Mehrere Events für Innenstadt geplant

Bratwurst statt Beton: Geschäfte beleben Bahnhofstrasse Zug

Haben die «Summer Line» und den Weihnachtsmarkt an der Bahnhofstrasse ins Leben gerufen: Silvio Bischof, Chantal Jenny und Pascal Nussbaumer. (Bild: Pirmin Ulrich, PIRIPIXX Fotografie)

Die Bahnhofstrasse ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in der Stadt Zug – aber keine besonders attraktive. Nun soll das Gebiet auch abseits des Verkehrs belebt werden. Darum kümmern sich unter anderem ansässige Geschäfte.

Die Bahnhofstrasse in Zug gehört zu den bekanntesten Orten in der Stadt. Sie verbindet das Gebiet vom Bundesplatz bis zum Postplatz und beheimatet zu beiden Seiten eine Vielzahl von Geschäften und Gastro-Betrieben. Die viel befahrene Strecke ist seit Jahren ein Diskussionspunkt in der Stadt. Während die Städte Luzern und vor allem Zürich eine sehr belebte Bahnhofstrasse haben, kommt sie in Zug relativ schmucklos daher. Mehrere ansässige Geschäfte wollen das Gebiet deswegen für Fussgängerinnen und Flanierer attraktiver gestalten.

Im vergangenen Sommer setzte beispielsweise ein Trio auf ein Streetfood-Festival im Kleinformat. Silvio Bischof, Inhaber des Concept-Stores «LesDeux Men», Marketingfachfrau Chantal Jenny sowie «Grand Café»-Teilhaber Pascal Nussbaumer veranstalteten die «Summer Line», ein dreitägiges Festival bestehend aus zehn Ess- und Getränkeständen entlang der Bahnhofstrasse. Die Veranstalter waren damals offen, in diesem Jahr eine zweite Ausgabe zu planen (zentralplus berichtete).

Kleineres Alternativprogramm für Zug

Eine Nachfrage von zentralplus zeigt, dass es zumindest heuer keine Ausgabe der «Summer Line» geben wird. Zwar sei der Anlass geschätzt, allerdings nicht so gut besucht worden, wie Silvio Bischof von der LesDeux-Men-Boutique. «Es war ein Sommer, an dem andernorts schon sehr viel gelaufen ist», sagt er. Er bezieht sich unter anderem auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Pratteln, das zeitgleich stattfand und fast 400'000 Besucherinnen anlockte.

Im Sommer 2022 fand an der Bahnhofstrasse ein kleines Streetfood-Festival statt – organisiert von ansässigen Geschäften. (Bild: Pirmin Ulrich, PIRIPIXX Fotografie)

Ganz ohne Event soll die Bahnhofstrasse aber auch diesen Sommer nicht auskommen müssen. Statt eines Streetfood-Festivals organisiert das Trio eine kleinere Alternative. Was konkret geplant ist, kann Bischof derzeit noch nicht sagen. Auch das Datum steht noch nicht fest.

«Es braucht eigentlich nicht viel, um die Leute zum Verweilen zu bringen», sagt Silvio Bischof. Der Duft einer saftigen Bratwurst, der von weither lockt, ein paar Sitzgelegenheiten und Pflanzen fürs Gemüt. «Das Grün fehlt an der Bahnhofstrasse schon.» Darum arbeitet das Team für ihre Projekte mit der Gärtnerei Schönenberger zusammen, welche mit Blumenkisten, Bambusstauden und im Winter mit Tannenbäumen zumindest temporär für ein gemütlicheres Ambiente in der betonlastigen Strasse sorgt.

Zu wenig Grünzeug auf der Bahnhofstrasse

Denn die Begrünung der Bahnhofstrasse ist in der Stadt Zug ein gern diskutiertes Thema. Nachdem die Strasse 2003 bei der Verlegung von Werkleitungen von Bäumen grossmehrheitlich «befreit» wurde, präsentiert sich die Bahnhofstrasse seither in einem eher tristen Beton-Look. Das sorgte für Kritik. Die Stadt Zug ist sich dieser Sache bewusst. «Heute würde die Planung angesichts der klimatischen Veränderungen schonender, ohne den gänzlichen Verzicht auf Bäume erfolgen», schreibt Dieter Müller, Mediensprecher der Stadt Zug.

Die Bahnhofstrasse in der Stadt Zug. (Bild: Andreas Busslinger)

Allerdings sei die Bahnhofstrasse in Zug vor allem eine Zentrums- und Einkaufsstrasse, so Müller. «Hier steht das Zirkulieren im Vordergrund und nicht in erster Linie das Verweilen.» Dazu seien andere Orte wie das Seeufer oder Plätze in der Innenstadt vorgesehen. «Trotzdem ist die Bahnhofstrasse für viele Stadtbewohnerinnen und Besucher eine wichtige Einkaufsstrasse von Zug.» Mit einer guten Mischung aus Boulevardcafés und einer Auswahl an Detailhandelsgeschäften bestimme sie einen Teil des urbanen Lebensgefühls von Zug.

