scientology nahen Gruppen auftauchen ober nie selbst inizierte Aktivitäten betreiben zeigt, dass sie einfach Aktivitäten der Scientology verwenden um ihre eigene Agenda zu verfolgen. Gegendemonstrationen sollten grundsätzlich verboten sein, denn konstruktive Aktivitäten für etwas, sollten ungehindert stattfinden können.

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  4. Mark, 17.09.2020, 16:56 Uhr

    Wieso bekommen zwei Privatleute einen ganzen Zeitungsartikel für nichts? Warum berichten sie mit keinem Wort darüber, um was es bei dem Infostand eigentlich geht? Nämlich um offensichtliche Missstände in der Psychiatrie? Gerade erst kürzlich wurde wieder ein Fall bekannt, wo ein Psychiater seine Patienten missbraucht hat, dafür aber nicht aus der Ärztekammer ausgeschlossen wurde. Gegen solche Misstände richtet sich die CCHR. Stattdessen berichten sie über zwei verirrte Seelen die offenbar ein Problem mit Andersdenkenden haben.

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  5. Roland Grueter, 14.09.2020, 17:25 Uhr

    Wieder einmal die Behörden. Wer mit den Scientologen fraternisiert oder sich unter Druck setzten lasst, ist «krank» oder wenig informiert.

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  6. Peter Thalmann, 14.09.2020, 17:20 Uhr

    Darf ich das nicht…? Die gehen ja schon zum xten Mal vor die Stände!!

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  7. Peter Thalmann, 14.09.2020, 17:18 Uhr

    Ich glaube, dass Yolanda und Beat nicht mal wissen, gegen was sie sind. Sie betrachten alles als humoristischen Zeitvertreib… Im Nachhinein wird es ihnen irgendwann peinlich vorkommen.

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  8. Rudolf Suter, 14.09.2020, 08:59 Uhr

    dies ist ein ausgewogener Beitrag, jedoch erst nach mehreren Klicks zu erreichen.Sollten Eure Aktivitäten in diesem Stil weitergeführt werden, ist für mich ein Abonnement denkbar, sobald ihr nicht mehr nur Zentral& Schweizerisch tätig seid.

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  9. Beat Künzi, 13.09.2020, 20:50 Uhr

    Hier unser Statement zu unserem speziellen Auftritt in Luzern:

    https://www.facebook.com/635105796937835/posts/1044929285955482/

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  10. lulu, 13.09.2020, 19:54 Uhr

    Solche Proteste sind hilfeich. Macht weiter so…

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    1. Mark, 17.09.2020, 16:46 Uhr

      Erzähl doch mal, was genau daran hilfreich sein könnte mit einem Schild gegen eine unbedeutende Minderheit zu sein?

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