Regionales Leben
Fragwürdige Praxis der Polizei

Öffentliche Blitzer-Standorte in Luzern: Was bringts?

Ob die Veröffentlichung der Standorte der mobilen Tempomessungen zur Verkehrssicherheit beiträgt, ist unklar. (Bild: bic)

Die Luzerner Polizei gibt seit rund zwei Monaten die Standorte der mobilen Blitzer im Kanton Luzern öffentlich bekannt. Das soll zur Verkehrssicherheit beitragen. Ob das tatsächlich gelingt, kann aber niemand so wirklich sagen.

Fertig mit Geheimtuerei: Seit rund zwei Monaten wissen Luzerner Autofahrer, wo zu schnelles Fahren teuer wird. Jeden Montag veröffentlicht die Polizei die Standorte der mobilen Tempomessungen im Kanton Luzern. So berichtet zentralplus wöchentlich darüber, wo im Kanton Luzern mobile Blitzer aufgestellt sind.

Hier wirst du diese Woche geblitzt:

Die neue Praxis der Polizei geht auf einen Vorstoss von SVP-Kantonsrat Daniel Keller zurück, der die wöchentliche Publikation der mobilen Tempomessungen von der Luzerner Polizei gefordert hatte. Den Vorstoss begründete Keller damit, dass die Bekanntgabe der Blitzer-Standorte dazu führt, dass an besonders gefährdeten Stellen, also dort, wo Geschwindigkeitskontrollen sinnvoll sind, langsamer gefahren wird. Der Kantonsrat stimmte dem Vorstoss zu und erteilte der Polizei somit den Auftrag, die Standorte der Blitzer künftig zu veröffentlichen.

Doch ist der Verkehr in Luzern durch die Massnahme tatsächlich sicherer geworden? Nach zwei Monaten zieht zentralplus eine erste Zwischenbilanz zur neuen Vorgehensweise der Polizei.

Polizei führt keine Messungen durch

Doch ganz so einfach lässt sich das neue Vorgehen der Polizei nicht bilanzieren. Denn diese erfasst gar keine Daten, um zu überprüfen, inwiefern die Publikation der Standorte tatsächlich zur Verkehrssicherheit beiträgt. Das hat verschiedene Gründe, wie Christian Bertschi, Sprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage von zentralplus bekannt gibt.

Erstens sei die Polizei nicht für die Überprüfung zuständig, inwiefern die Veröffentlichung der Standorte zur Verkehrssicherheit beiträgt: «Der Auftrag des Kantonsrats bezieht sich nur auf die Veröffentlichung der Standorte», sagt Bertschi. Wie aber überprüft wird, ob die Verkehrssicherheit durch die Massnahme tatsächlich verbessert wird, ist im Auftrag des Kantonsrats nicht definiert.

Zudem veröffentlicht die Luzerner Polizei nur einmal jährlich die neusten Unfallstatistiken. Da die Statistik also nicht monatlich erfasst wird, könne die Polizei noch keine Angaben dazu machen, ob sich die Publikation der Standorte positiv auf die Zahl und Schwere der Unfälle auswirkt.

Keine Erfahrungswerte beim TCS

Ähnlich klingt es beim Touring Club Schweiz (TCS). Dort ist man erfreut über das neue Vorgehen: «Wir begrüssen den Versuch der Luzerner Polizei, durch die Veröffentlichung der Standorte zur Verkehrssicherheit beizutragen», sagt TCS-Mediensprecherin Sarah Wahlen. Der TCS verfügt aber über keine Erfahrungswerte aus anderen Kantonen und kann damit nicht beurteilen, ob das Vorgehen tatsächlich etwas bringen wird: «Wir sind gespannt, inwiefern sich die Veröffentlichung der Standorte positiv auf die Verkehrssicherheit auswirkt.»

Erfahrungen mit der Publikation semi-stationärer Radarfallen konnte allerdings schon der Kanton St. Gallen sammeln. Dieser setzt seit mehreren Jahren schon auf das Veröffentlichen der Standorte. Die Praxis der St. Galler Polizei war denn auch ausschlaggebend für den Vorstoss von Kantonsrat Daniel Keller, der von der Luzerner Polizei das gleiche Vorgehen forderte. Der Schluss liegt nun nahe, dass die gemachten Erfahrungen in St. Gallen mit der Veröffentlichung der Blitzer-Standorte positiv sein müssen, wenn sie dem Luzerner Kantonsrat als Vorzeigeobjekt dienen?

«Wir können nicht belegen, ob die Publikation der Standorte effektiv zur Verkehrssicherheit beigetragen hat.»

Hanspeter Krüsi, Polizeisprecher Kantonspolizei St. Gallen

Doch auch in St. Gallen findet zentralplus keine eindeutige Antwort. «Wir können nicht belegen, ob die Publikation der Standorte effektiv zur Verkehrssicherheit beigetragen hat», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi. Das liegt daran, dass die Unfallstatistik durch verschiedenste Faktoren beeinflusst wird.

Zwar verzeichne die Polizei St. Gallen seit Jahren eine Abnahme der Zahl der schweren Verkehrsunfälle. Doch Krüsi relativiert. «Es gibt verschiedenste Gründe, wieso es weniger schwere Unfälle gibt: Ausbildung, Sicherheitsvorkehrungen in Autos, das Wetter, und so weiter. Welchen Beitrag die Publikation der Tempomessungen dazu leistet, ist schwer zu sagen.»

St. Gallen hält an Vorgehen fest

Gleichzeitig verteidigt Krüsi die Wichtigkeit der Publikation der Blitzer-Standorte. Allerdings müsse der positive Effekt nicht nur auf Basis der Unfallstatistik, sondern mehr aus verkehrspsychologischer Sicht analysiert werden: «Wichtig ist, dass sich Autofahrer schon beim Losfahren mit dem Thema Geschwindigkeit auseinandersetzen. Durch die Publikation der Standorte regen wir an, dass sich die Leute mit dem Tempo auf den Strassen befassen.»

Die Kantonspolizei St. Gallen will darum auch in Zukunft an der Publikation der Standorte festhalten. Und Krüsi betont: «Letztlich ist es doch nicht wichtig, aufgrund welcher Massnahme sich weniger Menschen im Verkehr verletzen. Hauptsache ist, dass es weniger Unfälle gibt.»  

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