Regionales Leben
Zuger Restaurant geht ans Limit

Das Steakhouse mit strippenden Mitarbeitern

Sie machen fast alles mit: Chef Ramon Nietlispach (vorne) und seine Servicemitarbeiter als «Chippendales». Das Foto ist übrigens ein Fake, also eine Fotomontage. (Bild: AVP Media-Design Cham)

Videos auf Facebook und Profifotos generieren mehr Klicks als eine trockene Firmenwebseite. Das Zuger Restaurant Meating hat diesen Trend für sich entdeckt. Seither ist es brechend voll und auf Tripadvisor bereits die Nummer 2 in Zug. Denn Chef Ramon Nietlispach und seine Mitarbeiter sind für vieles zu haben.

Das Gastgewerbe gilt in Sachen Marketing mit ein paar Ausnahmen als eher rückständig. Die Facebook-Seite des Grillrestaurants Meating in Zug fällt deshalb aus dem Rahmen. Mit frechen Videos. Aber auch jeder Menge ungewöhnlicher Fotos (siehe Bildergalerie unten): Auf einem imitieren die Servicemitarbeiter und der Chef mit – ausgeliehenem – nacktem Oberkörper die Chippendales. Am 6. Januar posierte das Kader als Heilige Drei Könige. Es gibt Persiflagen auf bekannte Markenwerbungen. Eine Bulldogge posiert vor einer Champagnerflasche. Crazy. Und kreativ.

Mitarbeiter als Persönlichkeiten

Es bleibt aber nicht bei Fotos. 25 Videos hat das Restaurant seit der Eröffnung schon auf Facebook publiziert. Mit über 25’000 Aufrufen (ohne Bezahlung) liegt der Kurzfilm namens «Saturday Meating» an der Spitze der Beliebtheitsskala – es soll auf die neuen Öffnungszeiten am Samstagabend aufmerksam machen. Ein «One-Take Video Walk» zeigt die neu angekündigte Eröffnung. Die Videofahrt wie auch das Konzept wurden sehr einfach gehalten – das Video stiess jedoch auf riesiges Interesse.

Das gewagte Video vor der Veranstaltung:

Das zweite Video zeigt einen solchen Samstagabend im Garten des «Meatings»:

Nummer 2 auf Tripadvisor

«Wir sind anders, gehen ans Limit und manchmal darüber hinaus», erklärt der 29-jährige Ramon Nietlispach. Er hat das Restaurant, das 14 Mitarbeitende beschäftigt, im Februar 2015 eröffnet. «Mehr Action im Facebook führt eben zu mehr Aufmerksamkeit», sagt Nietlispach zum ungewöhnlichen Auftritt des «Meating». Nietlispach ist in Zug kein Unbekannter, er war in sehr jungen Jahren einer der Mitbegründer des «Pier 41», das heute vom EVZ geführt wird.

«Wir sind anders, gehen ans Limit und manchmal darüber hinaus.»
Der Zuger Gastronome Ramon Nietlispach

Gemäss dem Chef ist die Resonanz auf neue FB-Posts direkt spürbar. «Die Anfragen für Reservationen nehmen dann brutal zu», sagt der Gastronome. Mittlerweile sei es fast unmöglich, am Wochenende ohne Reservation einen Platz zu ergattern. Und auf Tripadvisor ist das Restaurant aktuell die Nummer 2 der Stadt Zug (von 94 Lokalen). Mit 134 Bewertungen.

Das «Meating» im Grafenau-Gebäude ist übrigens ein trendiges Grillrestaurant: Top-Fleisch aus der Region, fangfrischer Fisch, in verschiedenen Garstufen zubereitet.

Mitarbeiter im Zentrum

Zurück zum Auftritt in den Sozialen Medien: Die mit Musik unterlegten Videos sind nicht nur jung und frech, sie fallen auch aus einem anderen Grund auf: Neben dem kulinarischen Angebot werden die Mitarbeiter als Persönlichkeiten ins Zentrum gestellt. Geschäftliches und scheinbar Privates vermischen sich scheinbar. Und der Unterhaltungswert ist gross.

Dahinter stecken Profis aus Cham

Hinter dem Auftritt stecken Profis: Die Firma AVP Media-Design aus Cham betreibt die Facebook-Seite des «Meating» seit 2015. Und sie produziert auch ständig neue Food-Fotos und Videos. Einer der Inhaber, Tobias Rothenfluh, ist mit Ramon Nietlispach gut befreundet, deshalb ist es mittlerweile ein gemeinsames Projekt.

Die Firma aus Cham produziert die Videos fürs «Meating» sehr spontan und nach aktuellen Ereignissen aus dem Leben des Betriebs. Die Filme werden ausschliesslich für Facebook produziert und vermarktet. So können auch Kommentare, Feedbacks oder Kritik live übertragen werden.

So geht das: als Restaurant in Sozialen Medien

«Hol den Freitag – Team Event»

Ein spezieller Mitarbeiteranlass, der als Überraschung geplant war. Die Mitarbeiter konnten sich einen freien Tag verdienen. Das Team wurde gestärkt und alle Mitarbeiter hatten sichtlich ihren Spass.


