Regionales Leben
Terry Virts zu Besuch in Luzern

Der Astronauten-Alltag im All

Der Astronaut Terry Virts war über ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS. (Bild: kap)

ISS-Kommandant und Space-Shuttle-Pilot: Der US-amerikanische Astronaut Terry Virts war zu Besuch im Verkehrshaus. Er erzählte von seinen Erfahrungen im All, einem gefährlichen Zwischenfall und seinem Leben danach.

400 Kilometer über dem Erdboden, über ein halbes Jahr fast nur gefriergetrocknete Mahlzeiten. Schlafen im Schlafsack, angebunden an eine Wand. Hört sich gemütlich an? Für den US-amerikanischen Astronauten Terry Wayne Virts über ein halbes Jahr Realität; zuerst als Bordingenieur auf der Internationalen Raumstation ISS, dann als Kommandant der ISS-Expedition 43. Der ehemalige Astronaut war zu Gast im Verkehrshaus.

Virts’ Abenteuer ins All startete im Jahr 2010, als er das Space Shuttle «Endeavour» als Pilot ins All steuern durfte. Virts erzählt zu Beginn des mehrstündigen Talks über diese prägende Erfahrung. Sogar für den ehemaligen Test- und F16-Kampfjetpilot ein prägendes Ereignis. Als er als Pilot der Endeavour die Feststoffraketen zünden hörte, war für ihn klar, dass «etwas sehr Bedeutendes passieren wird». Das erzählt er im Verkehrshaus einem neugierigen Publikum.

Für die Fertigstellung der Raumstation ISS mitverantwortlich

Selbst als erprobter Kampfjetpilot schwärmt er davon, wie laut und vor allem wie schnell diese Triebwerke das Raumschiff in Richtung All katapultieren – nach achteinhalb Minuten erreichte das Space Shuttle bereits unglaubliche 28'800 Kilometer pro Stunde.

Es war der Start zu seinem ersten Raumflug, für den er als Pilot zusammen mit der Crew verantwortlich war für die Fertigstellung der ISS.

Wie jeder Astronaut, der das Verkehrshaus besucht hat, hat auch Terry Virts einen Handabdruck hinterlassen. (Bild: kap)

Doch, und das sagt Virts in aller Deutlichkeit: «Meine Reise begann nicht mit dem Start ins All.» Bereits als Kind hatte er sich für die Raumfahrt fasziniert: «Das erste Buch, dass ich las, war über eine Apollo-Mission.»

Nach der Highschool wurde Virts Pilot der US-amerikanischen Luftstreitkräfte und später auch als Testpilot. Als letzterer hat er über 40 verschiedene Flugzeugtypen geflogen, entscheidend für eine spätere Karriere als Astronaut, wie er sagt. Zum Zeitpunkt seiner Bewerbung als Astronaut hatte er noch keinen Uni-Abschluss, dennoch wurde er aufgenommen. «Obschon meine Freunde viel smarter waren als ich», so der zweimalige Familienvater. Für Virts, der heute auch als «Motivationsredner» arbeitet, ein klares Zeichen: Man soll sich nicht kleinreden und nicht sagen, dass man etwas nicht erreichen könne.

Im Jahr 2000 wurde Terry Virts als Space Shuttle-Pilot ausgewählt, zehn Jahre, bevor er zum ersten Raumflug abgehoben ist. Seine zweite und grösste Mission als Raumfahrer startete vier Jahre später, im November 2014. In einer Sojus-Kapsel hob er in Richtung Internationale Raumstation ISS ab, zusammen mit einem Russen und einer Italienerin. 200 Tage würde er dort bleiben, zuerst als Bordingenieur, dann als Kommandant der ISS-Expedition 43.

Gefährliche Situation während eines Weltraumspaziergangs

Während seines Aufenthaltes auf der ISS kam es dann auch zur brenzligsten Situation seiner Raumfahrer-Karriere. Im Rahmen eines Aussenbordeinsatzes begann sich in seinem Helm Wasser anzusammeln. Eine äusserst gefährliche Situation, die bereits im Jahr 2013 dem italienischen Astronauten Luca Salvo Parmitano beinahe das Leben kostete. Die unmittelbare Ursache für diesen Zwischenfall war ein verstopfter Filter gewesen.

Nachdem Virts das Wasser in seinem Helm bemerkt hatte, setzte er einen Warnspruch ab. Diese kam auch bei einer Tochter des zweimaligen Familienvaters an. Sie war auf dem Weg zur Schule, als sie eine Durchsage über das Autoradio hörte: «Astronaut Virts könnte ertrinken.» Glücklicherweise konnte die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti Virts nach dem Zwischenfall aus dem behäbigen Raumanzug befreien. Später stellte sich heraus, dass keine unmittelbare Lebensgefahr bestand.

Nach über 200 Tagen auf der ISS ist Virts im Juni 2015 wieder auf der Erde gelandet, rund ein Jahr später trat er aus der Nasa aus. Vermisst der ehemalige Astronaut sein ehemaliges Leben? «Nein, obwohl ich es liebte», sagte Virts im Nachgang an den Talk im Verkehrshaus. Langweilig scheint es ihm keinesfalls geworden zu sein.

Seit seinem Rücktritt arbeitet Virts als Autor, hält viele Vorträge. Zudem berate er Firmen im Energiesektor über erneuerbare Energien, wie er sagt. Virts zahlreiche Fotoaufnahmen aus dem All – er soll der Astronaut sein, der am meisten Fotos geschossen hat – wurden zudem im IMAX-Film «A Beautiful Planet» verwendet. Gar Regie geführt hat Virts beim Film «One More Orbit». Dieser verfilmte den erfolgreichen Weltrekordversuch für die schnellste Umrundung der Erde über beide Pole.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Terry Virts
  • Talk im Verkehrshaus mit Terry Virts
  • Informationen über Terry Virts auf der Website der NASA
  • Informationen über den Film «One More Orbit»
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