Regionales Leben
SRF-Beizenauswahl sorgt für Kopfschütteln

Luzerner Gastroexperte: «Mini Beiz, dini Beiz geht der Schnauf aus»

Am Montag war die SRF-Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» im Restaurant «Gourm India» an der Baselstrasse in Luzern.

(Bild: Screenshot SRF)

Seit 2014 flimmert die SRF-Gastrounterhaltungssendung «Mini Beiz, dini Beiz» über die Bildschirme – diese Woche wieder im Kanton Luzern. Die Auswahl der Restaurants gibt Anlass zu Spekulationen bei Gastroexperten, die das Format scharf kritisieren. Selbst SRF beklagt sehr viele Absagen von Luzerner Beizen.

Essen ist eine emotionale Sache und sorgt zuweilen für heftige Aufreger – ganz besonders im Fernsehen. Die SRF-Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» war bereits im Juni in Luzern unterwegs und brachte dabei die Kritiker zur Weissglut (zentralplus berichtete). Und auch dieses Mal bleiben sie nicht stumm.

Dabei sind diese Woche «Gourm India», ein indisches Restaurant an der Baselstrasse in Luzern, das Restaurant «Chrüter Chrüz» in Hergiswil bei Willisau, die «Stadt Alp Chäs Chalets» in Emmenbrücke, das «Seehotel Gotthard» in Weggis und das «Gartenhaus 1313» in Luzern.

Kann man eine indische Restaurant-Kette in der Stadt mit einer traditionellen Landbeiz im Luzerner Hinterland vergleichen? «Das ist ein völlig willkürliches Format», ärgert sich Gastroexperte Michael Hostmann vom Kompetenzzentrum für das Gastgewerbe in Kriens. Die SRF-Ausstrahlung sei weder flächendeckend noch neutral.

«In welchem Restaurant schwänzeln die Gastgeber schon die ganze Zeit um die Gäste herum?»

Herbert Huber, Gastroexperte

«Es werden einfach Personen genommen, die sich gemeldet haben», so Hostmann. Das äussere sich nicht zuletzt beim Namen: «Wenn ich Mini Beiz, dini Beiz und dann indisches Restaurant höre, dann ist doch der Sendungstitel bereits falsch gewählt.»

Absagerate von Beizern sehr hoch

In die gleiche Kerbe schlägt auch Herbert Huber, der die Sendung zwar schaut, aber scharf kritisiert: «Ein Gault Millau-Restaurant wie das Seehotel Gotthard Weggis hat einfach nichts zu suchen in dieser Sendung.» Der Gastroberater war jahrelang Wirt vom Goldenen Kreuz in Gerzensee, dem Giessenhof in Dallenwil und der Stanser Linde – er bezeichnet sich selbst als ehemaliger «Beizer». Der 75-Jährige empfindet die Rahmenbedingungen des Tests als realitätsfremd: «In welchem Restaurant schwänzeln die Gastgeber schon die ganze Zeit um die Gäste herum?» Auch die Luzerner Restaurantauswahl des Schweizer Fernsehens SRF sorgt bei Huber für Stirnrunzeln: «Der Sendung scheint der Schnauf auszugehen.»

«Es ist tatsächlich so, dass die Absagerate von Beizern aus verschiedenen Gründen sehr hoch ist.»

Lorena Sauter, SRF-Mediensprecherin

SRF-Sprecherin Lorena Sauter bestätigt Probleme bei der Wirtesuche: «Es ist tatsächlich so, dass die Absagerate von Beizern aus verschiedenen Gründen sehr hoch ist. Deshalb verstärken wir nun das Casting und suchen noch gezielter nach geeigneten Lokalen.» Nicht einverstanden ist man beim SRF hingegen mit der Einschätzung von Huber und Hostmann, edle Küchen hätten nichts zu suchen im Format: «Vom Sternerestaurant bis zum einfachen Dorfrestaurant, von der traditionellen bis zur innovativen Küche, die Bandbreite der möglichen Restaurants und servierten Speisen ist riesig. Da es in der Schweiz eine so grosse Vielfalt von Restaurants gibt, kann es in der Sendung auch vorkommen, dass ein Fünfsternerestaurant dabei ist.»

