Regionales Leben
Wo Wanderer und Bergler ihren Bauch vollschlagen

Das sind die 12 besten Alpbeizen im Kanton Zug

Die Mutter aller Bergwirtschaften: Das Zuger Alpli.

(Bild: Oksana Mathis)

Im Spätsommer beginnt die Hochsaison für Wandervögel. Wer wandert oder Velotouren macht, will auch essen und trinken. Und die Seele baumeln lassen. Wir haben die besten Zuger Alpbeizen zusammengetragen – und sind selbst ganz begeistert von der Vielfalt.

Wandern ist längst keine Randsportart mehr für pensionierte Wetterschmöcker. Im Gegenteil. Städter im Dichtestress suchen die freie Natur, gestresste Agglo-Bewohner laben sich am Wiederkauen der Kühe. Vor allem formt ein steiler Bergweg den Po besser, als es diese überteuerten Fitnessangebote je hinkriegen werden. Und Kaffee mit Schuss beruhigt die Nerven mindestens wie ein Hot-Yoga-Kurs.

Ein Problem bleibt. Der Anfahrtsweg zu den Postkartenorten wird oft in Stunden angegeben. Es dauert lang, oft zu lang. Meist führt das dazu, dass man am Montag im Büro dann wieder etwas über diese neue Netflix-Staffel erzählen muss, wenn man beim Small-Talk nach dem Wochenende gefragt wird. Aber keine Angst. Es geht auch anders.

Naturnahe Beizen und Kaffee-Schnaps-Oasen: Unsere Liste

«Warum denn in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!», sagte Goethe, als er die alten Innerschweizer dabei beobachtete, wie sie Touristen in einer Sänfte auf die Rigi hochschleppten. Und er hatte recht: Gerade im Kanton Zug gibt es viele naturnahe Beizen und Kaffee-Schnaps-Oasen. Hier die besten in zufälliger Reihenfolge. Zur Erinnerung. Oder auch, um sie das erste Mal zu besuchen und so zu tun, als ob Sie seit Jahren Stammgast seien.

Lust bekommen, gleich loszuwandern? Hier findest du den Wanderführer von zentralplus mit 160 ausführlich beschriebenen Routen in der Zentralschweiz, filterbar nach deinen Kriterien und alle mit übersichtlichen Karten.

Hirssattel: Zu Anfang wollen wir es nicht übertreiben. Der Name Hirssattel klingt zwar nach einem Pass, aber die Liegenschaft liegt in der Gemeinde Baar in der hügeligen Landschaft des Mittellands neben dem Steinhauserwald. Ins Schwitzen kommt nur, wer mit dem Velo den Stutz von Blickensdorf hochfährt. Für den ist die Ausflugsbeiz aber auch besonders günstig gelegen. Biker und Velöler, die einen Ausflug ins Säuliamt unternehmen, sind hier richtig – ebenso  Spaziergänger, die sich nicht zu weit von der urbanen Lorzenebene weg trauen. Die Wirtschaft ist recht günstig, neben den üblichen Fleischgerichten liebt man hier Käse (Fondue, Raclette). Ein Kinderspielplatz ist vorhanden.

Die Brunegg zwischen Schmittli und Zugerberg.
Die Brunegg zwischen Schmittli und Zugerberg. (Bild: Andreas Busslinger)

Brunegg: Die Alpwirtschaft liegt auf halber Höhe zwischen Lorzental – 20 Minuten zu Fuss von der Bushaltestelle Schmittli entfernt – und dem Zugerberg. Eigentlich ist die Brunegg ein stattliches Bauernhaus, das einfach ein wenig ab vom Schuss liegt und deshalb auf Alpbeiz macht. Es gibt hier genügend Platz, um mit einer Gesellschaft ein Bankett zu veranstalten, und einen Kinderspielplatz hat’s neben der hübschen Terrasse auch. Die Zufahrt ist über eine asphaltierte Strasse möglich, deshalb ist die Beiz auch für die ältesten Verwandten geeignet. Für Musikliebhaber: Hier gibt’s immer mal wieder Ländlerabende. Wer Folklore mag, soll es ausprobieren.

Sihlmatt: Die Beiz für Schattenliebhaber und Leute mit Steillagenphobie liegt auf einer Matte am Südufer der Sihl. (Natürlich ist es im Sommer trotzdem sonnig und man muss auch einen mehr oder minder steilen Feldweg runter, um ins Tal zu gelangen.) Das Sihlmätteli hat eine abwechslungsreiche Karte und ist als Forellenbeiz bekannt, eine kleine Fischzucht liegt einen Steinwurf weit entfernt.

Das Zuger Alpli
Der Run auf das Zuger Alpli ist am späten Sonntag Nachmittag vorbei. (Bild: hch)

Zuger Alpli: Der Klassiker unter den Zuger Alpbeizen. Deshalb hat das Alpli nur noch für die Zuger Expat-Gemeinde einen Exklusivitätsfaktor. Trotzdem: Das Alpli hat seine Beliebtheit wohlverdient und bleibt ein gemütlicher Rast auf dem Weg zum Wildspitz. Es gibt Spielgeräte und viele Tiere für den Nachwuchs. Das Zuger Alpli ist bekannt für seine Schnitzel in Sauce. Obwohl mit dem Auto oder Mountain Bike erreichbar, hat die Beiz keinen Strom (und auch kein WLAN). Sie macht stattdessen konsequent auf Old School.

