Regionales Leben
Einwegmasken und Take-away-Reste

Güsel-Sünder auf dem Vormarsch: Die Agglo Luzern wird immer dreckiger

Littering in Luzern – ein Problem, das zum Himmel stinkt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Einwegmasken sind mittlerweile nicht nur im Gesicht ein gewohnter Anblick, sondern auch als Abfall auf dem Boden. Ein Blick auf einzelne Gemeinden zeigt: Wir haben ein Abfallproblem – und Corona trägt eine Mitschuld.

Die Gemeinde Emmen hat ein Littering-Problem: «Ich stelle fest, dass sich die Situation nun massiv verschlechtert hat», schreibt der unabhängige Politiker Paul Jäger in einem Vorstoss. Darin fordert er den Emmer Gemeinderat auf, die Luzerner Polizei um eine rigorosere Anwendung des Bussenkataloges zu bitten. Zudem sollen Sensibilisierungsmassnahmen eingeleitet und vermehrt auf Videoüberwachung gesetzt werden.

Philipp Bucher, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Emmen, bestätigt eine Häufung von Abfall im vergangenen Jahr – vor allem während den Sommermonaten. «Die Menschen sind letztes Jahr deutlich weniger verreist und haben die Sommerferien stattdessen in der Region verbracht», so Bucher.

Pilotprojekt mit Flüchtlingen

Zuletzt habe man vor allem an Wochenenden eine Häufung von Vandalismus und Littering auf öffentlichen Schularealen beobachtet – weswegen die Gemeinde Anfang Februar ein dreimonatiges Pilotprojekt mit dem «Team blitzblank» des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH Zentralschweiz gestartet hat. Im Programm sollen aufgenommene Flüchtlinge an Wochenenden ausgewählte Emmer Schulplätze von grobem Abfall befreien und die Kehrichteimer leeren.

«Es kann nicht sein, dass Flüchtlinge den Wohlstandsdreck unserer Einwohnerinnen und Einwohner räumen müssen.»

Paul Jäger, Postulant

Während Bruno Odermatt, Leiter des Bereichs Immobilien bei der Gemeinde Emmen und Mitinitiator, ausführt, dass «die Teilnehmenden eine sinnstiftende Arbeit leisten», die ausserdem bei der Integration und Förderung ihrer sozialen und beruflichen Kompetenzen helfen soll, fordert Postulant Paul Jäger eine sofortige Einstellung dieses Projekts.

«Dieser Einsatz wirft ein schlechtes Licht auf die Gemeinde, denn es kann nicht sein, dass Flüchtlinge den Wohlstandsdreck unserer Einwohnerinnen und Einwohner räumen müssen», schreibt er. Ob die Gemeinde auf Jägers Forderung eingeht, wird sich zeigen. Die Beantwortung des Postulats steht noch aus.

Ob achtlos weggeworfen oder aus der Tasche gefallen: Einwegmasken prägen mittlerweile das Strassenbild. (Bild: chb) (Bild: )

Gesamthaft hat sich in der Gemeinde Emmen die öffentliche Abfallmenge – Littering inbegriffen – 2020 im Vergleich zum Vorjahr von 53,2 Tonnen auf 98,8 Tonnen fast verdoppelt. «Die Abfalltouren des Werkdienstes wurden denn auch während des Sommers 2020 ausgeweitet – vor allem an den Wochenenden.»

Mehr Abfall auch in der Stadt Kriens

In der Stadt Kriens herrscht ein ähnliches Szenario: «Es liegen tendenziell mehr Take-away-Abfälle und Einwegmasken herum», bestätigt Benedikt Anderes, Informationsbeauftragter der Stadt Kriens auf Anfrage. Dies liege auch daran, dass Schulklassen pandemiebedingt keine Aufräumaktionen im Rahmen der Aktion «Suubers Chriens» durchführen.

Die Stadt plant zwar eine grössere Sensibilisierungskampagne zum Thema. Diese kann sie aber aufgrund des fehlenden Budgets noch nicht starten. Bis dahin müssen sporadisch an häufig frequentierten Orten wie Feuerstellen aufgestellte Informationsplakate reichen.

Auch in Kriens werden Littering-Verstösse nicht systematisch erfasst. Im letzten Jahr wurden gemäss Anderes aber insgesamt 5085 Tonnen an brennbarem Abfall gesammelt – inklusive Abfällen von Betrieben. Das sind rund 181,5 Kilo pro Einwohner.

Stadt Luzern kämpft gegen illegale Entsorgung

Bei der Stadt Luzern sieht man keine explizite Häufung von Littering seit dem letzten Jahr – von einzelnen Spitzentagen abgesehen (zentralplus berichtete). Die Abfallmenge steigt bereits seit Jahrzehnten. Florian Aschbacher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt, sagt: «Das Leben verschiebt sich vermehrt in den öffentlichen Raum.» Das sei in der Abfallthematik klar sichtbar.

So kann eine achtlos hingestellte Bierdose schon ein Anreiz sein, sich zu einer angehenden Bierdeponie zu entwickeln. Und die Einwegmasken? «Die Maskenthematik ist zwar spürbar, aber nicht einschneidend», so Aschbacher. Ein grösseres Problem sei nebst dem Abfall durch Take-away-Verpackungen vor allem der illegal entsorgte Abfall.

«Wer entsorgen will, kann das auch – manchmal muss man dafür vielleicht 100 Meter laufen.»

Florian Aschbacher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt Stadt Luzern

Die Stadt Luzern geht mit verschiedenen Kampagnen gegen das Problem vor. So mit Plakatkampagnen oder der Aktion «Luzern glänzt». Wichtig ist laut Aschbacher, dass man die Botschaft auf eine humorvolle Art und ohne erhobenen Zeigefinger übermittelt. Mit rund 1'000 Abfallkübeln auf städtischem Grund ist auch die Infrastruktur ausreichend, findet Aschbacher. «Wer entsorgen will, kann das auch – manchmal muss man dafür vielleicht 100 Meter laufen.»

Keine klaren Zahlen zu Littering

Über alle Bereiche hinweg kommen in der Stadt Luzern rund 18'000 Tonnen Abfall pro Jahr zusammen. Davon stammen etwa 1'500 Tonnen vom öffentlichen Grund – also Abfallkübeln oder eben Littering auf Strassen, Wiesen und dergleichen.

Und wie viele Littering-Sünder hat der Kanton? Die Luzerner Polizei kann dazu keine klare Antwort geben: «Littering ist ein Ordnungsbussentatbestand. Die Luzerner Polizei veröffentlicht keine Statistiken zu einzelnen Ordnungsbussentatbeständen», heisst es auf Anfrage.

Bussen nach Gewicht

Aber: Ein Blick in die Bussenliste des Kantons gibt Aufschluss darüber, womit Abfallsünder rechnen müssen, wenn sie von der Polizei erwischt werden. Für das Zurücklassen von kleineren Gegenständen wie Zigarettenstummel, Getränkedosen – oder eben Schutzmasken – werden 40 Franken fällig.

Danach wird pro Gewicht stufenweise auch die Strafgebühr höher. Während liegengelassener Abfall bis 5 Liter mit 80 Franken noch relativ moderat gebüsst wird, fallen für Mengen ab 17 Liter 150 Franken an. Für Mengen zwischen 60 und 110 Liter gar 300 Franken.

Randnotiz für städtische Wildpinkler: Das Verrichten der Notdurft innerhalb von bewohntem Gebiet schlägt mit 80 Franken aufs Portemonnaie. Hat zwar nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, sollte aber als Warnung funktionieren.

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