Angefragt aber abgelehnt

In Rage gerät Gastroberater Huber, wenn er über das Benehmen der teilnehmenden Gäste spricht: «Meist haben sie keine Tischmanieren, ziehen sich nicht dem Restaurant entsprechend an und wissen nicht ein Weinglas anständig zu halten.» Ausserdem fehle ihnen zuweilen die professionelle Haltung: «Die Inkompetenz gewisser Tester ist gross. Sie geben schlechte Noten für Dinge, welche die Küche absolut richtig handhabt. Niemand zeigt die rote Karte.»

«Mini Beiz, dini Beiz ist ein super Marketingtool.»

Moritz Stiefel, Hopfenkranz-Wirt

Dass die Gäste eine Laienwertung abgeben, gehöre zum Konzept: «Bei dieser Sendung handelt es sich explizit um keine Expertenbewertung. Grundsätzlich nehmen wir keinen Einfluss auf die Punktevergabe der Kandidaten», so SRF-Sprecherin Sauter.

Die Gäste im Restaurant 1871.

Sorgten im Juni für böse Zungen: Die Gäste im Luzerner Restaurant 1871.

(Bild: Screenshot SRF)

«Ich wurde bereits angefragt da mitzumachen, habe aber klar abgelehnt», sagt Hopfenkranz-Wirt Moritz Stiefel (zentralplus berichtete). Mini Beiz, dini Beiz ziele auf einen Massengeschmack ab, während er in seinem kleinen Restaurant eher auf eine bestimmte Zielgruppe setzt: «Meine Teilnahme hätte ein falsches Zeichen gesetzt.» Ausserdem sei der Hopfenkranz gut besucht, auf die Aufmerksamkeit durch das Fernsehen sei er glücklicherweise nicht angewiesen. Er könne aber jeden Beizer verstehen, der teilnimmt: «Mini Beiz, dini Beiz ist ein super Marketingtool.»

«SRF sollte Pause machen»

Für Fragezeichen sorgen bei den Brancheninsidern auch die Kriterien für die Restauranttests. Einige wichtige Aspekte spielten eine un­ter­ge­ord­net Rolle, kritisiert Hostmann. Er denke dabei an die Abläufe im Hintergrund, die Zielgruppe des Restaurants oder das Ambiente. Das komme meistens zu kurz bei den Bewertungen. Obwohl aus Sicht von Hostmann grundsätzlich alles miteinander verglichen werden könne, im Fall von «Mini Beiz, dini Beiz» fehle die Aussagekraft des Tests vollständig.

Huber gefällt die Entwicklung von Mini Beiz, dini Beiz gar nicht. «Am Anfang waren echt witzige Restaurants dabei – echte Beizen eben. Inzwischen hat man das Gefühl, dass sie beinahe betteln, damit jemand mitmacht.» Es würde zwar immer «mediengeile» Wirte geben, die mitmachten. Doch Huber wünscht sich weniger Jekami und stattdessen vermehrt originelle Beizen in der Auswahl: «Das SRF sollte mal eine Pause machen und sich auf die Suche nach echten Trouvaillen in der Region machen.»

Doch so schnell wird «Mini Beiz, dini Beiz» nicht von den Bildschirmen verschwinden: «Unser Publikum liebt diese Sendung, die Quoten sind anhaltend hoch, wir sind sehr zufrieden», erklärt SRF-Sprecherin Sauter. Wie bei jeder Unterhaltungssendung entscheidet das öffentlich-rechtliche Fernsehen jährlich über ein Format. Bis Sommer 2018 sind die Termine fixiert.

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