Walchwilerberg: Am strategisch günstig gelegenen Restaurant Pfaffenboden kommt man nicht vorbei. Etwa, um nach dem gepflegten Spaziergang am Sonntag oder an einem Herbsttag über dem Hochnebel einzukehren – oder um hemmungslos der Lust auf Fleisch zu frönen. Die Spezialitäten heissen Pfaffenbodenknüttel (Rindshuftstreifen) und Fleisch auf dem heissen Stein. Es gibt eine grosse Terrasse, einen Kinderspielplatz und der Blick schweift über Alpen, Rigi und Pilatus.

Leute, die einen intimeren Rahmen vorziehen, können aber auch auf eine kleine Besenbeiz auf dem Hirschenhof ausweichen (Hirschenbeizli, Liegenschaft Untersüren).

Wanderhütte Grümel: Dieser wunderbare und gemütliche Ort ist oberhalb von Oberägeri gelegen. Die Hütte bietet eine hervorragende Aussicht übers Ägerital, in den Schwyzer Talkessel und die Urner Alpen, ist am Wochenende offen – auch im Winter. Hier lässt sich auf dem Panoramaweg Ägerital Station machen. Der Ratenpass ist zu Fuss Fünfviertelstunden entfernt. Derzeit ist der Grümel leider geschlossen (schluchz).

Alpwirtschaft Sonnegg: Wir wechseln ins Hürital, wo die Sommerfrischler auf ihre Kosten kommen. Die Sonnegg ist eine klassische Alpwirtschaft, die von November bis April geschlossen ist. Trotzdem ist die Wirtschaft auch mit dem Auto erreichbar. Gegessen wird hier bürgerlich. Die Sonnegg hat einen Spielplatz und einen Kleintierzoo und ist daher kindertauglich.

Die Sonnegg, bekannt für ihre Älplermagronen
Die Sonnegg in Unterägeri, bekannt für ihre Älplermagronen. (Bild: Andreas Busslinger)

Alpwirtschaft Brandalp: Hoher Exklusivitätsfaktor. Die Brandalp liegt südlich des Ägerisees auf 1127 Metern über Meer. Die Wirtschaft ist im Sommer an Wochenenden geöffnet und hat ein überschaubares Angebot. Trotzdem bekommt man den Bauch voll, kann allerlei trinken und wunderbar entspannen. Ausserdem gibt es für Kleinkinder auch einige Spielgeräte. Was man nicht kann, ist, mit dem Auto vor die Haustüre zu fahren. Daher ist die Beiz für Biker und Wanderer besonders gut geeignet. Von der Brandalp gibt es eine schöne Aussicht über Hürital, Zugerberg und Unterägeri.

Alpwirtschaft Ramenegg: Die Beiz ist bemerkenswert urchig und echt am Nordabhang des Chaiserstocks über dem Ägerisee gelegen. Hier gibt’s feine Desserts, Rösti und Magronen werden wie anno dazumal auf dem holzgefeuerten Herd bereitet. Ein Terrasse und ein Kinderspielplatz sind vorhanden (zentralplus berichtete).

ramenegg ueber dem aegerisee (Bild: Andreas Busslinger)

Auf dem Weg von der Ramenegg nach Morgarten kommt man übrigens an einer weiteren Alpwirtschaft vorbei. Schornenrain heisst sie und bietet eine weitere Möglichkeit, ein kaltes Plättli zu sich zu nehmen und auf der Terrasse ein Glas Wein oder ein Bierchen zu geniessen. Es ist unser letzter Tipp, aber ein ziemlich kultiger. Ideal für Alpöhis und solche, die es werden wollen.

Zugabe gefällig?

Was du jetzt vermutlich in der Aufstellung vermissen wirst, sind zwei Beizen, die gefühlte 10 Meter ausserhalb der Kantonsgrenze im Kanton Schwyz liegen. Erstens die Alpwirtschaft Halsegg zwischen Chaiserstock und Rossberg. Von der grossen Terrasse hat man eine grandiose Aussicht in den Schwyzer Talkessel und in die Glarner und Urner Alpen. Hier gibt’s einen Spielplatz sowie Getränke, einige Desserts wie Meringues und Gerichte für den kleinen Hunger.

Zweitens das Berggasthaus Wildspitz auf dem höchsten Gipfel des Kantons, ebenfalls mit schöner Aussicht und das ganze Jahr über ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Biker, Schneeschuh- und Skitouristen. Es soll sogar Zuger geben, die mindestens einmal pro Woche dort hinaufsteigen. Gastronomisch ist das Berggasthaus für Sportler interessant, mit zahlreichen Spaghetti-Variationen.

Das Berggasthaus Wildspitz diesen Sommer.
Das Berggasthaus Wildspitz diesen Sommer. (Bild: hch)
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