Regionales Leben
Wegen Covid und tiefen Temperaturen

Langlauf: Betreiber in Zug und Luzern reiben sich die Hände

Das Eigenthal: Mekka von Langläufern und Schneeschuhläufern (Bild: hch)

Coronakonform und günstig: Langlauf hat Hochkonjunktur, gerade in Agglomerationsnähe. Die Benützung der stadtnahen Loipen hilft allerdings ebenso grossen Wintersportorten – die mit dem Geld auch Kunstschnee produzieren.

Es war bisher ein guter Dezember für Freunde des Langlaufs und für Loipenbetreiber: über zwei Wochen Schnee selbst in Lagen um die 700 Meter. In Menzingen oder Unterägeri konnten sich die Sportler austoben – wenn nicht gerade Nachtbuben die Spur zerstörten (zentralplus berichtete).

Schon der vergangene Winter war gut für den Langlauf, wie auch Philipp Hool, Vorstandsmitglied von Pro Eigenthal in Schwarzenberg bestätigt. «Letzten Winter war die Loipe Eigenthal mit 89 Spurtagen im Vergleich zu den vergangenen sechs Wintern um einiges länger offen.» Es gab schon Winter, in denen sie nur 27 Tage lang in Betrieb war.

Viele Anfänger unterwegs

Neben dem Schneereichtum gibt es aber auch noch andere Faktoren, die den Langlaufsport fördern. Einer davon: die Corona-Pandemie. Es gibt beim Freiluftvergnügen kaum Einschränkungen. «Die coronabedingten Einschränkungen beim Alpin-Ski macht Langlaufen als Alternative attraktiv», bestätigt Fredy Abächerli, Loipenchef in Menzingen. Der Sport sei im Trend. «Es sind viele Anfänger zu sehen.»

Zudem ist die Ausübung günstig. Theoretisch ist sie sogar gratis, doch die Loipenbetreiber erheben einen Obulus, um damit die Kosten für die Infrastruktur zu decken. Namentlich für Garderoben, Duschen, WCs und für die Präperation der Loipen, die teuer ist, weil es dafür Maschinen braucht. Menzingen etwa bittet Tagesgäste mit sechs Franken zur Kasse, ein Saisonbillet kostet 40 Franken. Der Preis hat bei den Gebieten in der Nähe von Zug und Luzern auch nicht aufgeschlagen.

«Das System ist fair und transparent.»

Fredy Abächerli, Loipengruppe Menzingen

Sehr wohl aber beim schweizerischen Loipenpass, der heuer 160 statt 140 Franken kostet – also um mehr als 10 Prozent teurer ist als im Vorjahr. Was dazu einlädt, sich die Einnahmen daraus und ihre Verteilung genauer anzuschauen.

Es gilt nämlich nicht einfach Gegenrecht unter den Loipenbetreibern, welche die Langlaufpässe in ihrem Umfeld verkaufen. Die kleineren Gebiete liefern davon 50 Franken in einen gesamtschweizerischen Pool ab, weitere 5 Franken gehen in einen Techniktopf, 3 Franken werden für die Administration fällig und 1 Franken geht an den nationalen Langlaufnachwuchs.

Die Kleinen zahlen an die Grossen

Pikant daran ist, dass erstens die grossen Langlaufgebiete an den Pool wesentlich weniger abliefern müssen. Dass sie zweitens aus dem Pool grössere Beiträge erhalten, weil damit die Güte der besseren Infrastrukturen abgegolten wird. Und schliesslich, dass sie im Gegensatz zu den kleinen und niedrig gelegenen Gebieten, die keine Schneekanonen haben, auch Geld aus dem Techpool erhalten, um damit künstlichen Schnee zu erzeugen oder Snowfarming zu betreiben.

Überspitzt gesagt unterstützt der Hobbysportler aus der Agglo, der seinen Pass bei der nächstgelegenen Kleinloipe kauft, so die grossen Wintersportorte in den Bergen, die ihre Saisons teils auf wenig nachhaltige Weise verlängern können.

Dennoch sind die Loipenbetreiber aus der Umgebung von Zug und Luzern mit der Regelung zufrieden. «Die Loipengruppe des Skiclubs Menzingen ist seit Beginn Mitglied bei der Loipenorganisation Langlauf Schweiz», sagt Fredy Abächerli. «Für uns ist die Mitgliedschaft interessant.» Die Benutzerzahlen stiegen jährlich. «Seit dem Jahr 2012, wo wir das Loipenfahrzeug ersetzten und seither die Loipe mit Fräse nachglätten können, steigt auch die Anzahl verkaufte Loipenpässe stetig an.»

Natürlich unterstütze man durch den Kauf eines Langlaufpasses auch die grossen Loipenbetreiber, die aber im Verhältnis geringere Zahl von Pässen verkauften. «Wir als verhältnismässig kleine Loipe mit eher kleinem Aufwand schreiben in guten Jahren Gewinne. So können wir Reserven für Ersatzanschaffungen bilden.» Das System sei fair und transparent.

Erfahrung führte zu Kompromiss

Philipp Hool von Pro Eigenthal erklärt den Hintergrund. Vor Jahren habe es bereits schweizweit einen Langlaufpass mit einem einheitlichen Preis gegeben, aber noch kein Pool. Höher gelegene Orte wie etwa im Engadin oder Goms verzeichneten in schneearmen Jahren im Unterland vermehrt Langläufer aus diesen Gebieten. Die ihren Pass zu Hause bereits gekauft hatten und gratis im Engadin oder Goms die Loipen benützten, ohne die dortigen Organisationen zu unterstützen. Also entstand die Idee der Umverteilung der Einnahmen über die Pools. «Eine für jede Organisation gerechte Verteilung wird es nie geben können», sagt Hool. Aber die jetzige Lösung sei optimal.

Zum Preisaufschlag meint er. «Der alte Preis galt seit 2015.» Für 160 Franken in der ganzen Schweiz einen ganzen Winter langlaufen zu können, «darüber wird sich wohl niemand beklagen dürfen.» 

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