«Es ist deshalb wichtig, dass die Eigentümerinnen und Geschäftsinhaber an der Bahnhofstrasse sich dessen bewusst sind und dazu beitragen, die Urbanität zu erhalten», sagt Müller. Junge neue Geschäfte wurden eröffnet. Eine neue Generation von Händlern setze sich für dafür ein, dass gemeinsame Aktivitäten umgesetzt werden können und die Strasse damit eine lebendigere Ausstrahlung entwickeln kann. So wie es Silvio Bischof, Chantal Jenny und Pascal Nussbaumer tun.

Alles anders mit der Ortsplanung?

In den kommenden Jahren soll ausserdem im Rahmen einer Revision der Ortsplanung geprüft werden, wie sich das Zentrum der Stadt Zug in den nächsten 10 bis 15 Jahren entwickeln könnte – vor allem in verkehrstechnischer Hinsicht. Diskutiert wird beispielsweise das aktuell geltende Einbahnregime an der Bahnhofstrasse. Bis hier eine allgemein verträgliche Lösung gefunden wird, dürfte noch viel Wasser die Lorze hinabfliessen (zentralplus berichtete).

Verschiedene Seiten kritisierten früher auch die an die Bahnhofstrasse angrenzende Betonfläche beim Postplatz. Heute gewinnt der Platz vor allem durch die Gastronomie-Aussenflächen des ansässigen Café Plaza und des Restaurant Più an Lebendigkeit (zentralplus berichtete). Für Diskussionen sorgt indes noch die Verkehrslage vor Ort. Zwischen Restaurant und Aussenfläche führt nämlich eine Strasse hindurch, was besonders für das Servicepersonal gefährlich werden könnte (zentralplus berichtete).

Beizentische und mehr Grünflächen sorgen auf dem Postplatz für sommerliche Atmosphäre. (Bild: keg)

Die Stadt Zug begrüsst eine belebte Bahnhofstrasse

Dass die Innenstadt lebendiger wird, ist auch im Sinne der Stadt. «Initiativen, welche zur Belebung der Innenstadt beitragen, sind sehr zu begrüssen, besonders, wenn sie direkt von Geschäftsbetreibern aus kommen», schrieb Stadtrat Urs Raschle im vergangenen Jahr in einer Medienmitteilung. Ein Wunsch, dem Silvio Bischof von der LesDeux-Boutique gern nachkommt. «Wir sind im regen Austausch mit der Stadt», sagt er. Derzeit stehen nebst dem aktuellen Sommerprojekt verschiedene weitere Ideen im Raum, auch von anderen Initianten.

Die Motivation, mit der die Boutique und das Restaurant zu Werke gehen, steckt auch die umliegenden Betriebe an. «Die anderen Läden begrüssen solche Projekte», sagt Silvio Bischof. Einige bieten aktiv ihre Hilfe an oder unterstützten das Team mit Sponsoring. «Gut möglich, dass andere Läden künftig mit eigenen Ideen dabei sind.» An der Bahnhofstrasse sehe man sich nämlich nicht als Konkurrenten.

Zug hat Programm bis Weihnachten

Selbst wenn die Unternehmen an der Bahnhofstrasse diesen Sommer keinen grösseren Sommer-Anlass planen, schalten sie im Winter wieder einen Gang höher. Für die Weihnachtstage vom 12. bis 17. Dezember ist die dritte Ausgabe des «X-MAS Line» geplant, einem Weihnachtsmarkt an der Bahnhofstrasse. Dieser fand erstmals 2021 statt und hat sich mittlerweile als festes Kleinformat im Zuger Weihnachtsgeschäft etabliert. Obwohl die Weihnachtszeit noch in weiter Ferne ist, laufen die Planungen hierzu bereits jetzt. «Das Gesuch wird demnächst eingereicht, die Hütten sind reserviert», so Silvio Bischof.

Bevor der Glühwein aufgewärmt und die Weihnachtskerzen angezündet werden, finden in der Stadt Zug bereits im Sommer Anlässe statt. Beispielsweise die Wassershow «Zug Magic», die im Juli mit einem Wasser- und Lichtspektakel im Stile des Hotels Bellagio in Las Vegas aufwarten will.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher und telefonischer Austausch mit Simon Bischof, LesDeux Men
  • Schriftlicher Austausch mit Dieter Müller, Leitung Kommunikation Stadt Zug
  • Website der Stadt Zug
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1 Kommentar
  • Profilfoto von Peter Joe
    Peter Joe, 06.05.2023, 04:46 Uhr

    Frueher belebte der einzigartige Rabattverein Zug die ganze Stadt. Jeder Laden ob gross oder klein gab beim Kauf von irgend etwas die beliebten Rabatt-Maerkli an die Kunden. Zuhause wurden dann die Maerkli ins Zuger Rabattheftli eingeklebt und dann in Bargeld umgetauscht. Nach der Abschaffung der Rabatt-Maerkli gingen die treuen Kunden weg und kauften in Zuerich und Luzern ihr Zeugs ein. Jetzt sieht man es deutlich wie weit die Bahnhofstrasse gekommen ist.

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