«Christmas Meating»

12 Videos – 12 Fotos = 24 Überraschungen. Das verrückte Video des «Christmas Meating» am 24. Dezember. Ein gut einstudierter One-Take Video Walk führt durch das ganze Restaurant. 


«Best of Swiss Gastro Award»

Das neue Zuger Restaurant war nominiert in der Kategorie «Best of Trend 2016». Leider hat es dieses Jahr noch nicht geklappt. Dafür teilt man Freud und Leid des Teams an der Nomination.


«Ein Jahr Meating»

Das gesamte erste Restaurant-Jahr in ein paar Minuten.


Professionalität kostet etwas

Viele Gäste und andere Gastronomen fragten ihn, wer denn seinen Auftritt in den Sozialen Medien gestalte, sagt Geschäftsführer Ramon Nietlispach. Er verweise sie dann jeweils an die AVP Media-Design. Unter «normalen Umständen» müsse man mit Kosten von mehreren Tausend Franken im Monat für einen solchen Auftrag rechnen.

Der Auftritt fällt auf in Zug. «Wir haben aufgrund des Meating-Auftrags viele Anfragen von Firmen erhalten, die auch einen solchen coolen Auftritt in den Sozialen Medien haben möchten», erklärt Lukas Schnurrenberger, Mitinhaber von AVP Media-Design. Doch mit Geld allein sei das nicht zu haben. «Es braucht Vertrauen, Ideen und Engagement von beiden Seiten.»

«Es ist keine Frage des Geldes»
Lukas Schnurrenberger, AVP Media-Design

Firmen haben Angst vor Blamage

Laut Schnurrenberger sind wenige Kunden der Agentur so mutig wie die Zuger Gastronomen. Viele Firmen befürchteten, dass etwas falsch ankommen könnte in der Öffentlichkeit. Bei grossen Firmen, wo solche Kampagnen durch verschiedene Kontrollen gingen, seien solche Auftritte extrem schwierig. Die Kleinheit eines Restaurants sei da ein Vorteil. Schnurrenberger: «Es klappt auch so gut, weil das Team flexibel, spontan und lustig drauf ist.»

Andere unkonventionelle Auftritte

Wir haben weitere Facebook-Auftritte gesucht, die in der Zentralschweiz durch professionelle und originelle Videos aus dem Rahmen fallen. Fazit: Es gibt erst wenige, und es sind zumeist Kulturschaffende. Zum Beispiel das Silo-Festival, das vom 27. bis 29. Mai im Stadelmatt in Hünenberg stattfindet. «Wir freuen uns auf euch Hippies», schreiben die Organisatoren über ihr Publikum, «grossartige Musik in einer handyfreien Zone», lautet ein weiterer Slogan. Einen weiteren schrägen Auftritt hat der Nidwaldner Unterhalter Kari Kreidler. Die Kunstfigur wirbt als Maskottchen und Werbebotschafter fürs Teffli Rally in Ennetmoos. Videos sind in der Club- und Partyszene weiter verbreitet: Der Fabric-Club aus Zug arbeitet zum Beispiel mit Filmen und animiert damit partyfreudige Besucherinnen und Besucher.

«Dieses Projekt macht uns sehr viel Spass und wir haben viel kreativen Freiraum. Fast jede unserer Ideen kommt gut an», sagt Fotograf Schnurrenberger. Das sei nicht selbstverständlich. Und die Filmarbeit macht auch den beteiligten Restaurantmitarbeitern Spass und fördere den Zusammenhalt im Team.

Vieles sei spontan und man begleite das Team mit der Kamera. Manches ist inszeniert. Die Videos würden jeweils vor der Publikation dem Team gezeigt. Wenn jemand gar nicht einverstanden ist, wird auch einmal etwas rausgeschnitten. Aber das komme sehr selten vor.

Was sagt der Experte?

Für Michael Hostmann vom Kompetenzzentrum für das Gastgewerbe und die Hotellerie aus Kriens ist das «Meating» eine Ausnahmeerscheinung in der Innerschweizer Gastronomie. Im Club- und Dancingbereich gibt es laut Hostmann mehr Betriebe, die Videos auf Facebook posten. Ein Beispiel ist der Club «Fabric» in Zug (siehe kleiner Kasten).

«Die technische Entwicklung ist zu schnell für viele etablierte Gastgewerbler», erklärt Hostmann die Tatsache, dass viele Restaurants im Internet wenig präsent sind. Laut Hostmann sind jüngere Gastgewerbler stärker interessiert und engagiert in den Sozialen Medien.

Man brauche zudem einen Partner, der mithelfe und die nötige Technik beherrsche. Zudem müssten die Videos von einem Spezialisten aufbereitet, farbkorrigiert und musikalisch vertont werden. Und laut dem Gastroexperten braucht es vor allem ständig neue Ideen. Denn mit einem Post ist es nicht getan.

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