Regionales Leben
Take-away-Alternative in Corona-Zeiten

Extrawurst für Foodtrucks? Luzern winkt ab – trotz Corona-Krise

Der Foodtruck an der Klosterstrasse gehört zum Restaurant Pikante – und bietet peruanische Spezialitäten. (Bild: jal)

Um die Einbussen abzufedern, sind viele Gastronomen auf Take-away umgestiegen. Immer mehr stellen eigene Foodtrucks auf. Bevor ihre Menüs über die Theke wandern, braucht es aber eine Bewilligung. Und in diesem Punkt bleiben die städtischen Behörden stur.

Die Corona-Bestimmungen machen es der hiesigen Gastro-Szene nicht gerade einfach. Derzeit dürfen Restaurants nur geöffnet haben, wenn sie Take-away anbieten – Platz nehmen dürfen die Gäste nicht. Und sich um das Lokal versammeln auch nicht. Sonst muss man mit einem Besuch der Polizei rechnen, wie zwei Betriebe am Schmudo erfahren mussten (zentralplus berichtete).

Um ihre Menus an den Mann oder die Frau zu bringen, sind immer häufiger auch Foodtrucks zu sehen. Beispielsweise in der belebten Hertensteinstrasse in der Luzerner Altstadt (zentralplus berichtete).

Foodtruck als Pilotprojekt

Oder seit neustem auf dem Vorplatz an der Klosterstrasse 4. Dieser Truck gehört dem angrenzenden Restaurant Pikante im Hotel Rothaus. Verkauft werden hier seit vergangenem Montag peruanische Spezialitäten zum Mitnehmen. «Der Foodtruck ist ein Pilotprojekt», sagt Pikante-Inhaber und Chefkoch Emilio Espinosa Schwarz. Die Idee dazu entstand im Januar – als Antwort auf die Corona-Beschränkungen.

«Wir haben bisher keinerlei Werbung gemacht.»

Emilio Espinosa Schwarz, Chefkoch & Inhaber Restaurant Pikante

Der Foodtruck folgt einem Streetfood-Konzept und bietet wöchentlich wechselnde Menüs an. Von Panini über Burger bis zu Süsskartoffel-Pommes – alles mit einem peruanischen Touch. Das Konzept geht auf. Seit einer Woche steht der Truck nun und läuft dank Mund-zu-Mund-Propaganda sehr gut. «Wir haben bisher keinerlei Werbung gemacht», sagt Schwarz.

Später, wenn die Pandemie überstanden ist, wird der Truck der Terrassen-Bestuhlung weichen. Das Streetfood-Angebot soll hingegen bleiben und eine Alternative zum À-la-carte-Menü des Restaurants bilden.

Mobile Foodstände: Stadt zeigt sich zurückhaltend

Vor der Pandemie gab es in der Stadt Luzern nur wenige mobile Foodstände und Gastronomieangebote. Das hat auch mit der restriktiven Handhabung der Behörden zu tun. Wenn die Trucks auf öffentlichen Plätzen stehen – beispielsweise bei der Ufschötti oder einem öffentlichen Parkplatz, muss die Stadt eine Bewilligung ausstellen – und die verteilt sie nicht gerade grosszügig (zentralplus berichtete). Denn jeder Fall muss einzeln betrachtet werden, wie Stefan Geisseler, stellvertretender Leiter Stadtraum und Veranstaltungen (Stav), auf Anfrage erklärt.

«Unsererseits sind keine Bestrebungen im Gang, die bestehende Praxis im Umgang mit Foodtrucks zu ändern.»

Mario Lütolf, Stadt Luzern

Im vergangenen Corona-Jahr hat sich die Stadt im Bereich Gastro durchaus kulant gezeigt. So konnten Restaurants einen Antrag stellen, um ans Lokal angrenzende Parkplätze als Aussenfläche zu nutzen. Zieht sich diese Kulanz zu den Foodtrucks weiter? Nein, sagt die Stadt. An der grundsätzlichen Regelung für mobile Take-Away-Angebote soll sich auch in Corona-Zeiten nichts ändern.

«Unsererseits sind im Übrigen keine Bestrebungen im Gang, die bestehende Praxis im Umgang mit Foodtrucks zu ändern beziehungsweise mehr Platz dafür zu schaffen», sagte Mario Lütolf, Stav-Leiter vergangenen November.

Das ist auch heuer noch so. Eine Änderung scheint aber auch nicht nötig. Wie Stefan Geisseler erklärt, seien nicht mehr Gesuche für mobile Gastro-Angebote eingegangen als noch vor der Pandemie.

Wer privates Grundstück nutzen kann, hat's einfacher

Die neuen Foodtrucks stehen nämlich häufig auf privaten Grundstücken. So auch jener von Emilio Espinosa Schwarz. Eine Sonderbewilligung brauchte der Chefkoch und Inhaber des Restaurants Pikante für sein mobiles Angebot nicht. Das Wirtepatent hat der Gastronom längst – sein Restaurant Pikante gibt es mittlerweile seit über drei Jahren (zentralplus berichtete).

Und der Truck steht auf privatem Grund und Boden, es brauchte also nur noch die Zustimmung des Grundeigentümers. Plant der Gastro-Betrieb, Essen von privatem Grund aus – also einem privaten Parkplatz beispielsweise – anzubieten, wie Schwarz das tut, obliegt es grundsätzlich dem Kanton, die Bewilligung auszustellen.

Um eine Bewilligung zu erhalten, müssen bestimmte Auflagen erfüllt sein. «Das Essen und die Getränke müssen in transportfähigen Gebinden abgegeben werden, damit diese mitgenommen werden können und nicht vor Ort konsumiert werden müssen», schreibt die Gastgewerbe- und Gewerbepolizei auf Anfrage. Dies, damit ähnliche Szenarien wie am Schmudo verhindert werden können. Ausserdem muss sich der Truck an die geltenden Ladenöffnungszeiten halten.

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