Service public der Post in der Stadt Luzern

Postomat-Sterben: Bargeld ist viel weniger gefragt

Noch gibt es neun Postomaten auf Stadtluzerner Gebiet. Doch Inhaber von Postfinance-Debitkarten können schon längst auch Bargeld an Kassen diverser Detailhändler beziehen. Auf Stadtgebiet wie auch schweizweit.

Der Aufhebung des Postomaten an der Kapellgasse sollen in der Stadt Luzern keine weitere folgen – trotz 40 Prozent weniger Bargeldbezügen will die Postfinance an ihrem Netz festhalten. Der Postomat im Einkaufszentrum Schönbühl ist zwar nicht aufgehoben, weist aber am neuen Standort reduzierte Öffnungszeiten aus.

Per Ende Februar hat die Post ihren Postomaten an der Luzerner Kapellgasse im Schaufenster des jüngst ebenfalls geschlossenen Modeladens Gant aufgehoben, ohne aktiv zu informieren (zentralplus berichtete). Ihr sei die Miete aufgekündigt worden, gab die Post zentralplus zur Auskunft. Ein Leser erwähnte in einem Kommentar zum Artikel, dass die Post auch ihren Postomaten beim Schönbühl-Center aufgehoben habe.

Dünnt hier also die Post wiederholt unkommentiert das Postomaten-Netz aus? Auf erneute Anfrage stellt die Post klar: «Der Postomat in Luzern Schönbühl wurde nicht aufgehoben und ist in Betrieb. Im Mai 2018 wurde der Postomat von der Fassade in das Einkaufszentrum gezügelt.» Von einem kompletten Wegfall kann also wenigstens in diesem Fall keine Rede sein.

Postomat Schönbühl: Reduziert zugänglich statt ganz aufgehoben

Ein Leistungsabbau ist es trotzdem: Denn der inhouse untergebrachte Postomat ist nur noch zu Öffnungszeiten des Einkaufszentrums Schönbühl nutzbar. Im Gegensatz zum ausserhalb des Zentrums platzierten Bankomaten der Luzerner Kantonalbank, der zu jeder Tages- und Nachtzeit Geld herausgibt.

«Im Vergleich zu 2019 wurden an den Postomaten 2022 rund 40 Prozent weniger Bargeldtransaktionen getätigt.»

Medienstelle von Postfinance

Insgesamt betreibt die Post neun Postomaten auf dem Gebiet der Stadt Luzern. Auffällig ist, dass nicht weniger als fünf Postomaten rund um den Bahnhof stationiert sind. Neben dem erwähnten Geldautomaten im Schönbühl-Center sind weitere an der Tribschenstrasse, an der Zürichstrasse sowie beim Fanghöfli in Littau zu finden.

Twint bei junger Kundschaft besonders beliebt

Wie die Post festhält, stelle sie hohe Anforderungen an einen Postomat-Standort. Im Vordergrund stünden Faktoren wie die Geldausgabemöglichkeiten durch Detailhandel, Gastronomie, Hotellerie in nächster Nähe. Hinzu kämen die Anzahl Einwohner und Unternehmen im Einzugsgebiet sowie die Transaktionen an bestehenden Geldausgabegeräten und in Poststellen.

Auf Nachfrage, wie sich die Bargeldbezüge an Postomaten in den vergangenen Jahren entwickelt hätten, teilt die Post mit: «Im Vergleich zu 2019 wurden an den Postomaten 2022 rund 40 Prozent weniger Bargeldtransaktionen getätigt.» Teils sei dies der Corona-Pandemie geschuldet, teils aber auch der Tatsache, dass sich Kredit- und Debitkarten zum wichtigsten Zahlungsmittel in der Schweiz entwickelt hätten.

Heute werde zudem immer öfter mit Handy bezahlt. Postfinance schreibt ausserdem, dass Twint bei ihren Kundinnen zunehmend beliebt sei, vor allem bei den jungen Menschen.

Heute sind aber mehr Postomaten als noch 2003 in Betrieb

Was überrascht, ist die Entwicklung der Zahl der Postomaten. Aktuell betreibt Postfinance schweizweit noch 860 Postomaten. Im Vergleich zum Jahr 2013 mit noch 980 Postomaten ist das ein Rückgang von über 12 Prozent innerhalb von zehn Jahren. 2003, so die Post, seien es landesweit noch 670 Postomaten gewesen.

Allerdings war Postfinance damals noch ein wesentlich kleineres Finanzinstitut, das nur sehr beschränkte Finanzgeschäfte tätigen durfte. So musste sie 2003 eine Kooperation mit der UBS eingehen, damit sie ins Hypothekengeschäft einsteigen durfte. Erst im Jahr 2015 hat die 2013 in eine Aktiengesellschaft überführte Postfinance AG eine kritische Grösse erreicht. Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hat sie seither in die Liste der systemrelevanten Banken aufgenommen.

Nächtlicher Bargeldbezug: Postfinance will Migros Bank nicht folgen

Anfang Februar dieses Jahres gab die Migros Bank bekannt, dass sie ihre Bankomaten vom 24-Stunden-Betrieb neu auf noch 18 Stunden zurückfahre. Dies zwecks Sicherheitsvorkehrungen gegen Automatensprenger. Dergleichen hat die Post laut eigenen Angaben nicht geplant. Sie äussert sich allgemein: Sie lege grossen Wert auf die Sicherheitsstandards ihrer Postomaten. Und sie prüfe Schutzmassnahmen regelmässig, könne aber aus Sicherheitsgründen keine weiteren Einzelheiten bekannt geben.

Was die Post im Rahmen der Nachfragen von zentralplus nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass Inhaberinnen einer Post-Debitkarte die Möglichkeit haben, auch kostenlos Bargeld an der Kasse von Migros, Denner, Coop (mit Einschränkungen), Lidl, Spar oder Manor zu beziehen. Möglichkeiten im vergleichbaren Umfang haben auch Inhaber einer Debitkarte der Migros Bank.

Verwendete Quellen
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