Inseli wird weniger grün

Määs-Initiative: Luzerner Bürgerliche freut’s, Juso tobt

Die Initianten der Määs-Initiative freuen sich: Der Stadtrat stellt sich hinter den Standort Inseli. (Bild: mik)

Die Lozärner Määs soll nun doch auf dem Inseli stattfinden. Damit wird das Gelände nicht so grün wie vorgesehen, sondern zu einem grossen Teil ein Schotterplatz. Sehr zum Unmut der Juso.

2017 jubelte die Juso Luzern noch, als die Luzerner Stimmbevölkerung ihre Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» mit 51,6 Prozent Ja-Stimmen annahm. Gut sechs Jahre später sieht es jedoch anders aus. Zwar startet im Sommer die Zwischennutzung «Universum», womit das Inseli nach langer Wartezeit belebt wird (zentralplus berichtete). Doch der Luzerner Stadtrat empfahl am Dienstag die Määs-Initiative zur Annahme. Und mit dieser werde die Aufwertung des Inselis gemäss der «Blechlawine»-Initiative verunmöglicht, ist sich die Juso in ihrer Medienmitteilung sicher.

Denn: Damit die Määs auf dem Inseli durchgeführt werden kann, ändert die Stadt ihre Pläne zur Umgestaltung (zentralplus berichtete). Statt der Variante «Grünes Inseli» wird das Inseli nun als «Grosser Platz» umgestaltet. Der Carparkplatz wird somit zum Kies- oder Schotterplatz, an Grünfläche kommt nur wenig hinzu.

Kies oder Schotter ist für Juso kein Kompromiss

Für die Jungsozialisten ein No-go. «Nur etwa 300 Quadratmeter mehr Grünfläche sind nicht das, wovon die Bevölkerung wirklich profitiert hätte. So wird die Forderung der Initiative 2017 hintergangen», sagt Juso-Präsident Valentin Humbel auf Anfrage. Es sei absurd, den zwei Wochen Määs Vorrang für die Gestaltung des Inselis zu geben. «Für uns wie auch für den Stadtrat damals war im Rahmen der Machbarkeitsstudie klar, dass die Variante grünes Inseli die beste ist. Sie bietet den grössten Mehrwert für die Luzernerinnen, die den Platz das ganze Jahr brauchen.»

Im Rahmen des Abstimmungskampfs 2017 betonte der damalige Juso-Vertreter und heutige SP-Grossstadtrat Yannick Gauch, dass auch ein Schotter- oder Kiesplatz in Ordnung wäre (zentralplus berichtete). Von diesem einstigen Olivenzweig will Valentin Humbel jedoch nichts mehr wissen: «Der grosse Platz ist kein Kompromiss, sondern eine einseitige Lösung zugunsten der Määs. Dieser kehrt den einstigen Entscheid des Stadtrats komplett um.»

Für die Juso ist deshalb klar, dass sie die Määs-Initiative ablehnen wird. «Wir werden uns nun mit der SP weiter dazu besprechen», kündigt Humbel den nächsten Schritt an. Das Ziel müsse es sein, dass das Juso-Anliegen endlich langfristig umgesetzt werde. Mit dem vom Stadtrat skizzierten Zeitpunkt (2028) wären schon elf Jahre seit Annahme der Initiative vergangen, gibt Humbel zu bedenken.

Initiant von 2017 ist mit Kompromiss einverstanden

Yannick Gauch (SP) hingegen hält nach wie vor an seiner damaligen Meinung fest: «Ich könnte mit dem Kompromiss eines Schotterplatzes leben. Es gibt auch Beispiele von beliebten und belebten Plätzen, die ohne Wiesen klarkommen.» So beispielsweise das Helvetiagärtli. Jedoch akzeptiere er diesen Kompromiss unter der Bedingung, dass die Stadt die bestehende Grünfläche trotzdem erweitert, den Platz entsiegelt und eine alternative Bepflanzung prüft.

Er könne sich beispielsweise eine mobile Begrünung vorstellen, die je nach Bedarf weggeräumt werden kann. Dabei betont er: «Die Platzgestaltung darf nicht nur auf die Määs ausgelegt werden. Den grössten Teil des Jahres findet keine Määs statt. Der Park muss auch dann funktionieren.»

«Es ist keine Frage von links und rechts. Es ist vielmehr eine Herzensangelegenheit und eine Tradition.»

Thomas Gfeller, Komiteemitglied Määs-Initiative

Bei der Gestaltung teilt Gauch die Meinung der Juso, dass das Inseli kein kommerzieller Platz werden soll. «Es soll ein Platz werden, wo sich die Luzernerinnen ungezwungen treffen können.» Er könne sich zwar durchaus vorstellen, dass das Inseli Platz für Quartierfeste, kleinere Kulturveranstaltungen oder Freilufttheater biete. Jedoch in Massen. Das weitere Vorgehen der SP werde jedoch zuerst in der Fraktion und Geschäftsleitung diskutiert. Die Haltung und der Entscheid der SP hänge auch davon ab, wie der Bericht und Antrag nach der Parlamentsdebatte verabschiedet wird. Aus seiner Sicht böte die SP jedoch Hand für einen «gangbaren Kompromiss».

