Regionales Leben
Testbohrungen zur Bodenbeschaffenheit

Durchgangsbahnhof: SBB geht Luzern auf den Grund

Die ersten Schritte zum Durchgangsbahnhof werden ersichtlich: Hier werden Bodenproben beim Genferhaus entnommen. (Bild: mik)

In der Nähe des Pavillons werden derzeit Bohrungen durchgeführt. Ein Luzerner Geologie-Unternehmen untersucht damit die Bodenbeschaffenheit für den Bau des Durchgangsbahnhofs. Auch auf dem See schwimmt eine Bohrinsel. Diese soll nächste Woche Erkenntnisse zum Luzerner Seebecken liefern.

In Luzern wird in einem Generationenprojekt der Bahnhof zum Luzerner Durchgangsbahnhof (DBL) umgebaut. Die potenziellen Folgen während und nach dem Bau werden in der Politik heiss diskutiert (zentralplus berichtete).

Da der Baustart voraussichtlich 2030 erfolgt, ist das Projekt jedoch in den meisten Köpfen noch gefühlt meilenweit weg. Doch bereits heute sind erste Spuren des Vorhabens ersichtlich: Im Seebecken schwimmt eine blaue Bohrinsel und auch beim Genferhaus steht eine Bohrmaschine.

Suche nach stabilem Untergrund

Die derzeit sichtbaren Bohrungen sind Teil des Vorprojekts zum DBL, welches noch bis 2022 dauert (zentralplus berichtete). Bevor der DBL überhaupt realisiert werden kann, braucht dieser die Genehmigung des eidgenössischen Parlaments. Mit dem Vorprojekt will die SBB nachweisen, dass der Bau in geplanter Manier durchgeführt und genehmigt werden kann, wie DBL Gesamprojektleiter Massimo Guglielmetti gegenüber zentralplus erklärt.

Geologe Beat Keller erklärt den Grund für die derzeitigen Bohrungen beim Genferhaus. Der Gesamtprojektleiter des Durchgangsbahnhofs Luzern, Massimo Guglielmetti, beschreibt, was die Bohrungen mit einer Crèmeschnitte zu tun haben.


Dafür werden nun umfassende Bodenuntersuchungen durch das Luzerner Geologie-Unternehmen Keller + Lorenz AG und die Kibag durchgeführt: Sie ermitteln, wie tragfähig und stabil der Untergrund ist, um eine möglichst lange Lebensdauer des Tunnels zu garantieren. Durch die Bohrungen werden die einzelnen Schichten im Luzerner Boden bestimmt, um beispielsweise aufzeigen zu können, in welcher Tiefe das Grundwasser zu finden ist. Mittels seismischen Untersuchungen wird ein 3D-Modell erstellt. Damit wollen sie sehen, wo der Fels verläuft, denn dieser sei «match-entscheidend»: Fels sei tragfähig, hart und stabil – also genau das, was man für langlebige Tunnels brauche, führt Guglielmetti aus.

Luzerner Untergrund ist komplex

Die verschiedenen Untersuchungen klingen sehr kompliziert und komplex. Das sei jedoch auch das geplante Bauprojekt und die Zusammensetzung des Luzerner Bodens, entgegnet Geologe Beat Keller. Bei den jetzigen Untersuchungen profitiere man sehr von früheren Projekten: «Wir wissen schon wahnsinnig viel», so Keller.

Jedoch müsse insbesondere der Standort des Felses sehr genau bestimmt werden, da die Verbindung des Seestücks und des Landstücks eine Herausforderung wird. Die Bohrmaschine könne nämlich nicht unter Wasser bohren, weshalb der Kurplatz infolge der Bauarbeiten künftig eine Baugrube werden wird.

Ein weiteres Problem ist die grosse Sandschicht im Becken. Obschon diese ohne Ausseneinwirkung stabil ist, wird eine Belastung weitreichende Folgen haben (im Video wird dies mittels einer Crèmeschnitte erklärt). Die Seebohrungen sollen nun abklären, inwieweit dieser Sand bebaut werden kann.

Archäologen interessiert an Bodenproben

Auch Archäologen sind bei den Bohrungen mit von der Partie. Im April sind Hinweise auf Pfahlbauten mitten im Luzerner Seebecken entdeckt worden (zentralplus berichtete). In Zusammenarbeit mit Experten aus Dänemark und vom paläontologischen Institut der Uni Bern habe man bereits vor der Zusammenarbeit mit den SBB Untersuchungen durchgeführt. «Als die erste Pfahlbausiedlung entdeckt wurde, kam die Frage auf: Wo sind die anderen?», beschreibt Kantonsarchäologin Anna Kienholz den Grund dafür. Für die geologische Begutachtung spanne man nun mit den Geologinnen und den SBB zusammen.

Gemäss Kienholz erwartet man bei den weiteren Untersuchungen auch Fundstücke aus der römischen Kultur oder dem Mittelalter. Denkbar seien auch Hinweise auf ehemalige Brücken, Hafenstrukturen oder ganze Schiffswracks.

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