Regionales Leben
«Innerhalb von drei Minuten kippte die Stimmung»

Feyenoord-Fans randalieren im Luzerner «Pickwick»

Bereits seit Tagen waren die Feyenoord-Fans am Rathausquai unterwegs, bis zum Spiel war es stets friedlich. (Bild: Facebook / Pickwick Pub Luzern)

Während der FC Luzern seinen Fans gestern Abend wenig Gründe zum Feiern lieferte, waren die Feyenoord-Fans aus dem Häuschen. Mehr als das. Das «Pickwick» am Rathausquai machte kurzen Prozess.

Ein bitterer Abend für Fans des FC Luzern: Bereits in den ersten zehn Minuten geht Feyenoord Rotterdam in Führung, die Luzerner bleiben im Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Conference League schlussendlich mit 0:3 chancenlos (zentralplus berichtete). Des einen Leid, des anderen Freud: Für die holländischen Fans, die teils seit Tagen in Luzern unterwegs sind, gab es gestern Abend kein Halten mehr.

An die 400 Feyenoord-Anhänger waren gemäss Angaben der Luzerner Polizei gestern hier. Da die Uefa zurzeit keine Gästefans zulässt, verfolgten sie das Spiel im «Pickwick» am Rathausquai. Und liessen den Emotionen freien Lauf. «Schon in den ersten drei Minuten des Spiels habe ich realisiert: Das kommt nicht gut», schildert Ramona Höfler, die gestern Abend im «Pickwick» am Rathausquai für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte.

Als zentralplus die «Pickwick»-Verantwortliche heute Vormittag am Telefon erreicht, ist sie bereits wieder dran, das Pub auf Vordermann zu bringen. «Bereits beim ersten Tor lag das ganze Bier am Boden. Jeder hat etwas gesucht, auf das er draufschlagen kann», nervt sich Höfler. Eine Lampe wurde zu Boden gerissen, ein Kurzschluss legte mal eben sämtliche Fernseher und den Strom lahm, Trennwände wurden umgestossen. «Alles, was sich bewegen liess, wurde rumgeschmissen.»

Höfler rief bereits zuvor die Polizei um Hilfe, machte dann aber selbst kurzen Prozess: «Ich habe nicht lange gefackelt und sogleich alle rausgeschmissen. Noch vor 10 Uhr hab ich das Pub geschlossen.»

«Abstand war ihnen egal»

Die «Pickwick»-Betreiber sind froh, wurde niemand verletzt. Auch die Sachbeschädigungen hielten sich im Rahmen, da Höfler die Fans rausgeschmissen hatte. Was sie mehr nervt, ist das gängige Problem: Wegen Einzelner kippt die Stimmung auf einen Schlag.

«Die ersten Fans waren schon am Montag hier, täglich kamen sie vorbei und freuten sich auf das Spiel. Sie waren friedlich, freundlich und hilfsbereit.» Auch hätten sie sich mit den FCL-Fans gut vertragen. «Die Ultras kamen schon gestern Nachmittag einmal vorbei, während dem Spiel artete es dann aus.» Auch auf die Abstände hätten sie gepfiffen, «was hätten wir tun sollen?».

Auch Luzerner Fans hatten angefragt, ob sie sich das Spiel im «Pickwick» anschauen könnten. Höfler hatte sie vorgewarnt, erschienen seien kaum welche.

Polizei verhaftet sechs holländische Fans

Nach dem «Pickwick» war noch nicht Schluss. Wie die Luzerner Polizei am Freitagvormittag mitteilt, kam es zu kleineren Prügeleien, gegen 1 Uhr dann zu einem grösseren Streit vor dem «Roadhouse». Dort hatten sich Fans des FC Luzern das Spiel angesehen. Die Polizei griff ein, die Holländer rannten in verschiedene Richtungen.

Sechs alkoholisierte Feyenoord-Fans konnte die Polizei anhalten, sie wurden zur Ausnüchterung verhaftet. Die Männer sind zwischen 17 und 28 Jahre alt, sie werden durch die zuständige Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Polizei hat die Fan-Gruppen seit Dienstag beobachtet, präzisiert Sprecher Urs Wigger auf Anfrage. Die betroffenen sechs Fans seien schon den ganzen Abend aufgefallen und zurechtgewiesen worden. Noch befinden sich die sechs in Gewahrsam der Polizei.

Damit ist die Geschichte um die berüchtigten Feyenoord-Fans um ein – wenn auch vergleichsweise harmloseres – Kapitel reicher. Immer wieder sorgen Hooligans unter den Fans für Krawall, zuletzt kam es hierzulande im Oktober 2019 in Bern zu Ausschreitungen. Damals wurden 49 Personen verhaftet.

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