Regionales Leben
Grosse Trauer um Enzo Baciocchi vom «Schweizerhof»

Für diesen Luzerner Concierge war fast nichts unmöglich

Concierge Enzo Baciocchi hat für seine Gäste alles gegeben. Hier auf einer Aufnahme von 2015. (Bild: Hotel Schweizerhof)

Über 30 Jahre lang war Enzo Baciocchi Concierge im Luzerner Hotel Schweizerhof. Vor wenigen Tagen ist er gestorben. Seine Geschichten aber bleiben.

Es war eine Nachricht, die in der Stadt Luzern – und darüber hinaus – bewegt hat. Am vergangenen Freitag, dem 28. Oktober, gab das Festivalhotel Schweizerhof bekannt, dass der langjährige Concierge Enzo Baciocchi gestorben ist. Er verstarb am 25. Oktober und wurde 64 Jahre alt (zentralplus berichtete).

Über 30 Jahre lang und bis zu seinem Tod hat Baciocchi Gäste im Hotel empfangen und begleitet. Wie stark Baciocchi das Hotel, das Team und die Gäste geprägt hat, zeigt sich auch in den sozialen Medien. Kurz nachdem das Festivalhotel die traurige Nachricht auf Facebook publik gemacht hatte, wurden zahlreiche Nachrichten und Kommentare verfasst. Gäste, Freunde und ehemalige Mitarbeiterinnen nahmen Anteil und Abschied, teilten Erinnerungen an ihre Begegnungen mit Baciocchi.

«Lieber Enzo, du warst und bleibst ein leuchtendes Vorbild für alle passionierten Gastgeber», lautet ein Kommentar. «Du wirst mir in meinem Herzen als herausragende Persönlichkeit erhalten bleiben, lieber Enzo», heisst es in einem anderen. Die Trauer ist auch beim Hotel Schweizerhof gross. «Wir sind alle traurig und fassungslos, dass Enzo aus unserer Mitte gerissen wurde», schreibt das Hotel auf Facebook.

Schon seit Jahren in den Zimmern verewigt

Dass mit Enzo Baciocchi eine einzigartige Persönlichkeit im Hotel Schweizerhof umging, zeigt sich auch bei den Zimmergeschichten. Als das Hotel 2014 in einer gross angelegten Renovation sämtliche 101 Zimmer und Suiten neu gestaltete, erhielt jedes der Zimmer eine sogenannte «Zimmergeschichte», eine spezielle Anekdote aus der mittlerweile 177-jährigen Historie des Betriebs.

Nebst Erlebnissen von weltberühmten Gesangstalenten wie Anastacia oder James Blunt beim gemeinsamen Frühstück, Bond-Darsteller Roger Moore oder vom russischen Schriftsteller Leo Tolstoi, findet sich im Zimmer 14 auch eine Geschichte aus Baciocchis Fundus.

Enzo Baciocchi organisierte einen Hund

Die Geschichte trug sich im Sommer 2002 zu, als die amerikanische Flötistin Diva Goodfriend-Koven mit ihrem Sohn nach einem Konzert in Luzern im Hotel Schweizerhof einkehrte. Mit einem ungewöhnlichen Herzenswunsch wandte sie sich an Baciocchi. Ob der Concierge ihnen einen Berner Sennenhund beschaffen könne, fragten sie.

«Mrs. Goodfriend, kein Problem. Wir werden Ihnen den schönsten Plüschhund kaufen, den es in Luzern gibt», entgegnete Enzo Baciocchi dem Mutter-Sohn-Gespann. Dieses jedoch schüttelte den Kopf und präzisierte: «Kein Plüschtier, Enzo, ich rede von einem echten, lebendigen kleinen Berner-Sennen-Welpen. Wir würden ihn gerne nach New York mitnehmen.» Nach kurzem Zögern stimmte der Concierge dem ungewöhnlichen Wunsch zu und bat um etwas Zeit.

Welpe «Luca»: Aus Sarnen nach New York

Gästewünsche gehörten für den gebürtigen Tessiner, der vor seinem Dienst im «Schweizerhof» schon in anderen Nobelhotels gearbeitet hatte, zur Tagesordnung. Reservationen, Terminplanungen, Transfers oder die Beschaffung von Blumen: daily business. Der Wunsch nach einem Hund war aber selbst für den gestandenen Concierge neu.

Mittels seiner Kanäle fand er einen Bauernhof in Sarnen, dessen Besitzerfamilie sich nach anfänglichem Zögern bereit erklärte, sich von einem Welpen zu trennen. Baciocchi fuhr die Musikerin und ihren Sohn höchstpersönlich in seinem Privatauto nach Sarnen, vermittelte vor Ort und organisierte die nötigen Papiere für den Welpen. Am folgenden Tag reiste «Luca» nach New York. Als Dank für den Concierge gab es einen netten Dankesbrief und eine Einladung nach New York.

Ehrenmitglied bei «Les Clefs d'Or Suisse»

Enzo Baciocchi war auch Ehrenmitglied bei «Les Clefs d'Or Suisse», der Vereinigung für Concierges, die 1929 von Pierre Quentin, dem damaligen Head Concierge des Hotels Ambassador in Paris ins Leben gerufen wurde. Die Vereinigung ist in der Schweiz seit 1952 aktiv. Ein «Clefs d’Or»-Concierge bemüht sich, jeden Gästewunsch zu erfüllen – so lange dieser moralisch, legal und menschlich machbar ist, heisst es auf der Website. «Er war ein guter Freund, ein Mentor für viele von uns», schreibt die Organisation in einem Post.

Beim Luzerner Edelhotel hinterlässt der Tod Baciocchis eine «Lücke, die nicht zu füllen ist», wie es seitens des «Schweizerhofs» heisst. Mit ihm geht ein grosses Stück Luzerner Gastfreundschaft verloren, das weit über die Stadtgrenze hinaus in die Welt strahlte.

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