Regionales Leben
Brauerei Hinter Musegg experimentiert

Hui oder Pfui? So schmeckt Glühbier aus Luzern

Glühwein dürften die meisten kennen, auch Glühgin ist auf dem Vormarsch. Beim Kulturhof Hinter Musegg in Luzern wagen sich die Brauereimeister an ein neues Getränk: Glühbier. Das erfreut auch Nicht-Bier-Trinker – und geht gleichwohl nicht in Massenproduktion.

Es ist eisig kalt, als wir uns zu Fuss auf den Weg zum Hof Hinter Musegg machen. Wir nehmen die steif gefrorenen Finger aber in Kauf, denn uns wurde eine wärmende Stärkung in Aussicht gestellt: selbstgebrautes Glühbier.

Auf dem Hof treffen wir nebst neugierigen schottischen Hochlandrindern auf Walter Fassbind. Er lebt zusammen mit seiner Frau Pia seit 21 Jahren auf dem Hof. An diesem kalten Wintermorgen ist er in der Hofbrauerei beschäftigt. Zusammen mit seinem Nachbar und Braumeister Werner Maisch probiert er gerade das neuste Glühbier-Rezept aus.

Getreu nach dem Motto: Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon. Ein festes Rezept haben die beiden nicht, vielmehr arbeiten sie nach Gefühl, dosieren die Zutaten nach eigenem Ermessen – und nach dem Geschmack des Endprodukts.

Glühbier aus Eigenanb(r)au

Für Glühbier braucht es – wenig überraschend – Bier. Dieses hat Fassbind glücklicherweise griffbereit, auf dem Hof wird nämlich schon seit Jahren Bier in Kleinmengen gebraut. Sechs Sorten stellen Fassbind und Maisch in der hofeigenen Brauerei her. Benannt wurden sie nach den Türmen der Museggmauer. Wer ein naturtrübes Pilsner haben möchte, bestellt hier ein «Nölli»; wem eher ein dunkles Lager mundet, wählt das «Luegisland».

Für das aktuelle Projekt kommt aber ein anderer Gerstensaft zum Einsatz: «Für das Glühbier verwenden wir unser ‹Mannli›, ein Amber», erklärt Fassbind und zeigt uns ein Flakon mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Zwar heisse es oft, für Glühwein brauche man nicht den hochwertigsten Wein, aber man merke eben doch einen Unterschied zwischen billigem Wein und Qualitätsware, so der Fachmann. Dieser Mentalität folgt Fassbind auch beim Glühbier und setzt auf das Selbstgebraute.

Hof Hinter Musegg wird zum Labor

Die drei Tanks der Hofbrauerei fassen insgesamt rund 600 Liter Bier. Ganz so viel braucht Fassbind für die Wintervariante nicht. Er produziert vorneweg in einer bescheiden grossen Pfanne. Wie viele Versuche Maisch und er schon hinter sich haben, kann er nicht sagen, aber: «So schnell geben wir uns nicht zufrieden.» Für ihr Glühbier verwenden Fassbind und Maisch nur Bio-Zutaten, ganz nach dem Kredo des Hofbetriebs (zentralplus berichtete). In die Pfanne wandert nebst Zimtstangen und Ingwer auch Zitronensaft. Und wie schmeckt das Resultat? «Sie sind gerade im richtigen Moment vorbeigekommen», sagt Fassbind und reicht uns eine Tasse zur Degustation.

«Glühbier, wie auch Glühwein, kann man nicht im Voraus zubereiten. Die müssen frisch vor Ort gemacht werden.»

Walter Fassbind, Hof Hinter Musegg

An dieser Stelle muss sich der Autor outen. Er mag kein Bier. So gar nicht. Weder herb noch trüb noch klar noch extramalzig oder sonst wie. Aber, und jetzt kommt die überraschende Wendung, Glühbier mundet ihm. Zumindest Fassbinds und Maischs Version. Der Biergeschmack grüsst zwar flüchtig im Abgang, ansonsten ist das Glühbier eine spannende Alternative für alle, denen Glühwein zu langweilig und Glühgin zu hart ist.

Glühbier aus Luzern ist eine einmalige Sache

In Massenproduktion wird das Gebräu aber nicht gehen, erklärt uns Walter Fassbind. Das tun allerdings keine der Produkte, die auf dem Kulturhof hergestellt werden. Sowohl die Biere als auch die anderen Hofprodukte wie Fleisch, Früchte und Gemüse werden einzig im hiesigen Hofladen und Restaurant angeboten.

Das Glühbier ist eine noch seltenere Angelegenheit. Der Hof Hinter Musegg braut es exklusiv für den bevorstehenden Event «Glühweinrausch», der an den ersten drei Dezemberwochenenden auf dem Kulturhof stattfindet. Hier wird nebst der malzigen Winterkreation auch regulärer Glühwein angeboten. Hinter dem Event steht ein junges Team von weinbegeisterten Unternehmern, mit denen zentralplus auch schon angestossen hat.

Ob die beiden Bierbrauer vom Hof Hinter Musegg sich mit der aktuellen Rezeptur zufriedengeben, ist noch nicht klar. Trotz aller Experimentierfreude: Unter Zeitdruck kommen sie deswegen sowieso nicht, denn viel Vorarbeit können die Bierbrauer nämlich nicht leisten. «Glühbier, wie auch Glühwein, kann man nicht im Voraus zubereiten. Die müssen frisch vor Ort gemacht werden. Nur so schmeckt es am besten.»

Willst du dich selbst an einem Glühbier versuchen?

Hier ist eines von zahlreichen Rezepten, mit dem du dein Glühbier-Glück versuchen kannst:

  • zwei Flaschen dunkles Bier à 33 cl
  • 2 dl Kirschsaft oder Orangensaft
  • 2 Zimtstangen
  • 2 Nelken
  • 1 Zitrone oder Orange
  • 1 Sternanis
  • Wer es süsser mag, kann noch 4 TL Rohrzucker hinzugeben

Die Zutaten in einen Topf geben und erhitzen – nicht kochen! – und vor dem Trinken durch ein Sieb geben.

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