Hinter den Geleisen liegt eine Strasse voller Luzerner Eigenbrötler
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Abwart und TV-Team: Nicole Bircher (36), Bruno Eberli (73) und Stefan Hänni (43).
(Bild: Stefan Peter)Wer Felsental hört, denkt an dunkle Schluchten und grüne Wiesen. Doch die kleine Sackgasse mit dem lauschigen Namen ist die kreativste Meile der Stadt Luzern. Wo die stillgelegte Dietschibergbahn ruht, wird seit Jahrzehnten fleissig gearbeitet.
Bruno Eberli ist die gute Seele des Felsentals: Seit einem Jahrzehnt schon wischt der Abwart dort mit dem leisen Reisigbesen, um «die Ruhe nicht zu stören». Denn die laute Stadt ist nah, und das knappe Dutzend Mieter will kreativ sein, sich in der abseitigen Sackgasse unweit des Sees inspirieren lassen.
Im Felsental arbeiten eine Yogalehrerin, eine Mallehrerin, eine Hundecoiffeuse, eine Gesundheits- sowie eine Beautystudio-Besitzerin, je zwei Designer, TV-Macher und Fotografen. Es herrscht reges Treiben. Ein sehr kreatives Treiben.
(Bild: Stefan Peter)
«Früher waren hier die Werkstätten der alten Hotels eingemietet», erklärt Abwart Eberli, der in einem anderen Leben in Luzern den Laser-Disc-Musikladen geführt hat.
(Bild: Stefan Peter)
Aber auch heute noch finden sich hier Möbelmacher wie der Metallbauer Gregor Stritt. Er betreibt ein Unternehmen namens Güterstrasse oder Holzdesigner Christoph Steiger. Passt nicht schlecht hierher: Die zwei Designer befinden sich am Ende des Tals und suchen aus ihren düsteren Ateliers immer wieder den Weg nach draussen.
(Bild: Stefan Peter)
«Die beiden Chnuschtis, wie wir sie liebevoll nennen, holen sich oft den Kafi bei uns», sagt TV-Frau Nicole Bircher. Die für die «Landuf, landab»-Serie zuständige Moderatorin ist seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Geschäftspartner Stefan Hänni im Felsental eingemietet, wo sie auf knapp 100 Quadratmetern ein Videoproduktions-Atelier betreibt.
(Bild: Stefan Peter)
Die meisten sind in ähnlich grosse Ateliers eingemietet. Der Unterschied: Nebst modernstem Equipment haben die Fernsehmacher vor allem eine äusserst beliebte Espressomaschine.
«Hinter den Geleisen sind wir eine Art nostalgische Durchgangsstrasse.»
Nicole Bircher, TV-Moderatorin
Die Produzenten der Luzerner Koch-Dating-Sendung «Montana Kitchen Date» (zentralplus berichtete) sind sehr glücklich, hier arbeiten zu dürfen, denn die Nachbarschaft sei inspirierend und die Miete erschwinglich. «Und jeder hat einen eigenen Eingang zum ungestörten Arbeiten», so Nicole Bircher.
Viel Italianità
Wenn sie ihren Bekannten und Geschäftspartnern die Felsental-Adresse angibt, würden die meisten an ein Schattenloch denken, erzählt sie. «Dabei sind wir hinter den Geleisen der Dietschibergbahn doch eher eine Art nostalgische Durchgangsstrasse. Allerdings mit viel Italianità: Unser Sozialleben spielt sich bei gutem Wetter oft vor der Türe ab.» Kein Wunder, nennt Bircher selber das Felsental «Kreativstrasse».
(Bild: Stefan Peter)
Es sei erstaunlich, dass man einen dermassen guten Zusammenhalt habe, sagt auch Stefan Peter, Fotograf und Webdesigner, der zusammen mit Vanessa Ineichen seit zwei Jahren sein Studio hier hat. «Wir sind zwar eigentlich alle Eigenbrötler. Aber wir verstehen uns so gut, dass wir beispielsweise gemeinsam kochen oder auch mal Fussball gucken», sagt der Fotograf, der auch die Porträts für diese Geschichte machte.