Gemäss Stadtrat ist Forderung der «Blechlawine»-Initiative erfüllt

Laut Baudirektorin Manuela Jost (GLP) basiere der Sinneswandel des Stadtrats auf der veränderten Ausgangslage. Unter anderem beim Durchgangsbahnhof: «Die SBB haben uns zugesichert, dass auch während der Bauzeit eine Määs möglich ist. Das wussten wir vorher noch nicht.» Inzwischen habe die Stadt auch eine Lösung für die Carparkplätze und -haltekanten gefunden. Damit sei auch die zentrale Forderung der damaligen Juso-Initiative erfüllt: «Keine Blechlawine mehr.»

Die Forderung der Erweiterung der Grünfläche könne die Stadt mit einer Annahme der Määs-Initiative nicht erfüllen, da es für die Fahrgeschäfte einen festen Untergrund benötige. «Aber sicher mit grünen Elementen», wie Jost anfügt. Nebst dem Schotterplatz der Variante «Grosser Platz» und der Wiese beim «Grünen Inseli» hätte es auch noch die Variante «Platz Süd» dazwischen gegeben.

Für den Stadtrat war dies trotzdem keine Option: «Das ist ein Kompromiss, der eigentlich niemand befriedigt», so die GLP-Baudirektorin. Der Lunapark wäre nur in sehr eingeschränktem Umfang möglich gewesen. «Lieber machen wir deshalb die volle Variante und schauen, dass das Inseli bei befestigtem Grund attraktiv wird.» Mit der Zwischennutzung «Universum» laufe quasi ein Testlauf, der zeige, was möglich sei. Was aber letztlich während den 48 Wochen ausserhalb der Herbstmesse auf dem Inseli stattfinde, sei noch offen.

Strahlende Initianten

Während die Juso enttäuscht ist, freuen sich die Initianten der Määs-Initiative. So sagt SVP-Grossstadtrat Thomas Gfeller gegenüber zentralplus: «Als wir den Bericht und Antrag erhalten haben, haben wir gesagt: Super, es hat etwas bewirkt.» Er winde dem Stadtrat ein Kränzchen für «seinen Mut, sich jetzt für den Standort Inseli auszusprechen».

Für den Vorwurf der Juso, dass die Määs-Initiative das grüne Inseli hintergehe, hat Gfeller wenig Verständnis. Bereits im Initiativtext habe das Komitee festgehalten, dass eine zusätzliche Begrünung realisiert werden soll, falls möglich. «Wenn nun aber das Konzept aufzeigt, dass die Vergrösserung nicht möglich ist, dann ist das ein Wermutstropfen, den wir akzeptieren müssen.»

Diese möglichen Ersatzstandorte hat die Stadt Luzern geprüft:

Das Komitee beklagt mehr einen anderen Aspekt: Während den Bauarbeiten ist der Bahnhofsplatz nicht nutzbar, wegen Baumschutzmassnahmen bleibt auch auf dem Inseli weniger Platz. Der Lunapark kommt also künftig mit vier bis fünf Fahrgeschäften weniger daher. «Das war uns immer bewusst», so Gfeller. «Wichtig ist aber, dass die Määs auf dem Inseli bleiben kann.» Die skizzierten Ersatzstandorte des Stadtrats seien okay. «Aber als Ersatzstandort, nicht als permanente Lösung.»

Car-Haltekanten dürften noch zu reden geben

Noch nicht ganz zufrieden sind die Initiantinnen hingegen mit den präsentierten Lösungen zu den Carhaltekanten. Zwei sollen beim Inseliquai entstehen, zwei vor dem Bahnhof bei den ehemaligen «Kiss & Ride»-Parkplätzen und zwei bei der Haltekante Z. «Wir sind nicht ganz glücklich mit dieser Situation. Es ist okay, aber es gäbe sich andere Lösungen», so Gfeller.

Fragen wie diese wird der Grosse Stadtrat voraussichtlich in seiner Beratung zum Bericht und Antrag am 29. Juni klären. Am 26. November dürfen dann die Luzernerinnen an der Urne darüber entscheiden. Für die Abstimmung ist Gfeller guter Dinge: «Es ist keine Frage von Links und Rechts. Es ist vielmehr eine Herzensangelegenheit und eine Tradition. Wir sind da sehr zuversichtlich»

Verwendete Quellen
  • Abstimmungsergebnisse 24. September 2017
  • Medienmitteilung Juso Luzern
  • Teilnahme an Medienkonferenz zum B&A Määs-Initiative
  • Bericht und Antrag der Stadt Luzern zur Neugestaltung Inseli
  • Beilage Studie Ersatzstandorte Määs
  • Machbarkeitsstudie Neugestaltung Inseli von 2021
  • Medienmitteilung der Stadt Luzern
  • Persönliches Gespräch mit Manuela Jost, Luzerner Baudirektorin
  • Persönliches Gespräch mit Thomas Gfeller, SVP-Grossstadtrat und Initiant Määs-Initiative
  • Telefonat mit Valentin Humbel, Präsident Juso Luzern
  • Telefonat mit Yannick Gauch, Präsident SP Stadt Luzern und damaliger «Blechlawine»-Initiant
  • Website Määs-Initiative
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