Regionales Leben

Inseli-Aus verlangt nach neuen Ideen
Määs-Standort: Sieben Alternativen im Realitätscheck

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Was muss ein alternativer Määs-Standort mit sich bringen? Schausteller Josef Moser gibt Auskunft. (Bild: Emanuel Ammon/Aura/zvg)

Die heimatlose Määs lässt vielen Luzernerinnen keine Ruhe. Wo könnte die Herbstmesse ein neues Zuhause finden? zentralplus hat einen Schausteller gefragt, welche Bedingungen der Ort erfüllen muss. Und zeigt sieben alternative Määs-Standorte auf.

Zwei brennende Fragen liegen in der Stadt Luzern derzeit in der Luft. Die eine betrifft die Durchführung einer «normalen» Lozärner Fasnacht (zentralplus berichtete). Die andere die Alternative zum Määs-Standort auf dem Inseli. Denn eine Machbarkeitsstudie von Mitte Januar beteuert, dass mit einer zufriedenstellenden Umsetzung der «Blechlawine»-Initiative die Määs ab 2027 vom Inseli verschwinden muss (zentralplus berichtete).

Alternative Määs-Standorte politisch diskutiert

Nach der Hiobsbotschaft wurden viele Politiker umgehend aktiv. Einige beharren auf dem Wahlversprechen von damals, dass der Standort beim Inseli bleibt (zentralplus berichtete). Andere wiederum schlagen bereits Alternativen vor. Dafür ist nun auch der Stadtrat gefragt. Auch zentralplus hat einen – wenn auch nicht ganz ernst gemeinten – Vorschlag gemacht. Weil die zwei Mitte-Ortsparteien Emmen und Stadt Luzern die Määs zu sich holen wollten, schlugen wir die Mitte beim Nordpol im Reusszopf vor (zentralplus berichtete).

Zugegeben, der beste Standort ist der Nordpol nicht. Und deshalb gelobt zentralplus hiermit Besserung. Am Redaktionstisch hat sich das Redaktionsteam deshalb alternative Määs-Standorte überlegt. Und diese anschliessend zweien Määs- und Stadtkennern vorgelegt.

Worauf kommt es bei einem potenziellen Määs-Standort an? Josef Moser, Schausteller und Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmesse und Märkte (IGLHMM), erklärt die wichtigsten Faktoren im .

Josef Moser, Schausteller und Vorstandsmitglied der IGLHMM, erklärt, was den Standort auf dem Inseli so besonders macht und worauf es ankommt.

Grob zusammengefasst braucht es also eine gute Atmosphäre, gute Erreichbarkeit, stabile Bodenbeschaffenheit und Zentralität. Auch eine angemessene Abwasser- und Elektrizitätsinfrastruktur ist nicht zu vernachlässigen.

1. Auf der Allmend, Heimat der Luga

Am ehesten auf der Hand liegt die Allmend als alternativer Standort. In einer Umfrage und in den Kommentarspalten hat auch die grosse Mehrheit der zentralplus-Leserinnen mit dieser Variante geliebäugelt (zentralplus berichtete). Seit Jahren ist die Allmend der Standort der Luga, die ebenfalls einen Lunapark beherbergt – somit ist gegeben, dass die Fahrgeschäfte da aufgestellt werden können. Zudem hat das Schaustellerpaar Zanolla im September bereits in und um die Messe eine Schützenchilbi veranstaltet (zentralplus berichtete).

Josef Moser zeigt sich aber weniger begeistert. Gerade die Tatsache, dass sie bereits Heimat der Luga ist, spricht gegen die Allmend als alternativen Määs-Standort. Zudem sei die Allmend zu wenig zentral. Und auch das gemütliche Ambiente im Grün am See fehle.

2. Direkt nebenan, bei der Frohburgstrasse

Für den SP-Grossstadtrat Mario Stübi hingegen liegt die Lösung direkt vor der Nase: die Frohburgstrasse. Die Strasse zwischen KKL und Universität und das Inseliquai bis zum Hotel Radisson könnte temporär gesperrt werden.

Schaustellerin Lisa Zanolla und ihre Fraktionskollegen der SVP sind von der Idee jedoch nicht begeistert (zentralplus berichtete). Die Strasse sei viel zu eng und biete zu wenig Platz. Gleiches bemängelt auch Josef Moser. Zudem fügt er an, dass der Zubringerdienst dadurch in Bredouille gerate.

3. Ufschötti-Schotterplatz, wo jeweils der Zirkus Monti stattfindet

Ebenfalls um die Ecke findet sich der Schotterplatz bei der Ufschötti. Bei der vom Stadtrat präferierten Inseli-Variante wird vorgeschlagen, den Lunapark dorthin zu verlegen. Auch dieser Platz ist für saisonale Veranstaltungen nicht unbekannt: Hier schlägt jeweils der Zirkus Monti sein Zelt auf.

Wie Moser verrät, hat er die Variante auch in Augenschein genommen. Doch bei der Ufschötti mache die Bodenbeschaffenheit einen Strich durch die Rechnung. Im Untergrund verlaufen zahlreiche Leitungen. Ob dieser teils hohle Boden dem Gewicht tonnenschwerer Fahrgeschäfte standhalte, sei fraglich.

4. Neben dem Bahnhof, vom Theater- zum Europaplatz

Määs-Urgestein Urs Doggwiler schlägt vor, die unsichere Komponente Durchgangsbahnhof als Chance zu nutzen (zentralplus berichtete). Wieso nicht die Määs auf den Bahnhof-, Theater- und Europaplatz verteilen? Gewisse Fahrgeschäfte stehen bereits jetzt vor dem Torbogen.