(Bild: Stefan Peter)
Die Luzerner Malerin Cornelia Castelli aus der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Designer-Familie Castelli (mit Cornelio und Luciano), gibt hier Malkurse, wenn sie in ihrem Atelier nicht selber zum Pinsel greift.
Einst war die quirlige Frau ein bunter Hund in der Luzerner Hippieszene, heute mischt sie mit ihrem Fotorealismus auf grossen Tableaus und ihrem sonnigen Temperament das Felsental auf.
(Bild: Stefan Peter)
Nebenan arbeitet Monica Elmiger, die in ihrer Praxis Craniosacraltherapien anbietet und Wochenkurse gibt mit der Franklin-Methode, mit der sie Menschen durch bewusstes Bewegen wieder in Balance bringt.
«Das Felsental darf als Kraftort bezeichnet werden.»
Hildegard Moser, Raumstylistin
Monica Elmiger ist auch aus einem anderen Grund gerne hier: «Weil es wunderbar ruhig ist, naturnah und weil eine besondere Kraft von diesem Ort ausgeht. Ein Experte, Sohn einer Klientin, bestätigte durch Messungen, dass das Felsental tatsächlich als Kraftort bezeichnet werden darf.»
Nebenan ist Hildegard Moser seit 2004 hier in ihrem Nagelstudio tätig. Sie arbeitet ausserdem als «ordnende Hand», denn Moser ist auch Raumstylistin.
(Bild: Stefan Peter)
Gärtner Jörg Birrer, der im hintersten Gebäude am Ende des Felsentals sein Lager hat, kann sich noch an die alten Zeiten erinnern. Es waren auch damals Zeiten der Handwerker.
Eisblöcke der Brauerei Eichhof
Und es waren für Birrer abenteuerliche Jahre, als er im Kindesalter noch in jenem Stollen spielte, in dem die Brauerei Eichhof die riesigen Eisblöcke aufbewahrte. Diese hatten die Brauer aus dem Rotseeeis geschlagen. «Einige Häuser gehörten den Hotelbesitzern Glanzmann, die damals ‹Gütsch› und ‹Tivoli› betrieben», so Birrer. Es gab einen Elektriker, einen Schreiner und einen Sattler.
(Bild: Stefan Peter)
Die Strassenputzer der Stadt hatten hier einst ebenso ihr Lager, auch die Mercedes-Garage Ottiger, die 1936 ihre Werkstatt hier erweiterte. Und dann kam die Dietschibergbahn in den 60er-Jahren. Doch deren Betrieb wurde nach einem Brand des Restaurants auf besagtem Berg im April 1978 eingestellt.
Modelleisenbahn entlang dem Spazierweg
Einer der drei Brüder der Familie Oswald, die lange Zeit den Golfplatz Dietschiberg betrieb, war Ingenieur bei den SBB. «Er baute in seiner Freizeit eine Modelleisenbahn, die einst bei den heutigen Parkplätzen am Spazierweg entlangfuhr», erinnert sich Jörg Birrer.
«Hier arbeiten allesamt gmögige Leute.»
Jörg Birrer, Gärtner
Wenn er alte Anekdoten erzählt, lacht er viel, der gesellige Gärtner. Er kommt gerne ins Felsental. «Hier arbeiten allesamt gmögige Leute, mit denen ich gerne einen Schwatz halte. Und hier kann ich auch mal am Samstag einen Nagel einschlagen, ohne dass die Bewohner gleich aufmupfen.»
(Bild: Stefan Peter)
Anita Süess, die schon elf Jahre ihr Yogastudio am Eingang des Felsentals hat, lobt: «Die ruhige, charmante und grüne Atmosphäre erlaubt es, den Alltag leicht hinter sich zu lassen.»
Der Hundesalon Bamba von Eliane Huber bildet den hinteren Teil der Strasse. Beide arbeiten glücklich im Felsental.
Die diplomierte Tierarztgehilfin und Hundecoiffeuse Huber sagt mit breitem Lachen: «Alle meinen, das Felsental sei auf dem Lande – weit gefehlt. Aber grün ist es ja durchaus hier bei uns!»
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