Regionales Leben
EWL baut See-Energie-Netz aus

Luzern: Abrisspläne an der Industriestrasse wirbeln Staub auf

Das Gebäude an der Industriestrasse 16 soll abgerissen werden. (Bild: zvg)

Kaum ist der definitive Entscheid für den Eichwäldli-Abriss gefallen, gibt das nächste Gebäude zu reden. Die EWL will ein altes Haus an der Industriestrasse in Luzern abreissen. Kritiker prangern eine neue «Wohnpolitik mit der Abrissbirne» an – die Besitzer widersprechen.

Die Kritik an Abrissplänen in der Stadt Luzern reisst nicht ab. Inmitten der Diskussion um die Pläne beim Eichwäldli sorgt ein neues Objekt für Gesprächstoff: Das Wohnhaus an der Industriestrasse 16, an der Ecke des EWL-Areals, gegenüber der Gassenküche. Im Gebäude leben mehrere Wohngemeinschaften.

Die IG Industriestrasse kritisiert, dass der städtische Energieversorger EWL als Eigentümer das Gebäude auf Vorrat abreissen wolle. «Obwohl es noch Jahre dauern wird, bis auf dem EWL-Areal gebaut wird, verschwindet nun wertvoller Wohnraum», schreibt die IG in einer Mitteilung. Sie fordert, dass die städtische Baudirektion eine allfällige Abrissbewilligung verweigert.

Auf dem Grundstück, das heute zu einem beachtlichen Teil brachliegt, planen EWL, die Stadt Luzern und die Allgemeine Baugenossenschaft eine grosse Überbauung. Doch weil inzwischen einige Nutzer abgesprungen sind, muss das Projekt nochmals überarbeitet werden – der Baustart verschiebt sich laut Webseite von 2022 auf 2024 (zentralplus berichtete).

EWL klärt ab – und auf

Wieso also wird das Haus an der Industriestrasse 16 abgerissen? Die EWL reagiert überrascht auf die Anschuldigungen seitens der Nachbarn. Auf Anfrage heisst es am Donnerstagabend zunächst, dass dieses Gebäude nicht zum EWL-Areal gehöre und man sich an die Besitzer wenden solle.

Auf Nachfrage von zentralplus – und mit Verweis darauf, dass das Grundstück durchaus der EWL gehört – schaffen die Verantwortlichen am Freitag Klarheit. «Ja, es ist vorgesehen, das Gebäude an der Industriestrasse 16 im April 2021 abzureissen», teilt Mediensprecherin Esther Schmid mit. Von einem Abriss auf Vorrat könne aber keine Rede sein. «Die Fläche wird für logistische Zwecke benötigt, damit EWL die geplanten Bauvorhaben zum Ausbau des ökologischen See-Energie-Netzes planmässig realisieren kann.» 

Mieter müssen Ende März ausziehen

Mit der Zentrale am Inseliquai will EWL dereinst rund 3700 Haushalte mit See-Energie versorgen. Mehrere Gebäude sind bereits am Leitungsnetz angeschlossen und beziehen erneuerbare Energie aus dem Vierwaldstättersee. Die Projekte zum Ausbau der See-Energie-Netze – mit Einbezug der Fläche bei der Industriestrasse 16 – seien wichtige Vorhaben, damit die Stadt Luzern künftig grossflächig mit erneuerbarer Energie versorgt werden könne, betont die EWL.

Die Mieter des Gebäudes seien bereits im Juni 2018 über den geplanten Abriss informiert worden, sagt Esther Schmid. «Zugleich wurde am 15. Juni 2018 ein befristeter Mietvertrag gültig bis 30. September 2019 unterzeichnet.» Aufgrund der Projektverzögerung sei dieser Vertrag dann auf den 30. September 2020 und später nochmals auf den 31. März 2021 verlängert worden. Der Austausch sei konstruktiv, betont die EWL.

Stadt Luzern prüft Abrissgesuch

Für das Gebäude an der Industriestrasse 16 hat die EWL bereits ein Abrissgesuch bei der Stadt eingereicht. Dieses wird zurzeit beurteilt, wie Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) bestätigt. Dass die Behörden es – wie von der IG Industriestrasse gefordert – ablehnen, dürfte unwahrscheinlich sein.

Die Stadt Luzern sei unter dem Aspekt des Klimaschutzes sehr daran interessiert, dass Öl- oder Gasheizungen durch erneuerbare Wärmequellen ersetzt werden. «Das Seewärmeprojekt der EWL wird dabei einen wichtigen Beitrag leisten», sagt Bitzi Staub, die darüber hinaus betont, dass EWL eine privatrechtliche Aktiengesellschaft sei.  

Es geht letztlich ums Eichwäldli

Die Kritik der IG Industriestrasse an einem «Abriss auf Vorrat» läuft diesbezüglich also ins Leere. «Die EWL hätte das gerne auch offen kommunizieren können. Schliesslich ist ihnen bekannt, dass man auf der gegenüberliegenden Strassenseite sehr sensibel ist», sagt IG-Mitglied Marlon Heinrich. Seine Aussage und die Kritik zeugen insofern vom kommunikativ nicht besonders guten Verhältnis mit der EWL – die IG hat vor einigen Jahren bereits massive Kritik am Projekt für das EWL-Areal und am fehlenden Dialog geübt (zentralplus berichtete).

Zum anderen wird deutlich, dass letztlich vor allem der Entscheid des Luzerner Stadtrates für den Eichwäldli-Abriss für Unmut sorgt. «Uns geht es um Grundsätzliches wie die städtische Wohnpolitik, Freiräume und, ja, das Eichwäldli», bestätigt Marlon Heinrich. Die IG Industriestrasse spricht von einem «schnoddrigen Umgang mit Wohn- und Kulturraum» und von «Missachtung des Parlamentswillens durch den Stadtrat».

Ein Vorwurf, der offensichtlich nach wie vor im Raum steht. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) hielt gegenüber zentralplus letzte Woche fest, dass es sich dabei um einen Prüfauftrag gehandelt habe – und der Stadtrat diese Abklärungen seriös getätigt habe. Das neueste Kapitel in dieser Geschichte zeigt indes, dass die Causa Eichwäldli weitere Kreise zieht, als ihm lieb sein dürfte.

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