Josef Moser ist der Vorschlag aber zu unsicher. Gerade um den Bahnhof herum sind derzeit mehrere grössere Umbauten geplant. Neben dem Durchgangsbahnhof zum Beispiel je nach Abstimmungsresultat auch die Velostation. Oder der Neubau des Theaters. Wie viel Platz diese letztlich für die Määs böten, ist unklar.

5. Beim Seetalplatz in Emmen

Kurz nach Bekanntwerden des Inseli-Aus bot die Mitte Emmen an, der Määs in Emmen Asyl zu gewähren (zentralplus berichtete). So beispielsweise beim Seetalplatz und beim N49-Gelände.

Moser räumt zwar ein, dass der Standort logistisch für ihn geeignet wäre. Schliesslich hat er sein Magazin dort beim Rothenring 11. Abgesehen davon findet er den Seetalplatz für die Määs ein No-Go: Mitten im Autolärm, dass sei ein sehr unattraktiver Standort.

6. Auf dem Gelände des Militärflugplatzes Emmen

Um gerade bei Emmen zu bleiben: Wieso nicht auf dem Militärflugplatz? Dass Grossveranstaltungen auf Flugplätzen gut angekommen, beweist Jahr für Jahr das Greenfield Festival in Interlaken. Für zwei Wochen die Flieger mit Karussellen und Zuckerwatte zu tauschen, dürfte auch die dort ansässigen Emmerinnen freuen (zentralplus berichtete).

Doch hierfür hat Moser kein Musikgehör: «Der Militärflugplatz ist zu weit ab vom Schuss.» Albert Schwarzenbach, Stadtkenner und Mitorganisator von der Bildungsmesse Zebi und der Luga, bläst ins gleiche Horn. «Dafür bräuchte es extra organisierte Sonderbusse». Hinzu komme auch die rechtliche Komponente. Ob die Schweizer Armee für Putschi-Autos ihre Flugzeuge im Hangar lässt, ist fraglich.

7. Findet Anklang: die Lido-Parkplätze

Nach all der negativen Kritik gibt es aber trotzdem einen Vorschlag, mit dem Josef Moser leben könnte: Bei der Lidowiese mit den umliegenden Parkplätzen.

«Sollten wirklich alle Stricke reissen, wäre das allenfalls eine Möglichkeit», so Moser. Mit der Lido-Wiese am See ergäbe sich eine ähnlich gemütliche Atmosphäre wie beim Inseli. Wenn man auch das Lido-Gelände verwenden dürfte, könnten die Marktbuden über Nacht eingeschlossen werden. Zudem hat es beim Verkehrshaus einen Bahnhof direkt in der Nähe.

Schausteller wünschen sich alles beim Alten

Nichtsdestotrotz beharrt auch Moser auf dem Inseli. Dass die Määs per se nicht beim Inseli bleiben kann, ist nur die halbe Wahrheit. In der Machbarkeitsstudie werden drei mögliche Varianten für die Initiative skizziert. In zweien davon könnte die Määs samt Lunapark am Inseli bleiben.

Nämlich in der Variante 1 «Grosser Platz» und der Variante 2 «Platz Süd». Beim «Grossen Platz» wird der Betonboden des jetzigen Carparkplatzes komplett durch einen Schotter- oder Kiesplatz ersetzt. Die Initianten der Initiative haben sich jedoch stark dagegen eingesetzt, denn an Grünfläche käme nur ein Fleckchen am Eingang hinzu.

Von den sechs untersuchten Inseli-Varianten sind drei valide. In zweien davon wäre eine Määs beim Inseli immer noch möglich.
Von den sechs untersuchten Inseli-Varianten sind drei valide. In zweien davon wäre eine Määs beim Inseli immer noch möglich, wie eine Grafik in der Machbarkeitsstudie zeigt.

Bei «Platz Süd» kommt es zwischen allen Interessengruppen zu einem Kompromiss. Der asphaltierte Carparkplatz wird ungefähr zur Hälfte begrünt und zur anderen Hälfte in einen Schotterplatz verwandelt. Die Määs hätte hiermit immer noch Platz auf dem Inseli – wenn auch in einer verkleinerten Form. Mit diesem Kompromiss hätte sich auch die IG Luzerner Herbstmesse und Märkte abgefunden: «Lieber etwas kleiner, dafür zentral, als gross und dafür zerstreut oder weit weg», so Moser. Auch die Initiantinnen waren diesem Vorschlag nicht abgeneigt.

Gemäss der Mitteilung des Stadtrats wurde anscheinend aber der Variante «Grünes Inseli» den Vorzug gegeben – also der vollständigen Begrünung. Das letzte Wort in Sachen Määs ist jedoch noch nicht gesprochen. Der Ball liegt momentan beim Stadtrat. In der nächsten Sitzung des Grossen Stadtrat am 17. Februar muss er – sollte es für dieses Traktandum zeitlich reichen – dazu Position beziehen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Schausteller Josef Moser
  • Telefonat mit Albert Schwarzenbach
  • Machbarkeitsstudie zur Umsetzung der «Blechlawine»-Initiative
  • Traktandenliste Sitzung des Grossen Stadtrats 17. Februar
  • Medienberichte von zentralplus
Weitere Quellen
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3 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 11.02.2022, 09:11 Uhr

    Ab in die swisspor-Arena! Der FC Luzern steigt in die Challenge League ab und benötigt dringend weitere Einnahmen.

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  2. Vreni, 10.02.2022, 17:33 Uhr

    Auf Sonneberg

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    1. Erwin Lussi, 10.02.2022, 22:44 Uhr

      Die ALLMEND gehört dem Kanton Zürich…deshalb ist sie tabu für die Luzerner Määs…könnte man meinen…

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter

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