Regionales Leben
Ein Augenschein in Zuger Läden

«Die Maskenpflicht hätte man schon viel früher einführen sollen»

Isabella Rapp aus Oberägeri begrüsst die Maskenpflicht. (Bild: jal)

Einkaufen nur noch mit Maske: Das gilt seit diesem Samstag im Kanton Zug. Die Maskenpflicht wird fast ausnahmslos eingehalten, wie ein Rundgang zeigt. Über Sinn und Zweck der Massnahme gehen die Meinungen allerdings auseinander.

«Was brauchen wir alles? Mehl, Milch, etwas Gemüse?» – «Warte Schatz, wir müssen eine Maske anziehen, bevor wir rein dürfen.»

Szene vor einem Zuger Einkaufsladen an diesem Samstagmittag. Seit heute gilt für alle Geschäfte im Kanton eine Maskenpflicht. Der Regierungsrat hat nach dem rasanten Anstieg der Fallzahlen am letzten Wochenende die Massnahmen verschärft (zentralplus berichtete).

Noch ist es für manche ungewohnt. Doch viele Kunden begrüssen die Maskenpflicht, wie Gespräche zeigen. «Ich finde es gut, dass dies endlich geregelt ist», sagt Fredy Rickenbacher, der in der Zuger Neustadtpassage seinen Einkauf erledigt.

Noch besser fände er allerdings eine schweizweit einheitliche Regelung. Dass man im benachbarten Schwyz und Luzern ohne Maske einkaufen kann, während in Zürich eine solche obligatorisch ist, sei schwierig nachzuvollziehen. «Aber das ist halt unser Kantönligeist», sagt er und lacht.

Fredy Rickenbacher aus Zug plädiert für eine national einheitliche Lösung. (Bild: jal)

Eine dezidierte Haltung hat auch Isabella Rapp aus Oberägeri. «Die Maskenpflicht hätte man viel früher einführen sollen», sagt sie hinter ihrem blauen Mundschutz. Klar würde auch sie lieber darauf verzichten. Die Massnahme sei aber einfach umzusetzen «und allemal besser als krank zu werden».

Zudem gibt Isabella Rapp zu bedenken, dass es auch um Arbeitsplätze und die Existenz von Firmen gehe. Ein zweiter Lockdown wäre für den Detailhandel eine Katastrophe, sagte kürzlich auch Johanna Margraf, Präsidentin von Pro Zug, gegenüber zentralplus. Viele Detaillisten seien darum froh um die einheitlichen Regeln mit der Maskenpflicht.

«Nutzen ist zu gering»

Doch nicht alle Zuger stehen der neuen Vorschrift so positiv gegenüber. Ein junger Mann, der vor einem Kleidergeschäft auf seine Begleiterin wartet, findet deutliche Worte: «Die Maskenpflicht ist überflüssig.» Er bezweifelt, dass diese Massnahme einen grossen Effekt habe. Viele Leute würden sie ohnehin falsch tragen oder – im Fall von Stoffmasken – zu wenig regelmässig waschen.

«Der Nutzen ist meiner Meinung nach zu gering für die Umstände, die es verursacht», sagt der Zuger, der nicht namentlich genannt werden möchte. Viel besser fände er es, bei den bisherigen Regeln zu bleiben: Sprich, weiterhin Abstand halten, Hände waschen und sich bei der Begrüssung zurückhalten.

Nur selten ist jemand «oben ohne» zu sehen

Zu denken, bei dieser Frage gäbe es einen Generationen-Graben, wäre aber falsch. Junge Erwachsene sind nicht alle gleicher Meinung. Mehrere Befragte im Alter von 20 bis 30 Jahren finden es angesichts der steigenden Fallzahlen nachvollziehbar, dass der Kanton die Schraube anzieht. Nicht einig sind sich hingegen zwei junge Männer, die im Metalli auf Shopping-Tour sind. «Eine Katastrophe» sei es, sagt der eine von ihnen. «Ich bin mega froh, wenn ich die Maske jeweils so schnell wie möglich wieder ausziehen kann.»

Sein Begleiter sieht es entspannter. Er sei sich das Maskentragen vom Militär her seit Wochen gewöhnt. «Angenehm ist es wirklich nicht», sagt er. «Aber wenn es nützt, dann habe ich kein Problem damit.»

Die Maskenpflicht gilt seit diesem Samstag. (Bild: jal)

Obwohl der Mundschutz manchmal nerve: Für beide kommt es nicht in Frage, sich der Maskenpflicht zu widersetzen. Eine Haltung, die weit verbreitet ist. Bereits am ersten Tag tragen praktisch alle Kunden in den Läden eine Maske – manche auch auf der Strasse oder auf dem Markt unter freiem Himmel.

Nur selten erblickt man ein Kunde «oben ohne». Bei unserem Rundgang ist es eine Frau, die ganz ohne Mundschutz durch die Gänge eines Detailhändlers streift. Auf die Frage, ob sie aus Protest auf die Maske verzichte, reagiert sie erschrocken. «Nein, ich habe sie ganz einfach vergessen», antwortet sie, greift sofort in ihre Handtasche und streift sich die elastischen Bändel einer Maske über die Ohren. Und kauft weiter ein.

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